Von der Ministerreise ans Flügelhorn

Frank Müller Rosentritt ist bodenständiger Erzgebirger. Aber als Politiker blickt er auch weit über den sprichwörtlichen Tellerrand - bis nach Asien. Dort sieht er viel Potenzial, auch für das Erzgebirge.

Crottendorf.

Der Erzgebirgskreis feiert sich in diesem Jahr. Erst vor wenigen Tagen hat das große Fest anlässlich des zehnjährigen Bestehens stattgefunden. Mittendrin im bunten Reigen die Partnerlandkreise, die vielfach von den Altlandkreisen mit in den neuen Großkreis gebracht worden sind. Einer der Partner: Kaohsiung City aus der Provinz Taiwan. Doch nicht nur deswegen fordert der heimische Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt (FDP): "Wir brauchen mehr Asienkompetenz."

Als Listenkandidat Nachfolger von Heinz-Peter Haustein aus Deutschneudorf ist der studierte Diplom-Betriebswirt seit September 2017 Mitglied des Bundestages. Seinen Wohnsitz und sein Wahlkreisbüro er zwar in Chemnitz. Doch als gebürtiger Annaberger, der in Gersdorf bei Lugau aufgewachsen ist, fühlt er sich nicht nur seiner Eltern und Großeltern aus Crottendorf wegen noch immer in der Region verwurzelt. Hinzu kommt Bodenständigkeit, die er aber mit einem weiten Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand verbindet. Denn als einziger sächsischer Politiker ist er Mitglied des Auswärtigen Ausschusses.

In dieser Funktion war er vor wenigen Tagen mit einer Delegation um Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Japan und Südkorea. Sein Fazit: "Wenn man in der Region unterwegs ist, wird schnell offensichtlich, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern einen enormen Nachholbedarf hat, was die Beschäftigung mit den bedeutenden asiatischen Staaten und Gesellschaften angeht. Allein Japan, die Republik Korea und China gehören zu den weltweit wichtigsten Akteuren. Diese Länder sind führend bei vielen Innovationen und treiben politische Entwicklungen voran. Nicht nur die Bundesregierung, auch der Freistaat Sachsen sollte seinen Fokus viel stärker als bisher auf Asien ausrichten, um bei den Entwicklungen in der Welt als gestaltende Kraft am Ball zu bleiben. Das gilt sowohl für die politischen als auch für die wirtschaftlichen Beziehungen." Und das gelte durchaus auch für Chemnitz und das Erzgebirge, die sich seiner Ansicht nach viel stärker als bisher als gemeinsames wirtschaftliches Zentrum vermarkten sollten. Denn auch das Erzgebirge sei mit seiner sehr hohen Industriedichte, der sehr geringen Arbeitslosenquote und mit dem, was produziert wird, durchaus gut aufgestellt. Zwar fehlten die großen Konzerne, dafür sei die Region aber auch stabiler gegenüber Schwankungen. Dennoch sei das alles kein Grund, sich zurückzulehnen.

So sieht Frank Müller-Rosentritt unter anderem noch großes Potenzial in der Nähe zu den Universitätsstandorten. Der Weg, den Annaberg-Buchholz' Oberbürgermeister Rolf Schmidt (Freie Wählergemeinschaft) mit seiner Idee von einem eigenen Campus in seiner Stadt eingeschlagen habe, sei genau der richtige, um junge Menschen in die Region zu holen beziehungsweise sie in dieser zu halten. "Das ist genau das, was Entwicklung ausmacht. Innovation ist der Taktgeber der Zukunft", argumentiert der FDP-Politiker. Denken in politischen Grenzen sei dabei nur hinderlich. Durchaus noch Potenzial sieht er im Erzgebirge auch in Sachen Außenwerbung und im Ausbau wirtschaftlicher Kontakte. Während er beispielsweise für seine Asienreise von anderen Landkreisen ganz konkrete Aufträge in Sachen Wirtschaftsförderung erhalten habe, sei das weder in Chemnitz noch im Erzgebirge der Fall gewesen. So habe er kurzerhand selbst die Initiative ergriffen und Vertreter aus der Region Taiwan nach Chemnitz eingeladen.

Schon für den September ist der Besuch geplant. So sieht er sich längst nicht mehr nur als Botschafter für das Erzgebirge und für Chemnitz in Berlin, sondern mittlerweile auch in der Welt. Sein Ziel: "Ich will die Welt in die Region holen." Vor allem die asiatische Welt, denn deren Bedeutung werde momentan hierzulande noch zu sehr unterschätzt. Insbesondere China sei "völlig verkannt".

Doch nicht nur die heimische Wirtschaft liegt dem dreifachen Familienvater am Herzen - auch die erzgebirgischen Traditionen sind ihm wichtig. Die pflegt er unter anderem jeden Freitagabend, wenn er bei den Heidelbachtal-Musikanten das erste Flügelhorn spielt. "Das ist für mich in jeder Woche einer der größten Glücksmomente: Am Freitagabend nach Drebach zu kommen und ein, zwei Stunden Blasmusik zu üben und die Zeit mit Freunden zu genießen." Und dann sind da ja auch noch die großen erzgebirgischen Weihnachtsgalas "So klingt's bei uns im Arzgebirg" mit Marianne Martin, die er nicht nur organisiert, sondern auch moderiert sowie als Trompeter und Mundartsprecher mitgestaltet. Die Vorbereitungen für die nächsten beiden Ausgaben laufen bereits auf Hochtouren.

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