Von Elferrat bis Tanzgarde - Wenn Narren eine Party feiern

Die Faschingssaison steuert auf ihren Höhepunkt zu. Dieses Wochenende finden vielerorts Veranstaltungen statt. Einige Vereine haben gleich doppelt Grund zu feiern. Die einen sind in der 65., die anderen in der 25. Saison. Zwei Generationen, eine Faszination.

Bärenstein/Scheibenberg.

Die "3 tollen Tage" von Bärenstein sind legendär und das nun schon seit mehr als 65 Jahren. Los ging es 1956 mit dem Faschingsausschuss der Betriebssportgemeinschaft "Wismut", daraus wurde in den 1960er-Jahren "Bärensteiner Karnevalskomitee". Die Abkürzung BKK ist geblieben, auch wenn sich dahinter heute der Name Bärensteiner Karnevalsklub verbirgt. 1956 gegründet, das heißt, die Bärensteiner sind ihrer 65. Faschingssaison. Und während sich die Gäste der Veranstaltungen in der Regel aufwendig verkleiden, fallen die Faschingsvereinsmitglieder durch eine besondere Robe auf. Bei den Bärensteiner ist Magenta die dominierende Farbe. Untypisch, denn normalerweise orientieren sich die Vereine an den jeweiligen Stadtfarben.

Doch die damalige Haus- und Hofschneiderin des BKK, die auch für viele andere Vereine die aufwendigen Jacken, Hosen, Hüte, Röcke und Oberteile herstellte, hatte Lust auf etwas anderes, erzählt BKK-Präsident Frank Jurk. So kam also Pink ins Erzgebirge. "Diese Farbe sieht man selten", so Jurk. Das gefällt den Bärensteinern und deshalb sind sie dabei geblieben, haben selbst die Deko im Sächsischen Hof, wo seit jeher die Karnevalsveranstaltungen stattfinden, daran angepasst. Vom Elferrat über die Saalpolizei bis zu den Tanzgarden ist Magenta in allen Kostümen zu finden - und wenn es nur ein Band am Hut ist. Nur beim Prinzenpaar ist es anders. "Sie stechen farblich hervor", sagt Jurk. Sind ja schließlich auch die Hoheiten. Das 65. Prinzenpaar - Prinz Robert I und Prinzessin Merily I - stammt übrigens ursprünglich aus Estland. Ihnen zur Seite steht auch kleines Prinzenpaar, Nico II und Emily II.

Am heutigen Samstag werfen sich die Bärensteiner wieder in Schale. Es ist Zeit für den großen Programmabend. Motto: "65 Jahre die Party kann starten, wir feiern heut' in Beet und Garten". Weiter geht es am 21. Februar mit dem Weiberfasching. Da werden diesmal alle - auch die Männer - im Kleid erwartet. Es folgt der große Masken- und Kostümball am 22. Februar, der Kinderfasching einen Tag darauf, am Rosenmontag kommen die Senioren, am Faschingsdienstag steht der Fokkenrummel an. Für alle Veranstaltungen gibt es an der Abendkasse noch Karten.

Ortswechsel. Auch der Scheibenberger Faschingsverein feiert in dieser Saison Jubiläum - es ist die 25. Zwar wurde in der Bergstadt auch schon zu DDR-Zeiten Fasching gefeiert, allerdings gab es keinen extra Verein. Das wollte Karin Maier Mitte der 1990er-Jahre ändern. Also suchte sie sich Mitstreiter, Unterstützung erhielt sie unter anderem von Mitgliedern des Jugendclubs, dem damaligen Bürgermeister und dem damaligen Schuldirektor. Und los ging es. Es gab allerdings ein Problem. Der noch junge Verein hatte keine eigenen Ressourcen. "Wir hatten nichts, noch nicht einmal Kostüme", erzählt Maier. Crottendorfer Faschingsfrauen schenkten ihnen welche. "Das ist der Grund, warum wir am Anfang grün-weiß aussahen." Bei den Männern wurde improvisiert. "Wir haben Kochjacken genommen und diese aufgepeppt", erinnert sich die Vereinsvorsitzende. Um die erste Veranstaltung in der Turnhalle machen zu können, griffen Maier und einige ihrer Mitstreiter selbst in die Tasche und legten die benötigten Mittel aus. Und: Die Halle war voll. Der Scheibenberger Faschingsverein hatte unter dem Motto "Märchenwelt" seine erste Sause geschmissen. Aus den 26 Mitgliedern zu Beginn sind mittlerweile 70 geworden. Seit 1997 tragen die Scheibenberger Narren die Stadtfarben Rot und Weiß. "Es ist der Verein mit dem geringsten Altersdurchschnitt", sagt Bürgermeister Michael Staib.

Am 22. Februar findet der große Faschingsball "Zurück in die 90er wo alles begann" statt. Die Karten waren nach kurzer Zeit ausverkauft. Am 23. Februar wird mit Senioren und Menschen mit Behinderung gefeiert. Karin Maier war Altenpflegerin, weshalb ihr diese Veranstaltung am Herzen liegt. Der Faschingsverein arbeitet dabei mit verschiedenen Vereinen und Einrichtungen in der Region zusammen. Die Resonanz sei jedes Jahr groß. Am Rosenmontag kommen 200 Kinder in die Turnhalle. Der Erlös dieser Veranstaltung wird dem Elternverein krebskranker Kinder gespendet. Und am Aschermittwoch wird der Rathausschlüssel wieder übergeben. Dann wird noch die Turnhalle geputzt. Am Ende wird es fast so sein, als ob nichts gewesen wäre. Bis zum 11. 11.

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