Wenn der Alltag Last ist: Hilfe für Menschen in seelischer Not

Die Diakonie Erzgebirge unterstützt seit 20 Jahren Menschen mit psychischen Problemen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Mit einem Tag der offenen Tür wollen die Helfer das Jubiläum feiern und auf ihre Arbeit aufmerksam machen.

Annaberg-Buchholz.

Der Gang zum Briefkasten, ein Gespräch mit den Nachbarn, Einkaufen oder einfach nur früh aus dem Bett kommen - das ist Alltag. Für viele Menschen sind diese kleinen Alltäglichkeiten aber unüberwindbare Hürden. Solchen Menschen zu helfen, wieder Fuß zu fassen im Leben, haben sich die Mitarbeiter der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle der Diakonie Erzgebirge im Annaberger Neubaugebiet auf die Fahne geschrieben. Seit 20 Jahren hält das Team im "Haus der Hoffnung" die Türen offen, um Menschen in psychischen Ausnahmesituationen Hilfe und Halt zu geben. Dabei ist der Name des Hauses nicht zufällig gewählt. Denn viele der Hilfesuchenden, die in die Begegnungsstätte am Barbara-Uthmann-Ring kommen, schöpfen hier wieder ein klein wenig Hoffnung. Hoffnung, durch das Team um Klaus Grüger wieder die Fähigkeit zu erlernen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

"Wir sind für Leute da, die nicht mehr weiter wissen und die oft den Boden unter den Füßen verloren haben. Für solche Menschen ist es wichtig, wieder eine Struktur in den Alltag zu bringen", erklärt der 54-jährige gelernte Heilerziehungspfleger das Konzept der Begegnungsstätte. Neben der fehlenden Struktur sei das Alleinsein ein großes Problem. Deshalb versuchten er und seine sechs Mitstreiter, Hilfen zur Alltagsgestaltung zu geben. Um Isolation und Konflikte zu bewältigen seien soziale Kontakte das Wichtigste. Und genau hier setzt die Begegnungsstätte an. In den Räumen der Begegnungsstätte wird gemeinsam gesungen, gekocht, gegessen oder sogar Sport getrieben. Auch kleine Feste oder Ausfahrten stehen auf dem Programm. Für viele sei es wichtig, einfach mal aus ihrem gewohnten Umfeld herauszukommen, um Abstand von ihrem Alltag zu bekommen, sagt Grüger.

Neben diesen individuelle Hilfen an. "Im Bereich des ambulant betreuten Wohnens geht es vor allem um Hilfe im Alltag. Wir schauen gemeinsam die Post durch, gehen zusammen einkaufen, zu Ämtern oder zum Arzt", so Grüger. Auch hier gehe es darum den Hilfesuchenden eine Struktur zu vermitteln, Ansprechpartner zu sein und zuzuhören.

Das Team der Begegnungsstätte ist eng vernetzt mit Ärzten, dem Krankenhaus und den Behörden des Kreises. "Insgesamt haben wir etwa 70 bis 90 Leute, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen. Manche kommen regelmäßig, andere sehen wir lange Zeit nicht bis sie wiedermal vorbei kommen." Bei vielen sei es schon ein Erfolg, die Abstände zwischen den Klinikaufenthalten so groß wie möglich zu halten. Immer gelinge das nicht und es gebe auch Rückschläge.

Doch das Schönste für Grüger und seine Mitarbeiter seien die Momente, wo sie merken, dass sie etwas bewirken können. "Wir waren neulich im Urlaub mit 15 Leuten im Zittauer Gebirge. Eine ältere Frau war vorher noch nie im Urlaub. Als ich dann ihre leuchtenden Augen sah, habe ich wieder mal gemerkt, wie wichtig unsere Arbeit ist."

Bei all dem Engagement haben die Mitarbeiter aber auch noch ein Privatleben. Hier heißt es einen Ausgleich und Distanz zu gewinnen, denn sonst hat man die nötige Energie für die schwere Aufgabe nicht. Grüger sitzt in seiner freien Zeit oft auf dem Rad oder wandert durchs Gebirge. Kraft findet er auch im christlichen Glauben. Und auch in der Begegnungsstätte spielt der Glaube eine Rolle. "Wir missionieren aber nicht. Das Angebot ist für alle offen."

Die Begegnungsstätte feiert ihr 20-jähriges Bestehen im Haus der Hoffnung. Dienstag, 6. September, 14 Uhr: Feierstunde mit anschließendem Buffet, Gesprächen und Austausch, 16 Uhr Konzert mit "Juvento Anato". Donnerstag, 8. September, 14 Uhr: Tag der offenen Tür, 16 Uhr Vortrag "Konflikte - Können wir noch miteinander reden?"

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