Von Abriss bis Senioren-WG: Konzept für Wohngebiete soll her

Die Entwicklung an den Annaberger Standorten Barbara-Uthmann-Ring und "Adam Ries" bereitet den Stadtvätern Sorgen. Eine Frage ist: Was tun gegen langfristig befürchteten großen Leerstand?

Annaberg-Buchholz.

Zunehmender Leerstand und eine immer älter werdende Bevölkerung bereiten Verantwortlichen der Stadt Annaberg-Buchholz mit Blick auf die Wohngebiete Barbara-Uthmann-Ring und "Adam Ries" Kopfzerbrechen. Daher soll nun mit Zustimmung des Rats ein Stadtumbaukonzept für diese Bereiche erarbeitet werden. "Zwar sind das derzeit schöne Wohngebiete mit einer funktionierenden Nahversorgung, auch die Wohnzufriedenheit ist hoch", sagte Dagmar König, Sachgebietsleiterin Planung im Fachbereich Bau der Verwaltung. Dennoch bestehe Handlungsbedarf. "Es gibt Veränderungen, auf die wir reagieren müssen", erklärte sie.

In beiden Fällen handelt es sich um Plattenbaugebiete, die in den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden seien. Damals zogen viele Familien mit Kindern dort ein. Viele der Erstbezieher würden heute noch in den Wohnungen leben, auch wenn der Nachwuchs schon lange ausgezogen ist. Wie eine Erhebung in Zusammenarbeit mit der Städtischen Wohnungsgesellschaft Annaberg-Buchholz und der Wohnungsbaugenossenschaft Erzgebirge den zwei großen Vermietern ergab, überwiegen ältere Bewohner. 42 Prozent davon seien über 65 Jahre alt. Ein weiterer Aspekt: Ein-Personen-Haushalte sind in der Mehrzahl. Von gut 1580 Haushalten bei beiden Gesellschaften trifft das laut Dagmar König auf fast 55 Prozent zu. "Ein Großteil der Wohnungen sind dennoch Drei-Raum-Wohnungen", sagte sie.


Die Belegung sei im Laufe der Jahre geringer geworden, was sich in zunehmendem Leerstand niederschlägt. Dieser betrifft etwa obere Etagen von Gebäuden, in denen es keinen Aufzug gibt. "Es gibt zudem ganze Blöcke mit sehr hohem Leerstand", so die Sachgebietsleiterin Planung. Hinzu kommt, dass die Wohnungsnachfrage in der Stadt wegen des allgemeinen Einwohnerrückgangs generell zurückgehe.

Was soll das Stadtumbaukonzept für die zwei Gebiete leisten? Zum einen ist eine genauere Analyse vorgesehen. Zum anderen sollen gemeinsam mit den Wohnungseigentümern Strategien entwickelt werden, um einen großen Leerstand in der Zukunft zu verhindern. Dabei können verschiedene Aspekte eine Rolle spielen. Dagmar König nannte zum Beispiel Mehrgenerationen-Wohnen, Senioren-Wohngemeinschaften oder Themen wie zusätzlichen Service durch Pflegeeinrichtungen in Gebäuden. Eventuell müsse man sich auch damit beschäftigen, obere Etagen von Gebäuden abzutragen oder Aufzüge anzubauen. Der Abriss einzelner Blöcke könnte ebenso ein Thema sein. Das Stadtumbaukonzept soll konkrete Ziele festlegen und die Basis für die Aufnahme in ein Förderprogramm bilden. Die Eigentümer der Wohnblöcke könnten die Aufgabe einer solchen Umgestaltung nicht allein bewältigen, das gehe nur im gemeinsamen Handeln mit der Stadt und den Bewohnern.

Aus Sicht von Oberbürgermeister Rolf Schmidt (FWG) ist das Ganze ein "sensibles und dringendes Thema", wie er in der letzten Sitzung des Rates vor der Wahl am Sonntag sagte. Für Stadtrat Hartmut Götzel (CDU) war es unter anderem eine Überraschung, innerhalb der Analyse zu hören, dass der Anteil an Kindern in den Haushalten in den zwei Wohngebieten niedriger ist als etwa in der Annaberger Innenstadt. Er verwies darauf, dass es auf keinen Fall einen "Rückbau mit der Brechstange" geben soll. Aus Sicht von Karl-Heinz Vogel (FWG) spielt auch eine bessere Anbindung der Wohngebiete an die Innenstadt eine Rolle. "Wer abends im Theater war, hat beispielsweise keine Chance, danach wieder mit dem Bus zurückzukommen", sagte er. Das Wohnen sei nur die eine Seite, die soziale Verbindung zur Stadt als Ganzes halte er für ebenso wichtig. Liegt das Konzept vor, wird sich der neu gewählte Rat damit befassen.

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