Trotz Haushaltskonsolidierung öffnen Freibäder auch 2020

Steinbach oder Schmalzgrube: Noch vor gut einem Jahr deutete alles daraufhin, dass 2019 eine der beiden Einrichtungen geschlossen wird. Und jetzt?

Jöhstadt.

Die Stadt Jöhstadt hat (mindestens) zwei Probleme. Sie hat zu wenig von dem, wovon sie mehr haben sollte: Einwohner. Per 31. Dezember 2018 wurden laut Statistischem Landesamt noch 2663 Bürger gezählt. Auf der anderen Seite hat die Bergstadt zuviel von dem, wovon sie weniger haben sollte. Gemeint sind etwa die vier Feuerwehren, vier Kindereinrichtungen, zwei Schulen und zwei Freibäder. Weil alles das die Leistungskraft Jöhstadts übersteigt, wurde vergangenes Jahr ein Haushaltsstrukturkonzept aufgestellt - eine Art Sparplan. Der soll dafür sorgen, dass die Stadt 2022 finanziell wieder einigermaßen auf sicheren Füßen stehen kann. Natürlich nur, wenn bis dahin kräftig gespart wird, etwa 15.000 Euro bei den zwei Freibädern der Kommune in Steinbach und Schmalzgrube - lautet eine der Festlegungen.

Während diese Vorgabe noch vor gut einem Jahr dazu führte, dass eine der zwei Einrichtungen ab 2019 geschlossen werden sollte, sagte jetzt Bürgermeister Olaf Oettel (parteilos) der "Freien Presse", dass die Bäder auch nächstes Jahr geöffnet sein werden. Ein Grund: Die Verträge mit den Annaberger Stadtwerken seien nicht gekündigt worden, die die Schwimmmeister stellen. Für Jan Beyer, Vorsitzender des Vereins Bayern Fanclub Preßnitztal, der das Bad Steinbach bewirtschaftet, ist das eine gute Nachricht. Jedoch hätte er die gern vom Bürgermeister direkt erfahren und nicht von der "Freien Presse". Überhaupt fühlt sich Beyer von der Stadt alleingelassen. Der Verein und auch die Feuerwehr des Ortes leisteten schon vieles auf eigene Kosten, um das Bad zu erhalten. "So zahlen wir seit rund fünf Jahren kleine Reparaturen fast komplett aus eigener Tasche", so Beyer. Alles könne man aber nicht leisten, zum Beispiel keinen Bademeister selbst bezahlen, der pro Saison um die 10.000 Euro koste.

Auch das Freibad in Schmalzgrube lebt von ehrenamtlichem Engagement der Bürger, sagt Andreas Kuhn vom Hochofensportverein des Ortsteils, der das dortige Freibad betreibt. So habe man zum Beispiel damit begonnen, aus Privatspenden eine Solaranlage zu errichten. Kuhn jedenfalls ist optimistisch, dass auch in Zukunft beide Bäder erhalten bleiben können. "Die Verluste sind nicht so, als das sie sich die Stadt Jöhstadt nicht leisten kann", sagt er.

Apropos Verluste. Die konkrete zahlenmäßige Untersetzung für die diesjährige Badesaison sieht wie folgt aus: Für das Bad in Schmalzgrube hatte die Stadt Stand jetzt Ausgaben in Höhe von 26.400 und für das Bad in Steinbach von 21.800 Euro. Diesen Summen stehen Einnahmen von 20.500 Euro für Schmalzgrube und 14.700 Euro für Steinbach gegenüber, sagt Katrin Ziehe von der Stadtverwaltung.

In diesen Geldern enthalten sind die 15.000 Euro, die die Stadt Jöhstadt im Herbst 2018 von zwei Sponsoren erhalten hatte. Diese brachten damit quasi die Summe auf, die laut Haushaltsstrukturkonzept bei den Bädern eingespart werden soll - aber eben pro Jahr.

Zur Stadtratssitzung heute Abend, 19 Uhr im Sportcenter Jöhstadt steht das Thema Badsaison auch auf der Tagesordnung. Ein weiterer Punkt befasst sich mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses Steinbach.

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