Was Bibliotheken im Erzgebirge ihren Nutzern bieten

Nachdem in Wolkenstein ein Streit um die Öffnungszeiten der städtischen Bibliothek entbrannt ist, diskutieren die Menschen über den Wert der Einrichtungen. Was offerieren die Häuser im Kreis eigentlich?

Annaberg-Buchholz.

Für manchen ist die städtische Bibliothek nur eine von mehreren freiwilligen Leistungen einer Kommune. Für andere wiederum stellt sie eine der wichtigsten Kultureinrichtungen überhaupt dar: zum Lesen, als Treffpunkt, für Kulturveranstaltungen und als pädagogisch wichtige Einrichtung für den Nachwuchs. In Wolkenstein war jüngst eine Debatte über die Kürzung von Bibliothekszeiten losgetreten geworden, die viele Reaktionen hervorgerufen hat. Nutzer und Unterstützer haben sich für die Bibliothek starkgemacht und den Erhalt der bisherigen Öffnungszeiten gefordert. Kritiker wollten mit dem Vorstoß hingegen Kosten senken, welche die Kommune für die Einrichtung zuschießt. Da stellt sich die Frage: Was bekommen Nutzer im Erzgebirgskreis in ihrer Bibliothek geboten?

Beim vergleichenden Blick wird deutlich, dass sich die Angebote durchaus unterscheiden: Nutzer in Olbernhau müssen etwa keine Jahresgebühr zahlen, während Wolkenstein nach einer Änderung der Gebührensatzung nun am oberen Limit liegt - gefolgt von Annaberg-Buchholz. Die W-Lan-Nutzung wiederum ist in Stollberg beispielsweise frei, kostet in Annaberg-Buchholz einen Euro für 30 Minuten. Dafür stehen in der hiesigen mit acht Computerarbeitsplätzen aber vergleichsweise viele zur Verfügung.

Je nach lokalem Hintergrund setzen die hiesigen Bibliotheken auch inhaltliche Schwerpunkte. In der Zschopauer Bibliothek ist das beispielsweise der Fahrzeugbau. "Wir haben das Sondersammelgebiet Fahrzeugbau und sammeln spezifische Literatur zu diesem Thema", erläutert Leiterin Silke Dost. Das liege vor allem an der Geschichte des Fahrzeugbaus und der Tradition von DKW und MZ in Zschopau, ergänzt sie. Stolz ist die Leiterin auch auf die Geschichte des eigenen Hauses: "Wir können in diesem Jahr das 150-jährige Bestehen feiern. Das ist schon etwas Besonderes." In der Stollberger Bibliothek spielt die Geschichte der Haftanstalt Schloss Hoheneck eine große Rolle - in der Bücherei werden gezielt Werke zu der Einrichtung aber auch zu dem damit zusammenhängenden Thema politische Verfolgung gesammelt, erklärt Interimsleiterin Beate Schaub. Daneben biete das Haus Bücher zur Regionalgeschichte. Diese seien insbesondere bei Heimatforschern, Schulen und auch auswärtigen Besuchern sehr gefragt. Einen umfangreichen Bestand zur Geschichte der beiden einst selbstständigen Städte Annaberg und Buchholz hat auch die hiesige Einrichtung zu bieten. Dazu kommt als einer der Spezialgebiete das Leben und Werk von Rechenmeister Adam Ries.

Wolkensteins Bibliotheksleiterin Uta Liebing betont zudem, dass ihre Bibliothek eine wichtige Kultureinrichtung sei. Das Angebot gehe deutlich über die Bücherausleihe hinaus. Regelmäßig finden Veranstaltungen im Haus statt: Lesungen, Buchvorstellungen, aber auch Bastelstunden für Kinder. In Annaberg-Buchholz gehören unter anderem Vorlesewettbewerb und Buchsommer zu den regelmäßigen Angeboten. Beim Buchsommer konnte laut Stadtsprecher Matthias Förster im vorigen Jahr sogar ein Besucherrekord verzeichnet werden. Als besondere Höhepunkte stehen in der nächsten Zeit eine Ausstellung anlässlich des 500. Todestages von Leonardo da Vinci im Februar und März sowie eine Lesung mit dem Schweizer Krimiautor Sunil Mann im Rahmen der Schweizer Literaturtage im April auf dem Programm.

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