Verletzter Wolf nahe Johann'stadt entdeckt

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Ungewöhnlicher Fund im Grenzgebiet: Das Tier ist womöglich von einem Auto angefahren worden. In einer Prager Tierklinik soll es nun operiert werden.

Johann'stadt/Horní Blatna.

Ein verletzter Jungwolf wurde vor wenigen Tagen zwischen den tschechischen Orten Horní Blatna (Platten) und Potùèky (Breitenbach), wenige Kilometer entfernt von Johanngeorgenstadt, gefunden. Laut einem Bericht des tschechischen Internetportals Blesk hatten Pilzsammler das reglose Tier in einem Straßengraben entdeckt. Sie riefen die Polizei. Vermutlich, so heißt es, wurde der Rüde von einem Auto angefahren. Mitglieder der Tierrettungsstation Drosera in Bublava (Schwaderbach) holten den Vierbeiner ab und brachten ihn zur Untersuchung in eine Veterinärklinik nach Dvory.

Zunächst seien zwar keine schweren Verletzungen festgestellt worden, aber der Wolf habe nicht auf den Hinterbeinen stehen können. Weitere Untersuchungen ergaben eine Hüftschädigung, so bestätigen Tierärzte auf Nachfrage. Auch eine Vorderpfote, der Unterkiefer und die Wirbelsäule hätten etwas abbekommen. Er werde über eine Sonde künstlich ernährt.

Martin Smolík von der Tierrettungsstation sagte gegenüber "Freie Presse", dass sich der Wolf jetzt in einer Tierklinik in Prag befinde. "Er muss erst einmal aufgepäppelt werden", so Smolík. Danach werde er wahrscheinlich operiert. Gegenwärtig würde er eine OP wohl nicht überleben, wie Vilém Babič von Drosera ergänzt. Für die Tierretter aus Bublava sei es der erste Wolf gewesen, den sie versorgten. Auf der Facebookseite von Drosera häufen sich Nachfragen nach dem Gesundheitszustand des Wolfes und Unterstützungsangebote. Inzwischen ist eine Spendenaktion gestartet worden, um die Pflege des Tieres abzusichern.

Ob der Wolf aber wieder in Freiheit leben kann, ist nach Auskunft der Tierärzte ungewiss. Die Genesung könne vier bis sechs Wochen dauern. Dann sehe man weiter.

Noch nicht ganz sicher ist, zu welchem Rudel der Fleischfresser gehört. In der Region leben schon seit einigen Jahren Wölfe. Nachgewiesen sind sesshafte Familien oder Paare in Přebuz (Frühbuß) und Jáchymov (St. Joachimsthal). Insgesamt haben derzeit zwölf Rudel beziehungsweise Paare im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet feste Reviere, fünf davon im westlichen und mittleren Erzgebirge. Weitere befinden sich in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz und im Oberlausitzer Grenzraum. Das sagt Paul Lippitsch vom Senckenbergmuseum für Naturkunde in Görlitz. Er ist Leiter eines sächsisch-tschechischen Wolfsprojekts. Dabei wird noch bis Ende September die Ausbreitung der Wölfe im Grenzraum erforscht. Im Jahr 2017 begannen erste Untersuchungen. "Damals waren uns nur zwei Wolfsterritorien in der Grenzregion bekannt", so Paul Lippitsch. Die Tiere haben sich in den vergangenen Jahren also ausgebreitet.

Der verletzte Wolf aus Horní Blatna könnte vom Jáchymov-Rudel stammen, wie Ales Vorel von der Tschechischen Agraruniversität vermutet - das Forschungsprojekt zu den Grenzwölfen lief in Verantwortung der Hochschule. Jáchymov sei wahrscheinlich, weil das Territorium des Rudels näher am Fundort des Wolfes liegt als die anderen Reviere. "Außerdem wissen wir, dass es dort in diesem Frühling Nachwuchs gegeben hat", so Ales Vorel. Möglicherweise hat der kleine Wolf noch drei Geschwister.

Nach Angaben von Tierärzten und nach dem Aussehen der Zähne sei das Tier wohl in diesem Frühling geboren worden. Projektleiter Paul Lippitsch ist sicher, dass eine genetische Untersuchung genaue Erkenntnisse liefern wird. Die finde definitiv nicht statt.

Das Grenzprojekt zum Thema Wolf ist nun zwar abgeschlossen, die Kooperation zwischen den sächsischen und den tschechischen Partnern solle aber bestehen bleiben. Außerdem werde es in Kürze eine Anwendung für mobile Endgeräte wie Smartphones geben. Darüber können Wolfssichtungen, gerissene Tiere, Losungsfunde - das ist der Wolfskot - oder auch Pfotenabdrücke gemeldet werden. Zunächst sei das für Jäger, Förster, Wissenschaftler oder ehrenamtliche Wolfsbeobachter gedacht, wie Lippitsch sagt. Später könnten dort auch Laien ihre "Wolfsfunde" melden.

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