Touristen und Häuslebauer: Crottendorf hat beide im Blick

Investitionen, neues Bauland und das Interesse von Auswärtigen am Ort und seiner Umgebung: Das sind Schwerpunktthemen für die nächsten fünf Jahre.

Crottendorf.

20 Grundstücke im neuen Wohngebiet "Schießbergblick" in Crottendorf sind verkauft, weitere reserviert. Die Vermarktung des Standorts begann 2013 im Auftrag der Gemeinde, die das Gelände auch erschließen lassen hatte. Derzeit sind noch acht Grundstücke von 33 frei. Daher wird sich der Gemeinderat in den nächsten Jahren mit weiteren Standorten für Häuslebauer beschäftigen müssen, erklärt Bürgermeister Sebastian Martin (parteilos). Das kann etwa schon damit beginnen, über den Kauf geeigneter Flächen zu entscheiden.

Nach der Wahl am 26. Mai wird der neue Rat auch begonnene Projekte wie den Bau einer Kinderkrippe in Crottendorf und die abwassertechnische Erschließung samt Straßenbau in Walthersdorf weiter begleiten. "Und wir wollen uns im Bereich Tourismus weiterentwickeln", kündigt Martin an. Dabei sei die Eröffnung des Crottendorfer Räucherkerzenlandes 2017 ein Glücksfall gewesen. Im ersten vollen Jahr 2018 haben nach Unternehmensangaben mehr als 62.000 Gäste dort einen Platz fürs Selbermachen von Räucherkerzen, für Führungen oder im Café gebucht. Touristen, die einmal da sind, länger in der Region zu halten, ist das Ziel einer intensiveren touristischen Zusammenarbeit, die im Vorjahr zwischen der Einrichtung, dem Schloss Schlettau und der Gemeinde Crottendorf besiegelt worden ist. Ein weiteres Thema in den nächsten Jahren wird die Digitalisierung der Verwaltung sein, etwa ein digitales Ratssystem.

Torsten Kleditzsch

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Nach Einschätzung von Bürgermeister Sebastian Martin und Kämmerin Silvia Richter ist Crottendorf mit seinem Ortsteil Walthersdorf gut aufgestellt. Samt Fördergeld sollen 2019 und 2020 etwa 3,4 Millionen Euro investiert werden - und das ohne neue Kreditaufnahmen. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 396 Euro liegt die Kommune deutlich unter einem sächsischen Richtwert von 850 Euro. Dennoch hat sich die Haushaltslage in den vergangenen Jahren schwieriger gestaltet. Ein Problem sei etwa die Instandhaltung von Gebäuden und Straßen, die immer teurer werde. Man müsse prüfen, welche Tätigkeiten die Gemeinde selbst leisten kann und welche Anschaffungen dafür nötig sind. Als großes Plus im Ort sieht Sebastian Martin die Wirtschaft mit ihrer Branchenvielfalt. Die Gewerbesteuer wiederum zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der Kommune. Geld, das wieder investiert werden kann.


Zahlen und Fakten

Die Gemeinde zählte Ende 2018 rund 4080 Einwohner: 3395 in Crottendorf und 682im Ortsteil Walthersdorf. Sie erstreckt sich auf einer Fläche von rund 36,5Quadratkilometern.

Crottendorf ist als starker Wirtschaftsstandort bekannt. Laut Gemeinde gibt es etwa 1700 Arbeitsplätze.

Der Gemeinderat verfügt über 16Sitze. (aho)


Wie lebt es sich im Ort, wo drückt der Schuh? Meinungen von Einwohnern

Günter Wolf aus Crottendorf: Ich bin mit unserem Ort sehr zufrieden. Es gibt eine gute Infrastruktur: Schulen, Kita, Geschäfte, Ärzte, Dienstleistungen: Es ist alles da. Es gibt sogar noch einen Schuster im Ort, das ist heute selten. Wir haben viele Arbeitsplätze und ganz verschiedene Gewerke, die zudem auch Leute suchen. Im Hinblick auf Kultur und Sport wäre allerdings eine Mehrzweckhalle wünschenswert. Das sollte nicht aus den Augen verloren werden. Die einzige Möglichkeit, sich als größerer Verein wie im Fall unseres Erzgebirgszweigvereins mit 60, 70 Leuten zu treffen, ist das "Deutsche Haus". Und was sportliche Angebote betrifft: Die einzige Turnhalle an der Neuen Oberschule ist zu klein. Daher sollte der Gemeinderat das Thema im Blick behalten.

Heike Schenk aus Walthersdorf: Es gibt einen sehr guten Zusammenhalt in Walthersdorf. Das zeigt sich auch beim Bau für die zentrale Abwasserentsorgung im Ort, der seit 2017 im Gang ist. Trotz Einschränkungen ist das sehr gut für den Ort. Das betrifft nicht nur die Abwasserentsorgung, auch die Hauptstraße wurde und wird erneuert, es gibt dadurch einen ordentlichen Fußsteig und eine neue Straßenbeleuchtung. Im fertigen Bereich kann man das schon sehen. Der Gesamteindruck ist jetzt ein anderer. Rat und Gemeinde haben dafür gekämpft, letztere ist auch finanziell daran beteiligt - wie die Bürger auch.

Gitta Fritzsch aus Crottendorf: Es müsste noch mehr für den Tourismus getan werden. So gibt es beispielsweise keine direkte Busverbindung zwischen Oberwiesenthal und Crottendorf. Dafür müssten sich Rat und Gemeinde einsetzen oder andere Varianten wie den Einsatz eines Kleinbusses anstoßen. Oberwiesenthal ist nun hier einmal die wichtigste Touristenstadt - und wir in Crottendorf haben schöne Ausflugsziele. Aber wer kein Auto hat, der wird den Ort nicht ansteuern. Was die Erschließung neuer Eigenheim-Standorte betrifft, so sollten keine landwirtschaftlich nutzbaren Flächen mit Häusern zugebaut werden. Es wäre besser darüber nachzudenken, wie man eine Lückenbebauung ermöglichen oder den Ausbau älterer Wohngebäude im Ort fördern kann. Aus Sicht der Landwirtschaft wäre es nicht gut, ein weiteres großes Gebiet zu erschließen. Landwirtschaftlich nutzbare Flächen sind rar, die Pacht wird immer teurer. (aho)


Diese Kandidaten stellen sich zur Wahl

In Crottendorf und seinem Ortsteil Walthersdorf gibt es 20 Bewerber um die 16 Sitze im Gemeinderat.

CDU:

Jörg Lötzsch

Andreas Sacher

Ronny Walther

Jürgen Burkert

Markus Nestler

Alexander Peter

Stefan Lauterbach

Maik Mohe

Freie Wähler Bürgerforum:

Carola Lorenz

Peter Schaarschmidt

Ina Brandt

Christian Guist

Michaela Loos

Sebastian Oehme

Michael Schwalbe

Beate Weißer-Lindner

Jörg Lötzsch

Jonas Fritzsch

Roland Fritzsch

Andreas Demmler

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