Warum ein Zauberer ein Kät-Buch schreibt

Jens-Uwe Günzel stammt aus einer bekannten Annaberger Familie, in der Magie und Show eine wichtige Rolle spielen. Nun macht der 39-Jährige mit einem anderem Projekt auf sich aufmerksam. Anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Kät im Jahr 2020 schreibt er ein Buch. Und er will ein Stück Geschichte wieder lebendig werden lassen.

Annaberg-Buchholz.

In zwei Jahren ist es so weit. Dann feiert die Annaberger Kät, das größte Volksfest der Region, ihren 500. Geburtstag. Kein Wunder also, dass die Historie der Kät bis dahin verstärkt in den Fokus rückt. Einer, der sich bereits seit einiger Zeit mit den Anfängen und der Geschichte des Jahrmarktes befasst, ist Jens-Uwe Günzel. Vielen dürfte er unter seinem Künstlernamen Jo Everest ein Begriff sein. Der Zauberer, Archivar und Historiker ist der Großneffe des über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Zauber-Soltau, der in Annaberg ein Zauber-Fachgeschäft betrieb und selbst als Magier auftrat. Und eben dieser familiären Verbindung ist es unter anderem zu verdanken, dass sich Jens-Uwe Günzel derzeit intensiv mit der Geschichte der Kät auseinandersetzt. Bis zum Jubiläum will er ein Buch veröffentlichen.

Immer wieder spielte die Familie bei dem Volksfest eine Rolle. Da wäre zum einen Kurt Soltau, der laut Günzel in den 1950er-Jahren für die Schausteller Trickgeräte, Illusionen und Ähnliches herstellte. "Doch eigentlich geht die Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurück", erzählt der 39-Jährige. Damals gab es die Gebrüder Soltau - ein Akrobatentrio, das auf den verschiedensten Volksfesten auftrat, natürlich auch in der Heimatstadt. Noch enger wurde der Kontakt zur Kät, weil die Familie zwischen 1895 und 1933 das Schützenhaus in unmittelbarer Nähe zum heutigen Kätplatz betrieb. Viele berühmte Zauberer traten dort auf. Das Akrobatentrio hatte sogar eine tägliche Show. Und wenn Kät-Zeit war, platzte das Schützenhaus sowieso aus allen Nähten. Jens-Uwe Günzel wuchs mit diesen Familiengeschichten rund um das Volksfest auf. "Mich hat die Kät schon immer fasziniert."

Seit 2016 wühlt sich der Annaberger daher durch Archive, sichtet Dokumente, spricht mit Schaustellern. Vor allem Letztere sollen in seinem Buch nicht zu kurz kommen. So habe es viele große Schaustellerfamilien gegeben, die bei der Kät eine Rolle spielten. Da eine chronologische Abhandlung schon allein aufgrund mangelnder Daten über die Jahrhunderte nicht möglich ist, baut sich das Buch thematisch auf. Von der Gründung Annabergs über die Friedhofsweihe mit heiliger Erde aus Rom bis zur ersten Wallfahrt am Trinitatisfest 1520 steigt er in die Geschichte ein. Nach und nach wandelte sich das Kirchenfest zu einem Volksfest mit Jahrmarktcharakter. Mit den Veränderungen wurde auch irgendwann der Festplatz zu klein. Ab 1869 wurde auf der Schützenwiese dem heutigen Kätplatz gefeiert.

Günzel interessieren aber nicht nur die historischen Fakten. Vielmehr geht es ihm um Geschichten rund um die Kät. Da ist zum Beispiel das Feuerwerk, bis heute ein Höhepunkt. Um 1930 soll es das zum ersten Mal gegeben haben. "Interessant ist auch, dass Soltau viele Jahre dafür verantwortlich war", erzählt Jens-Uwe Günzel. Aufgrund seines Zauberladens hatte er die dafür notwendige Berechtigung. Und natürlich wird auch der Eisbär, das berühmte Maskottchen, thematisiert. Und noch mehr: Günzel will die Kultfigur der Annaberger Kät wieder aufleben lassen. Dafür hat er sich extra ein Kostüm anfertigen lassen.

In 500 Jahren Kät - auch wenn es 2020 nicht die 500. sein wird, schon allein durch Kriege wird es vermutlich immer wieder zu Unterbrechungen gekommen sein - ist eine Menge passiert. So fiel laut Günzel 1961 das Feuerwerk buchstäblich ins Wasser, weil das Pulver nass geworden war. Ein Elefant stürzte in der Festhalle ins Parkett, Raubtiere brachen aus ... Anekdoten gibt es genug. Etwa 300 Seiten des Buches, in dem auch jede Menge Bilder zu sehen sein werden, stehen bereits. Fertig ist Jens-Uwe Günzel aber noch nicht. Ein bisschen Zeit bleibt ihm ja auch noch.

Der Autor ist auf der Suche nach Geschichten und Erinnerungen der Erzgebirger.

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