Touristische Vermarktung soll Orte mehr kosten

Der Tourismusverband Erzgebirge plant höhere Beiträge ab 2019. Betroffen wären Kommunen, aber auch andere Mitglieder. Darunter nicht nur Hotels.

Annaberg-Buchholz.

Die meisten Orte im Erzgebirge müssen mit höheren Kosten für ihre touristische Vermarktung rechnen. Grund ist eine überarbeitete Beitragsordnung, die der Tourismusverband Erzgebirge (TVE) plant. Am 23. Oktober soll die Mitgliederversammlung darüber entscheiden. Stimmt sie zu, tritt die Neuerung ab 2019 in Kraft. Auch touristische Unternehmen wie Hotels sowie Museen und andere Einrichtungen wären betroffen. Letztere machen zwar den größten Teil der 376 Mitglieder aus. Der höchste Anteil von den Beiträgen des Verbands kommt aber von den 75 Städten und Gemeinden sowie den drei Landkreisen, die Mitglied sind.

Was bedeuten die Pläne konkret? Laut TVE soll bei Kommunen zwar der grundsätzliche Beitrag von 15Cent pro Einwohner stabil bleiben. Es ist aber vorgesehen, dass sie pro Übernachtung künftig 23 statt bislang 20 Cent zahlen. Zudem wird ein Mindestbeitrag von 500 Euro pro Jahr geplant. Ebenso sollen Obergrenzen, die es für Orte mit sehr vielen Übernachtungen gibt, angehoben werden. Begründet werden die Pläne damit, dass die Aufgaben des TVE immer vielfältiger und umfangreicher geworden sowie die Kosten in allen Bereichen gestiegen sind. Die jetzigen Beiträge des TVE gelten laut Geschäftsführerin Veronika Hiebl seit 2013. Die Schere zwischen Einnahmen und Leistungen, die der Verband erbringt, sei immer weiter auseinandergegangen.

Greifen ab 2019 die neuen Beiträge, würde das zum Beispiel für die Stadt Geyer Mehrkosten von knapp 1200 Euro pro Jahr bedeuten. Liegen die Ausgaben zurzeit bei 5640 Euro, müssten dann rund 6800Euro gezahlt werden. Ob der Stadtrat das mitträgt, will er in einer der nächsten Sitzungen entscheiden. Bei einer ersten Information schätzte Bürgermeister Harald Wendler die Kooperation als wichtig ein. Auch in anderen Orten wird das Thema sein.

Was tut der Verband für seine Mitglieder? Veronika Hiebl: "Er präsentiert das Erzgebirge auf mehr als 25 Messen im In- und Ausland, gibt eine Reihe von Broschüren heraus, führt Anzeigenkampagnen durch, setzt Presse- und Bloggerreisen um und betreibt ein modernes Online-Portal." Dazu gehört etwa neben Informationen und Servicetipps, dass Gäste darüber Zimmer oder Ferienwohnungen buchen können. Zusätzlich zu diesen klassischen Marketingaktivitäten würden neue Infrastrukturaufgaben umgesetzt - das sei etwa beim Stoneman Miriquidi der Fall gewesen. Dabei führt eine spezielle Mountainbike-Route über 162 Kilometer auf neun Gipfel in Deutschland und Tschechien. Das Engagement im Bereich Online- und Social-Media-Marketing würde ebenso mehr und mehr ausgebaut, hinzu komme die Betreuung regionaler Netzwerke. Alles mit dem Ziel, dass noch mehr Gäste das Erzgebirge besuchen. 2017 wurden hier mehr als 3 Millionen Übernachtungen gezählt. Damit ist das Gebiet die wichtigste sächsische Urlaubsregion neben Städten wie Leipzig.

Um weiter Leistungen des TVE in Anspruch nehmen zu können, sollen touristische Unternehmen und andere Anbieter, die Mitglied sind, ebenso mehr zahlen. Geplant ist etwa ein Anstieg bei Campingplätzen von 150 auf 175 Euro pro Jahr, bei Ferienhäuern von 65 auf 100 Euro pro Jahr. Natürlich betrifft das genauso Hotels. Ein Beispiel: Für ein Haus mit 80 Betten wären 350 Euro jährlich statt bislang 280 Euro fällig.


TVE: Beiträge machen ein Viertel des gesamten Etats aus

Das Gebiet des Tourismusverbands Erzgebirge erstreckt sich über die Landkreise Erzgebirgskreis, Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. In diesem Jahr rechnet er mit Beiträgen seiner Mitglieder in Höhe von etwa 500.000 Euro.

Die Beiträge machen laut Geschäftsführerin Veronika Hiebl ein Viertel des Gesamtetats von zirka 2 Millionen Euro aus. Dennoch seien sie das Rückgrat der Finanzierung des TVE. "Nur durch diese Grundfinanzierung sind wir in der Lage, Fördermittel zu akquirieren und wirtschaftlich tätig zu werden, um Eigenmittel zu erwirtschaften", sagt sie. Letzteres mache mittlerweile mehr als 50 Prozent des Etats aus.

Von den 60 Kommunen im Erzgebirgskreis ist der Großteil Mitglied im TVE. Nicht zu trifft das zurzeit auf Elterlein, Lugau, Niederdorf, Hohndorf, Niederwürschnitz, Neukirchen und Gornau. Bockau sei auch noch kein Mitglied, habe aber erklärt, in diesem Jahr beitreten zu wollen, heißt es weiter. (aho)

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