Weihnachtsprojekt schweißt Menschen im Ort zusammen

Kinder freuen sich auf das Fest vor allem deshalb, weil es Geschenke gibt. In Deutschland muss kaum ein Knirps darauf verzichten, doch weltweit sieht das anders aus. Die Chance, woanders Kindern eine Weihnachtsfreude machen zu können, aktiviert jedes Jahr auch viele Erzgebirger.

Neudorf.

Seit 1998 packen nicht nur im Sehmatal ganz unterschiedliche Leute im Rahmen von "Weihnachten im Schuhkarton" Päckchen für Kinder in osteuropäischen Ländern. Gefüllt werden sie mit Spielsachen, Hygieneartikeln, Süßigkeiten, Kleidung oder auch Schulmaterial. Auf den Weg bringen das Familien, Senioren, Schulklassen und verschiedene Kindergruppen. Seit sieben Jahren leitet Simone Weighardt eine solche Sammelstelle in Neudorf. "Die Aktion schweißt eine Menge Leute im Ort zusammen. Und alle arbeiten unterschiedlich für das gleiche Ziel", erzählt die Mutter von drei Kindern.

Es beginnt jährlich mit dem Ordern der Schuhkartons. Die stelle dankenswerterweise ein Cranzahler Schuhladen zur Verfügung. Die Mitglieder des Frauentreffs der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde bekleben immer im Oktober an einem Abend die Kartons mit bunten Geschenkpapieren. So entsteht schnell ein reichhaltiger Fundus bereits bunt beklebter, aber leerer Kartons. Sind die dann gefüllt, können die Neudorfer "ihr" Päckchen im Blumenladen, dem Pfarramt oder im Kindergarten abgeben.

Simone Weighardt wiederum holt und sammelt die bunten Weihnachtspäckchen in einem Parterreraum ihres Wohnhauses. 387 waren es im vergangenen Jahr, 600 sind 2014 zusammen gekommen. "In dieser Zahl sind aber auch die Pakete aus Scheibenberg, Sehma, Cunersdorf und Oberwiesenthal inbegriffen", sagt die Verantwortliche. Sie ist gespannt, welchen Trend die Aktion im Coronajahr folgt. Zum diesjährigen 25. Jubiläum der Aktion im deutschsprachigen Raum soll es eine Abgabewoche vom 9. bis 16. November geben. Danach gehen die Sachspenden aus dem Erzgebirge auf eine erste Reise nach Berlin.

Dort betreibt die Dachorganisation "Samaritans Purse" eine zentrale Sammelstelle, in der die Pakete endgültig versandfertig gemacht und verladen werden. Im vorigen Jahr sind in Deutschland insgesamt 326.591 Päckchen in 4798 Sammelstellen entgegengenommen worden. "Ich habe selbst erlebt, wie Kinder ein Foto von sich selbst, ihrer Familie, des Ortes oder auch die Adresse mit in den Karton gelegt haben", sagt Simone Weighardt. Daraus seien vereinzelt Briefkontakte entstanden. Sie weiß auch, dass Eltern "Weihnachten im Schuhkarton" nutzen, um ihren Kindern zu zeigen, wie man teilen und damit Freude erleben kann. "Jeder Karton ist ein Hoffnungsträger", sagt die Neudorferin. "Kinder erleben weltweit: Es gibt es irgendwo jemanden, der an mich denkt. Das motiviert mich jedes Jahr neu, diese Arbeit zu tun."

Informationen und ein Verzeichnis aller Sammelstellen in der Region gibt es im Internet unter www.weihnachten-im-schuhkarton.org.

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