Verloren geglaubte Motive zieren sanierte Thumer Friedhofskapelle

Rund 400.000 Euro hat die Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes gekostet. Neben vielen praktischen Verbesserungen gibt es zwei neu erstellte Glasbilder zu bewundern, die eine ganz besondere Geschichte haben.

Thum.

Einer umfangreichen Sanierungskur ist die Thumer Friedhofskapelle im Innen- und Außenbereich in den letzten anderthalb Jahren unterzogen worden. Trauergesellschaften mussten bisher den Weg vom Friedhof in die Kirche oder in das Gemeindehaus nehmen, um am Beisetzungsgottesdienst teilzunehmen. Doch das ist Geschichte. Denn nun erfolgt die planmäßige Fertigstellung der Sanierung der Friedhofskapelle aus dem Jahr 1893. Am Sonntag wird deshalb um 10.30 Uhr einen Festgottesdienst mit Vakanzpfarrer Bernhard Fuß zur Wiedereinweihung der Kapelle stattfinden. Im Anschluss an die Festzeremonie gibt es noch Zeit zum Gespräch, um auch Wissenswertes rund um das denkmalgeschützte Gebäude und die Sanierung zu erfahren.

"Seit fast 18 Jahren gab es Überlegungen, doch war eine grundhafte Restaurierung stets an Finanzierungslücken gescheitert", berichtet Friedhofsmeister Matthias Schmidt. Schließlich hatte Thums letzter Pfarrer Rico Drechsler noch während der Innensanierung der St. Annenkirche dieses lang vorgesehene Bauvorhaben entscheidend angeschoben. Mit dabei als Unterstützer und Ideengeber der Marienberger Architekt Harald Oßmann, der auch schon mit der Kirchensanierung beauftragt war. "Durch die Förderung der Leader-Region Zwönitztal-Greifensteine aus europäischen Mitteln ist die Sanierung überhaupt möglich geworden", betont Schmidt.

Insgesamt betrug das Investitionsvolumen rund 400.000 Euro, wovon der eigenständige Friedhofshaushalt einen Eigenanteil von 150.000 Euro zu leisten hat. "Eine Bezuschussung durch die Kirchgemeinde findet nicht statt. Die Einnahmen des Friedhofes werden für die Deckung der Bewirtschaftungskosten und auch zur Abzahlung der Sanierung verwendet", erklärt Schmidt.

Schon von außen sind die Neuerungen der Kapelle zu erkennen: energetisch sanierte Fenster mit Bleiverglasung, die Fassade mit dem roten Ziegelbau wurde saniert, das Dach instand gesetzt und mit Zinkblech überzogen. "Dabei musste auch der bisherige Bestand an Balken teilweise durch neue verstärkt werden", beschreibt Schmidt den Umfang der Baumaßnahmen.

Kommen die Besucher dann in die frisch sanierten Kapellenraum, so ist dieser kaum wiederzuerkennen. Die Farbgestaltung inklusive Deckenbemalung in Form von Sonnenstrahlen ist hell, frisch und freundlich und soll vor allem Hoffnung in der Zeit des Totengedenkens und beim Abschied von den Liebsten bei Trauerveranstaltungen vermitteln.

Zwei neu erstellte Glasbilder im Altarbereich bilden markante Sichtpunkte für den Altarraum. "Die Bilder waren in den letzten Jahrzehnten leider verloren gegangen. Wir vermuten, dass sie eventuell beim Brand des einst benachbarten Feuerwehrdepots mit zerstört worden sind. Doch durch Recherchen stießen wir auf einen interessanten Jahresbericht des Königreiches Sachsen vom Verein für kirchliche Kunst aus dem Jahre 1894 in der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden. Dort hatte ein Professor Winterstein aus Leipzig diese Fensterbilder mit dargestellter Grablegung und Auferstehung für die damalige Parentationshalle in Thum entworfen", zeigt sich Schmidt begeistert von dem gefundenen historisch einmaligen Schatz.

Zudem wurde die 1961 eingebaute Empore in der Friedhofskapelle wieder komplett entfernt, wodurch es möglich war, an der Südwestseite ein zusätzliches Fenster und einen behindertengerechten Zugang - zusätzlich zum Haupteingang an der Vorderseite - zu schaffen. Dabei wurde ein Fenster zu einer Tür umgebaut. Um den Wegfall der Sitzplätze auf der Empore auszugleichen, sind die vorhandenen Kirchenbänke um je einen Sitzplatz erweitert und auch komplett aufgearbeitet worden. Ebenso wurden eine Dielung mit Wärmedämmung eingebaut und die Heizung erneuert.

In der Friedhofskapelle finden etwa 60 Leute Platz. Ungefähr 50 Bestattungen werden auf dem Friedhof jährlich durchgeführt. Zwar ist das Bereitstellen eines Friedhofs laut Gesetz Pflicht und Aufgabe der Kommune. Doch die Kirchgemeinde ist Träger des Friedhofes und nimmt diese Aufgabe stellvertretend für die Stadt Thum wahr, die den Haushalt aller drei Friedhöfe in Jahnsbach, Herold und Thum jährlich mit 5000 Euro unterstützt. Die unweit entfernte Aufbahrungshalle wurde bereits vor einigen Jahren saniert.

Neben der Friedhofskapelle, die demnächst auch angestrahlt wird, entsteht ein weiteres Kleinod der Ruhe und Besinnung. "Eine ehemalige Grabstelle wird zu einem Sitzplatz umfunktioniert. Dort kommen zwei Tafeln mit der Geschichte des über 400-jährigen Thumer Friedhofes dazu", sagt Schmidt. Ein neuer Fahrradständer sowie ein moderner Schaukasten haben bereits ihren Platz gefunden.

Unter dem Verwendungszweck"Unser schöner Friedhof" kann der Thumer Friedhofshaushalt weiter unterstützt werden. IBAN DE 93 3506 0190 1664 8000 19, Bank für Kirche und Diakonie.

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