Vom Auslaufmodell zur neuen Teststrecke

Am Wochenende ist das 130-jährige Bestehen der Zugverbindung zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg gefeiert worden. Zwischenzeitlich war deren Aus schon besiegelt. Dass dem nicht so ist, daran haben Anliegerorte großen Anteil. Und nun auch ein Forschungsprojekt.

Schlettau.

Groß und Klein, Jung und Alt waren am Wochenende bei einem Bahnhofsfest in Schlettau auf den Beinen. Dort und in anderen Anliegerorten wurde das 130-jährige Bestehen der Bahnstrecke zwischen Annaberg-Buchholz Süd und Schwarzenberg gefeiert. Eingeweiht am 1. Dezember 1889, kam es knapp 110 Jahre später - am 27. September 1997 - zur Einstellung des Reiseverkehrs auf der 24 Kilometer langen Verbindung. Feierabend für immer? Das konnte verhindert werden.

"Heute besitzt die Strecke sogar eine Art Alleinstellungsmerkmal", sagte Jochen Meyer, der Vorsitzende des Schlettauer Bahnhofsvereins. Obwohl sie nicht mehr regelmäßig befahren wird, hat die landschaftlich reizvolle Trasse ihre Besonderheiten zu bieten. Mit Erfolg wird sie von der Erzgebirgischen Aussichtsbahn (EAB) genutzt, die an mehreren Wochenenden pro Jahr darauf unterwegs ist - auch dank der Unterstützung von Anliegergemeinden. Zudem führen Sonderfahrten immer wieder über die Bahnstrecke. Seit Kurzem ist sie zudem innerhalb eines umfangreichen Projekts mit zahlreichen Partnern Teststrecke für autonomes Zugfahren - also für die Eisenbahn der Zukunft.

"Als das Aus für den Reiseverkehr kam, hat keiner nur im Geringsten geahnt, dass so eine Belebung möglich werden könnte", sagte Hans-Werner Schellenberg. Der Zschopauer war 47 Jahre lang Eisenbahner und ist es in seinem Ruhestand heute noch. In Schlettau moderierte der alt gediente Fahrdienstleiter das Programm. Er erinnerte daran, dass im Zuge des Baus der Umgehungsstraße vor einigen Jahren selbst das Markersbacher Viadukt nicht mehr ins Konzept gepasst habe. Vor allem dem Engagement der Bürgermeister der anliegenden Kommunen, dem Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde, dem Landkreis, der Erzgebirgsbahn und dem Eisenbahnverein Bahnhof Schlettau ist es zu danken, dass auf der traditionellen Bahnlinie heute noch Züge rollen.

Dass sich alles einmal so entwickelt, hätte auch Lutz Mehlhorn, der Leiter der Erzgebirgsbahn, früher nicht gedacht. "Schließlich war das Aus besiegelt, das Stilllegungsverfahren schon eingeleitet", so Mehlhorn. 2002 hatte die Erzgebirgsbahn die Strecke übernommen, wieder befahrbar gemacht und somit die Stilllegung verhindert. Später wurde das touristische Potenzial der Linie entdeckt. "Mit dem Projekt der Erzgebirgischen Aussichtsbahn - 2008 ins Leben gerufen - ist die Strecke ein zweites Mal gerettet worden", machte der Leiter der Erzgebirgsbahn deutlich. Wie engagiert sich die anliegenden Kommunen für die Bahnstrecke eingesetzt hätten, sei einmalig. Auch Jochen Meyer freute sich, dass die Trasse zu einem wichtigen Mosaikstein für den Tourismus in der Region geworden ist. Und so gab es am Wochenende nicht nur in Schlettau, sondern auch in Walthersdorf und Markersbach Einblicke in alte und innovative Technik. Außerdem wurde der Saisonabschluss der Erzgebirgischen Aussichtsbahn 2019 gleich mit dem Fest verknüpft. Den Sonderzug aus diesem Anlass zog eine Lok der Baureihe 86 der Press GmbH. Ein Typ, wie er früher auf der Jubiläumsstrecke zu Hause war.

130 Jahre Eisenbahnstrecke Schwarzenberg - Annaberg-Buchholz

 

 

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...