Turnvater Jahns Spuren in Schlettau

1904 wurde die Lindenhof-Turnhalle vom örtlichen Turnverein erbaut. Eine Sportstätte, die bis heute genutzt wird. Schaut man genau hin, sind sogar einige außergewöhnliche und vor allem erhaltenswerte Details zu entdecken.

Schlettau.

Die heutige Architektur kann in manchen Punkten mit der der vergangenen Jahrhunderte nicht mithalten. Ein Beispiel ist die Lindenhof-Turnhalle in Schlettau. Die Erschaffer hätten einfach einen Funktionsbau errichten können. Das Ziel war schließlich klar: Hier sollte Sport getrieben werden -nicht mehr und nicht weniger. Doch entstanden ist ein Gebäude mit Liebe zum Detail. Da gibt es zum Beispiel ein kleines Türmchen und Bleiglasfenster. Letztere rücken nun in den Fokus.

Als die Lindenhof-Turnhalle 1904 vom Turnverein Schlettau erbaut wurde, war die Sportstätte noch etwas kleiner als heute. Damals befanden sich die Fenster auch noch in einem anderen Bereich, berichtet Bürgermeister Conny Göckeritz. "Für den Sportunterricht des Gymnasiums wurde 1995 unter Beachtung der denkmalpflegerischen Aspekte die Halle erheblich erweitert und modernisiert", erklärt Ortschronist Ralf Graupner. In diesem Zuge wurden die Fenster vom Altbau in den Anbau versetzt. Nach mehr als zwei Jahrzehnten wird es nun wieder Zeit für eine Sanierung dieses Bereiches. Die Fensterrahmen sind stark in Mitleidenschaft gezogen. Für mehrere Tausend Euro sollen sie ausgewechselt beziehungsweise aufgearbeitet werden. Finanziert wird das Ganze mit Sponsoren-Geldern der Annaberger Stadtwerke.


Dass eine Turnhalle über Bleiglasfenster verfügt, ist schon eine Besonderheit. Zudem erinnern sie an Turnvater Jahn. So tragen sie den Slogan: "Frisch, fromm, fröhlich, frei". In der mittleren Glasscheibe ist zudem ein Bild von Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852) zu sehen. Des Weiteren gibt es noch einen Gedenkstein im Außenbereich und einen Schriftzug in der Halle selbst. Jahn gilt als Begründer der deutschen Turnbewegung. 1811 eröffnete er den ersten öffentlichen Turnplatz auf der Berliner Hasenheide.

Ein knappes Jahrhundert später entstand die Lindenhofturnhalle. Laut Ralf Graupner gingen dem Bau verschiedene Aktionen voraus, um Geld zu sammeln. "Schlettau war damals eine Stadt der Turner." Mehr als die Hälfte der Einwohner gehörten einem der drei Turnvereine an. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vermögen der verschiedensten Vereine, also auch die Lindenhof-Turnhalle, eingezogen. Die Stadt war nun für sie verantwortlich. Nach dem Krieg wurde sie zunächst als Getreidelager genutzt. Doch die Schlettauer beschwerten sich, sie wollten ihre Turnhalle zurück. Was auch gelang. Und obwohl die Stadt Eigentümer der Immobilie war, kümmerten sich die Turner weiter um die Halle, berichtet der Chronist. "Über die Materialbeschaffung und die zahllosen Einsätze der Turner für die Erhaltung der Halle während der DDR-Zeit könnte man Romane schreiben."

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