Vom Muskel- und Bogenspiel

Nicht viele Vereine haben das Glück, auf eine 120-jährige Geschichte blicken zu können. Und noch weniger davon dürfen aus einem solch reichen Fundus schöpfen, wie es ihn in Gelenau gibt. Die Ringkämpfer zeigen jetzt Teile ihrer Schätze.

Gelenau.

Wer die Ausstellung zu "120 Ringen in Gelenau" im Deutschen Strumpfmuseum besucht, wird Details entdecken. Selbst für die Alteingesessenen unter den Zweikämpfern war zum Beispiel die Existenz einer Damenabteilung, die es bereits vor mehr als 100 Jahren gegeben haben muss, etwas Unbekanntes. Doch ein historisches Foto, das dem Gelenauer Ortschronisten Olaf Tautenhahn übergeben wurde, zeigt junge Frauen, die das Elektrische Bogenspiel präsentieren. "Es könnte als Gymnastik mit Lichterketten bezeichnet werden", so Tautenhahn. Er hat herausgefunden, dass es zu jener Zeit - ums Jahr 1912 etwa - in mehreren Vereinen derartige Abteilungen gab. "So eben auch die im Ring- und Stemm-Club Gelenau, wie auf der Karte aufgedruckt", erklärt der Ortschronist.

Er hat denen geholfen, die sich in unzähligen Stunden um das Entstehen den Ausstellung gekümmert haben und weitere Raritäten ans Licht befördert und bildlich in Szene gesetzt haben - in erster Linie Gerhard Oertel, Wilfried Richter, Hans-Georg Rachner, Bernd Hartmann und Helmut Reichel. Auf der Museumsetage mitsamt der freigelegten Dachbalkenkonstruktion und dem einzigartigen Rad der Geschichte dreht sich derzeit alles um das Ringen im Ort Gelenau, auf dessen Territorium der Club 1898 entstanden ist. Vom 120 Jahre alten Gründungsdokument über die verschiedenen Trainings- und Wettkampfstätten bis hin zu alten Diplomen, Pokalen, Wimpeln, Medaillen und Zeitungsberichten aus mehreren Epochen und selbst bis zur Urkunde des im Gelenauer Volkshaus gegründeten Ringer-Verbandes Sachsen eröffnen die Unterlagen und Aufzeichnungen einen erstaunlichen Blick in die Historie. Welche aus den Anfangsjahren, aber auch jene aus den Zeiten der Kriege, des Wiederaufbaus, des sozialistischen und des heutigen Deutschlands. Welche aus Zeiten der Erfolge und welche aus solchen, in denen es nicht so gut lief.

Aber immer lässt sich aus den erhalten gebliebenen Unterlagen ableiten, dass die Ringer aus dem Erzgebirgsort Gelenau auch in der nationalen Ringergeschichte ihre Muskeln spielen ließen. Etwa durch den Europameistertitel von Jürgen Hähnel 1972 in Katowice, aber mehr noch durch das emsige Wirken von Fritz Schubert. Er war dienstältester Nationalmannschaftstrainer der DDR überhaupt und wurde vor allem 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt für die Goldmedaillen seiner Schützlinge Lothar Metz und Rudolf Vesper gefeiert - und geehrt. Der gelernte Strumpfwirker, am 5. Juni 1924 in Gelenau geboren, erhielt dafür unter anderem den Orden "Banner der Arbeit" und den Titel "Verdienter Meister des Sports". Im Sportecho war dem damals 45-Jährigen eine ganze Seite gewidmet.

Diese Seite ist ebenso ausgestellt wie andere Besonderheiten, die sich Gelenaus Ringer in Laufe der Jahre verdient haben. Dazu zählen der Eintrag ins Karl-Marx-Ehrenbuch genauso wie die Ehrenplakette des Bundespräsidenten. Gewürzt wird das Ganze mit alten Utensilien, Vereinsfahnen und natürlich vielen Bildern - egal, ob zu Zeiten, als die Ringer unter dem Namen Ring- und Stemmclub, Empor, Union, Werner Seelenbinder oder eben jetzt wieder unter Ring- und Stemmklub auf die Matte gegangen sind. Doch keinesfalls nur für Zweikämpfer ist diese Exposition etwas Sehenswertes.

"120 Jahre Ringen in Gelenau", zu sehen im Museum am Rathausplatz 1 A, ist an folgenden Sonntagen jeweils von 13 bis 16 Uhr geöffnet: 19. August, 2., 16. und 30. September, 14. und 28. Oktober, 11. und 25. November sowie am 9. Dezember 2018.

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