Tour durch 800 Jahre Bergbau

"Freie Presse" hat dem Regen getrotzt und ein noch junges Angebot der Tourist-Info Greifensteine getestet. Eine zweistündige Wanderung bietet tiefe Einblicke in die Geschichte einer Region.

Ehrenfriedersdorf.

Bergbau erkunden und erleben bei einer Tour durch den Greifensteinwald. Dieses noch junge Angebot der Tourist-Info Greifensteine hält, was es verspricht, nämlich allerlei Spannung. Bei einer rund zweistündigen Exkursion weiß Gästeführer Falk Findeisen allerlei Wissenswertes über Pingen, Halden und Restlöcher, die vom Bergbau herrühren, zu berichten. "Fast 800 Jahre Bergbau haben ihre Spuren hinterlassen", erklärt der 42-Jährige. Als gebürtiger Ehrenfriedersdorfer befasst er sich schon seit seiner Kindheit mit der Geschichte des Bergbaus. "Es ist ein Hobby von mir und ich habe mich in die Materie eingearbeitet", so Findeisen. Seit Anfang August steht das Angebot der Führungen mit Start vor der Tourist-Info im alten Berghaus auf dem Programm. Immerhin acht Interessenten hatten sich trotz Regens vergangenen Sonnabend zur kleinen Tour eingefunden. Und wer sich schon mal an den Greifensteinen trifft, sollte auch erfahren, dass hier einst 13 Granitfelsen das Plateau zierten. Sechs davon sind im Areal der heutigen Naturbühne Steinbrucharbeiten zum Opfer gefallen. Bergbauspuren befinden sich im Greifensteingebiet sozusagen auf Schritt und Tritt. Falk Findeisen gibt unter anderem Einblicke in verschiedene Abbaumethoden und geologische Gegebenheiten. So erfolgte im Röhrenbohrer-Grubenfeld der Abbau von Übertage in die Tiefe mittels "Strossenbauen". Diese noch gut sichtbaren Zeitzeugen dürfen innerhalb der Exkursion nicht fehlen, zumal das Grubenfeld im Jahr 1791 als eines der ergiebigsten im sächsischen Erzgebirge galt. Vor allem Zinn wurde im Gebiet abgebaut. In der Ritterhöhle und der benachbarten Stülpnerhöhle ist das Erz einst durch Feuersetzen gewonnen worden. Die Tour führt nicht ohne ausführliche Erläuterungen auch an diesen historischen Bergbauzeugen vorbei.

Nun ja - und den Stülpner Karl, der sich angeblich in der nach ihm benannten Höhle versteckt haben soll, vergisst Falk Findeisen in seinen Ausführungen ebenso nicht. Und überhaupt ist die Tour ein Stück Heimatkunde. Vorbei geht es auch am Gedenkstein von Ratsoberförster Karl August Rudolph, der sich um die Jahrhundertwende viele Jahre für die nachhaltige Waldwirtschaft im Gebiet engagiert hat. "Der Wald war damals durch den Bergbau und das benötigte Holz fast kahl", ergänzt Barbara Leukefeld. Sie war von 1971 bis 2000 Revierförsterin im Gebiet. Als Teilnehmerin findet die Ehrenfriedersdorferin die Bergbautour sehr interessant, informativ und intensiv. Falk Findeisen möchte dabei sein Wissen gern weiter vermitteln. Er sucht gern den Kontakt zu den Leuten. "Deshalb bin ich mit der Idee, hier Führungen zu machen, auf die Mitarbeiter der Tourist-Info zugegangen", so das Mitglied der Ehrenfriedersdorfer Berggrabebrüderschaft. Auf Wunsch bietet der Experte auch noch eine größere Runde an. "Sie führt ins Greifenbachtal zum Röhrgraben sowie unter anderem zur Pochwerkruine, zum Gahrisch- Stolln bis hin zum Greifenstein-Stollen und dauert natürlich länger", verrät Findeisen. Interessenten dafür könnten sich jederzeit bei der Tourist-Info melden.

Die kleine Führung dauert rund zwei Stunden und findet auch an diesem Samstag statt. Planmäßig stehen Führungen bis zum 30. November an jedem Samstag auf dem Programm. Start ist immer um 9.30 Uhr, Tourist-Info Greifensteine. Anmeldung sind telefonisch unter 037346 6870 möglich.

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