Verkehrsministerium lenkt bei Eckdaten für Plusbusse ein

Bei der Staatsregierung hat man offenbar erkannt, dass bei den Auflagen für die Linien mit dem Plus zu wenig auf Bedingungen vor Ort geachtet wurde. Wird nun nachgesteuert?

Annaberg-Buchholz.

Beinahe wäre das erst 2019 im Erzgebirgskreis eingeführte Plusbusprojekt wieder ausgebremst worden. "Schon eine Minute Abweichung von der Stundentaktung hat gereicht, um uns Zuschüsse zu streichen", so Roland Richter, Geschäftsführer der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH (RVE). Mittlerweile hat das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) nach Gesprächen mit den Zweckverbänden offenbar eingelenkt. Sprecher Jens Jungmann räumte ein, dass es Anpassungsbedarf gebe.

Als Beispiel nannte er die Abfahrtzeiten von Bussen, welche nicht immer im vorgeschriebenen Takt erfolgen können, da etwa Schnittstellen und Umstiege zu beachten seien. Dies wolle man nunmehr bei der Beurteilung der Plusbusangebote berücksichtigen. Zudem soll die Anzahl der Mindestfahrten montags bis freitags von 30 auf 26 reduziert und der überwiegende Teil der Fahrten zwischen 5 und 21 Uhr angeboten werden. Auch werde den Busunternehmen mehr Ermessensspielraum eingeräumt. "Wir begrüßen das natürlich", so Richter, der auf die zügige Umsetzung des ausgehandelten Kompromisses hofft. Noch laufen zwischen SMWA und Zweckverbänden Abstimmungen. Ziel der Konkretisierungen sei es, so Jungmann, dass die Zuschüsse so schnell wie möglich ausgezahlt werden.

Auch für die aktuellen Plusbuslinien im Kreis geht es für den RVE um viel Geld - etwa 60.000 Euro für die Linie 210, 180.000 Euro für die Linie 342. Derzeit stemmt der RVE die Kosten allein - trotz Geldproblemen. So war der Kreis jüngst auf die Kostenbremse getreten, um die seit Jahren explodierenden Zuschüsse einzudämmen. Kostentreiber sind laut Lutz Zulauf, Leiter Verkehrsplanung, die Anschaffung neuer Busse, Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte, höhere Tariflöhne sowie verschobene Fahrpreiserhöhungen. Allein 2020 werde der Zuschuss vom Kreis 13,2 Millionen Euro betragen - 1,2 Millionen mehr als geplant.

So war es eigentlich im September beschlossene Sache, aus Kostengründen auf das nutzerfreundliche Plusbus-Angebot im Erzgebirgskreis zu verzichten. Nach den Feinplanungen macht das Unternehmen dann jedoch überraschend "eine halbe Rolle zurück". Somit ist der seit Mitte Dezember gültige Fahrplan zwar nicht mehr mit dem vorherigen identisch, aber ein ganzes Stück besser als der vorhergehende, so Zulauf. Vier der zuvor sechs Plusbus-Angebote - die Linien 207, 210, 342 und 383 - fahren weiterhin mindestens 15-mal am Tag, an Samstagen sechs-, an Sonntagen viermal. Die Linie 441 Ehrenfriedersdorf-Geyer-Schwarzenberg wurde zwar eingestellt. Mit einem Kleinbus wird jedoch im Abschnitt Ehrenfriedersdorf-Geyer-Greifensteingebiet-Elterlein der Anschluss zur Linie 210 (Chemnitz-Annaberg) hergestellt.

Ob mit den Zugeständnissen aus Dresden für die Plusbusse im Erzgebirgskreis wieder mehr Luft nach oben ist, darüber wollte Richter nicht spekulieren. "Warten wir ab, was wir schriftlich bekommen - und was Corona 2021 bringt." Aktuell seien die Hälfte der Fahrscheineinnahmen weggebrochen. Man sei nur deshalb mit einem blauen Auge davongekommen, weil der Freistaat die Ausfälle zu 100 Prozent kompensiere. Doch noch wisse niemand, so Richter, wie es 2021 weitergehe.

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