Vermieter untersagt den Toilettengang

Es stinkt nach Fäkalien. Schuld ist ein verstopftes Rohr. Doch statt des Havariedienstes kommt ein Schreiben an die Mieter.

Hohenstein-Ernstthal.

Das Abflussrohr der Toilette ist verstopft. Nichts geht mehr. Und kein Havariedienst kommt. Ein Albtraum. Für die Mieter des Haus Dresdner Straße 44 in Hohenstein-Ernstthal ist er wahr geworden. Seit Weihnachten können die Mieter ihre Toiletten nicht mehr benutzen.

Was ist passiert? Es ist fast 14 Tage her: Kurz vor Weihnachten bemerkt Nicole Fichtner, dass etwas mit dem Toilettenabfluss nicht stimmt. Sie bewohnt eine Zwei-Raum-Wohnung in der ersten Etage des Gebäudes. "Ich hörte plätschernde Geräusche aus dem Keller. Und im Haus stank es nach Fäkalien", sagt die 29-Jährige. Daraufhin alarmiert sie die Hausmeisterin Annett Kohlbach. Deren Ehemann ergreift die Initiative und bringt erst einmal mit Eimern die stinkende Brühe, die den Kellergang geflutet hat, ins Freie.

Sechs Wohnungen sind in dem Mehrfamilienhaus noch vermietet, drei nicht mehr bewohnbar. Vor allem ältere Leute wohnen im Haus. Alle Mieter sind von der Havarie betroffen. Verzweifelt versuchen sie, die Hausverwaltung zu erreichen, damit der Misere ein Ende bereitet werden kann. Doch bei der Chemnitzer Casa Compact werden sie von einem Anrufbeantworter ausgebremst, der sich für das erfolgreiche Jahr 2018 bedankt und erklärt, dass die Mitarbeiter erst am 7. Januar wieder erreichbar sind. Auch beim Eigentümer, die Immobiliengesellschaft Jade 1320 GmbH Berlin ist kein Ansprechpartner zu finden. E-Mail-Adresse oder Telefonnummer? Fehlanzeige.

Umso überraschter sind die Mieter, als ihnen am 3. Januar das Schreiben des Eigentümers ins Haus flattert. Darin heißt es: "Da wir eine Abwasserlösung für das Objekt Dresdner Straße 44 mit den örtlichen Behörden erarbeiten müssen, kann der zeitliche Rahmen bis zur Behebung des Mangels nicht benannt werden." In der Fortsetzung schreibt die Immobilienfirma: "Bis dahin ist die Toilettennutzung untersagt. Es tut uns sehr leid."

Jochen Fichtner, Vater von Mieterin Nicole, ist stinksauer: "Das ist doch ein Schildbürgerstreich", wettert er. Eine Alternative, wo die Mieter bis zur Reparatur ihre Notdurft verrichten sollen, bietet die Gesellschaft nicht an. Eigentlich gehen auch Wäsche waschen, baden und duschen nicht mehr - einfach katastrophale Zustände.

Weder die Jade 1320 GmbH noch Verwalter Casa Compact Chemnitz waren bis zum Sonntag für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Mieter wollen nun umgehend die zuständige Gesundheitsbehörde einschalten, um Druck zu machen.

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