Warum Fritz den Wald umpflügt

Ein Pferd zwischen den Bäumen: Ein ungewöhnliches Bild hat sich kürzlich in einem Waldgebiet nahe der Greifensteine geboten. Der Förster erklärt, was es damit auf sich hat.

Gelenau/Jahnsbach.

Ein Pferd und einen Pflug würde man üblicherweise eher auf einem Feld verorten. Doch für das Rheinische Kaltblut Fritz ist die Arbeit zwischen Bäumen normal. Immer wieder kommt das Pferd vom Pferdefuhrunternehmen Meinhold aus Rittersgrün in Waldgebieten zum Einsatz - kürzlich nahe der Greifensteine in einem Flecken, der zum Sachsenforstrevier Gelenau gehört. Diesmal wurden Furchen gezogen, um Weißtannen-Samen zu säen. Zwar geht das auch mit motorisierter Technik. "Doch ein Pferd ist ideal, da es sehr wendig ist", erklärt Revierförster Tobias Hamm. In seinem Gebiet sind zuletzt verteilt in Teilgebieten auf einer Fläche von insgesamt 7,5 Hektar - das entspricht mehr als zehn Fußballfeldern - Samen ausgebracht worden, pro Hektar werden rund 20 Kilogramm Saatgut verwendet. Langfristiges Ziel ist es, den Wald widerstandsfähiger zu machen, weg von fast reinen Fichtenkulturen hin zu mehr Weißtannen, Buchen und Ahorn beispielsweise. In dem Waldstück an den Greifensteinen waren unlängst bereits junge Bäumchen per Hand gepflanzt worden.

Der Waldumbau, der viele Jahrzehnte in Anspruch nimmt, will gut durchdacht und abgestimmt sein, wie Tobias Hamm erläutert. Dabei sind die spezifischen Anforderungen der einzelnen Baumarten zu berücksichtigen. "Wir brauchen einen Schirm, um die Konkurrenz beim Wachstum zu regulieren", so der Revierförster. So kommt etwa die Weißtanne mit weniger Licht zurecht als die Fichte, allerdings wächst sie langsamer als Letztere. Würde man also junge Weißtannen auf eine Lichtung setzen, würden sie durch die rascher gedeihende Fichte einfach überwachsen werden. Mit dem Schirm, der in dem genannten Gebiet aus einige Jahrzehnte alten Fichtenbeständen besteht, haben die Weißtannen aber gute Bedingungen: Durch die großen Bäume kommt weniger Licht auf den Boden, womit junge Weißtannen besser als junge Fichten klarkommen.

Der Waldumbau ist eine generationenübergreifende Aufgabe: Im Forstbezirk Neudorf, zu dem das Gelenauer Revier gehört, sind 86 Prozent der alten Bäume Fichten. Hamm: "Im Unterstand sieht es hier schon deutlich bunter aus."

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