Von einer Simme zum Motorrad

Mehr als 120 Simson-Krafträder standen am Samstag im Focus des Treffens anlässlich des Mildenauer Kartoffelfestes. Darunter befand sich sowohl Originales als auch Aufgemotztes.

Mildenau.

Auf den ersten Blick wirkt Andy Neuberts Simson S 51B unscheinbar. Beim Simson-Treffen der Simson Crew "Eastgermanbikes" in Mildenau schauten die meisten der etwa 300 Besucher genauer hin. Der veränderte Auspuff, die vordere Scheibenbremse und das große Nummernschild wiesen eindeutig darauf hin, dass es sich bei diesem Krad um etwas Außergewöhnliches handelt. In der Tat hat Andy Neubert sein Mokick in ein Motorrad verwandelt. Angetrieben wird es von einem 90 Kubikzentimeter großen Motor. Dieser leistet etwa 20 Pferdestärken und beschleunigt das Zweirad auf bis zu 120 Kilometer pro Stunde. Der Mildenauer hat einen größeren Vergaser eingebaut und sowohl den Kolben als auch die Kurbelwelle und die Laufbuchsen vergrößert. Die Scheibenbremsen wurden notwendig, um das Krad auch bei höheren Geschwindigkeiten ordnungsgemäß abbremsen zu können. Das Getriebe kaufte er von einem Spezialisten. Statt der original verfügbaren vier Gänge kann Andy Neubert bei seiner "Simme" fünf Gänge schalten. Ursprünglich wurde das Krad 1986 in Suhl gebaut. Der Mildenauer kaufte es vor zehn Jahren in Einzelteilen von einem Kumpel aus Grumbach. In drei Kisten waren sie verpackt. Die Ursprungsfarbe ist damals noch ein helles Grün gewesen. Während er das Moped zusammenbaute, legte er gleichzeitig den Führerschein ab. Zwei Jahre später begann er, sein Krad zu modifizieren.

Erst besorgte er neue Felgen. Dann wurde es neu lackiert. Ein neuer breiterer Lenker folgte wenig später. Von seinem verstorbenen Großvater hatte er viel gelernt. Er hatte 40 Jahre lang bei MZ gearbeitet. Wie viele Stunden Arbeit in dem Umbau stecken, weiß Andy Neubert nicht zu sagen. Gelohnt hat es sich seiner Meinung nach allemal. Er genießt die Blicke, die das Motorrad auf sich zieht. Das ist vor allem dann der Fall, wenn er schneller unterwegs ist, als das ein Simson-Mokick vermuten lässt. Ein Alltagsgefährt ist diese "Simme" für den gelernten Produktveredler für Textilien jedoch nicht. "Es ist eher ein Sonntagsfahrzeug für besondere Ausfahrten und Treffen", sagte er.

Andere Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) "Eastgermanbikes" verwenden ihre "Simmen" im Alltag, wie ihr Chef Marcus Bernt versicherte. Genau 27 Mitstreiter aus Mildenau, der näheren Umgebung und ganz Deutschland zählen dazu. Sie restaurieren, hegen, pflegen und fahren alles, was jemals bei Simson in Suhl gebaut worden ist. Die ältesten Modelle der IG wurden um 1955 gebaut, die neusten 1990. Warum das so ist, hat Marcus Bernt rasch erklärt. Die Simson-Krafträder halten lange und sind gleichzeitig einfach zu verändern und aufzuhübschen", sagte er.

Entstanden ist das Simson-Treffen vor drei Jahren. Der Organisator des Kartoffelfestes Chistian Beyer hatte es angeregt. "Die Idee kam uns entgegen", so Marcus Bernt.

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