Warum die Thumer Feuerwehr keine Personalsorgen hat

Die Kameraden laden am kommenden Wochenende zum Fest ein. Und Gründe zum Feiern gibt es durchaus: Sowohl Aktive als auch die Jugend sind gut aufgestellt. Woran liegt das?

Thum.

Wer den Umkleidebereich der Thumer Feuerwehr betritt, staunt nicht schlecht: Jeder Spind ist belegt. Und das liegt etwa nicht daran, dass es besonders wenige davon gäbe. 38 Kameraden und Kameradinnen zählt allein die Thumer Ortsteilfeuerwehr, in der gesamten Stadt mit Herold und Jahnsbach sind es an die 90. "Wir haben keine Karteileichen, das sind alles Aktive", sagt Ortsteilwehrleiter Jens Kirmse (46) stolz. Und auch die Altersstruktur stimmt, viele der freiwilligen Feuerwehrleute sind zwischen 25 und 40 Jahre alt. Kirmse spricht von einem "gut gemischten Kader". Doch wie schaffen das die Thumer in einer Region, in der andere Feuerwehren aufwendige Werbeaktionen starten müssen oder die Einsatzbereitschaft in Gefahr sehen, weil es an Leuten mangelt?

Nicht immer sah es derart rosig aus. Vor zehn Jahren, sagt Jens Kirmse, habe man noch über ein Drittel weniger Aktive gehabt. Doch durch die Neugründung der Jugendfeuerwehr vor einigen Jahren, mit der die Nachwuchsausbildung für Thum, Herold und Jahnsbach gebündelt wurde, rücken immer wieder junge Leute nach. Derzeit besuchen 24 Kinder und Jugendliche die Jugendfeuerwehr. Für Neid in der Stadt sorge die Zentralisierung nicht, so Kirmse. Wenn sie zu den Aktiven wechseln, können sich die jungen Feuerwehrleute die jeweilige Ortsteilwehr auswählen.

Jedoch ist diese positive Entwicklung das Ergebnis harter Arbeit, insbesondere von Jugendwart Ralf Bärthel. Ob Zeltlager, Besuch bei der Berufsfeuerwehr, Basteltag oder Aufräumaktion im Stadtpark: Es werde viel unternommen. "Die Kinder wollen mehr als nur Dienst schieben. Der Ralf hat das voll im Griff", lobt Jens Kirmse. Neben der Jugend kämen aber auch immer wieder Quereinsteiger zur Thumer Feuerwehr. Einen Grund dafür sieht der Wehrleiter darin, dass die Freiwillige Feuerwehr stetig Präsenz bei Veranstaltungen wie Hexenfeuer oder Weihnachtsmarkt zeige. Dass die vielen Aktiven bei der Stange bleiben, begründet der 46-Jährige mit dem Credo "Es wird sich reingeteilt." Davon, dass einer alles an sich reißt, hält er nichts.

Auf 15 bis 20 Einsätze kommt die Thumer Ortsteilwehr im Jahr, darunter fallen natürlich Brände, aber auch Unfälle und andere technische Hilfeleistungen oder Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen. Zu den Einsätzen kommen mehr als 1400 Dienststunden sowie Veranstaltungen und Lehrgänge.

Denn immer wieder muss Wissen aufgefrischt oder Neues dazu gelernt werden. Schließlich müssen die ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die im Alltag in verschiedensten Berufen arbeiten, im Ernstfall in Sekundenschnelle entscheiden, wie mit einem verunglückten Elektroauto oder einer brennenden Fotovoltaikanlage umzugehen ist. "Wir sind nicht die Profis wie die Berufsfeuerwehr, aber im Einsatz müssen wir das Gleiche können", betont Jens Kirmse. Man sei eben kein Verein wie jeder andere: "Wenn im Sport ein Spiel verloren wird, ist das ärgerlich. Wenn bei uns was schiefgeht, kann das Menschenleben kosten."

Technisch sieht Ortsteilwehrleiter Jens Kirmse insbesondere mit den beiden Löschfahrzeugen Thum ordentlich ausgestattet. Gerade das Ende 2016 gelieferte LF 10 bietet einen großen Vorteil, können doch damit neun Feuerwehrleute statt wie vorher drei ausrücken.

Auch wenn die Thumer Feuerwehr gut aufgestellt ist und mit Herold und Jahnsbach zusammenarbeitet: Mittelfristig müssten die drei Ortsteilwehren fusionieren, glaubt Jens Kirmse. Das mache nicht nur kostenmäßig Sinn, sondern senke auch die Wahrscheinlichkeit, dass im Ernstfall nicht einmal doch zu wenige Kameraden einsatzbereit sind. Und er fügt hinzu: "Wir sind doch sowieso eine Stadt."

Das Fest zu 155 Jahre Freiwillige Feuerwehr Thum findet am Samstag statt. Ab 13 Uhr wird zunächst der Greifensteinpokal der Jugendfeuerwehren ausgetragen, ab 15.30 Uhr gibt es Schauvorführungen und die Technik der Feuerwehr kann besichtigt werden. Auf dem Neumarkt folgt 18 Uhr Musik mit Brass 94 und am Abend mit der Partyband Gambler.

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