Wenn Urlaubsträume zerplatzen

Als die Corona-Krise ihren Anfang nahm, war eine Reisegruppe von Margrid Starke gerade auf den Weg Richtung Myanmar. Diese Reise musste abgebrochen werden. Bis heute ist an Normalität nicht zu denken.

Annaberg-Buchholz.

Das Geschäftsjahr 2020 begann für das Reisebüro Starke an der Buchholzer Straße brillant. Es gab sehr viele Buchungen für das In- und Ausland. Die Erzgebirger sind offenbar ein reiselustiges Völkchen. Die von Inhaberin Margrid Starke jährlich selbst organisierte Gruppenreise sollte über Singapur nach Myanmar führen, das ehemalige Birma. Mit Vorfreude trat sie diese mit 24 Teilnehmern am 12. März an. Die Gruppe kam nicht weiter als bis nach Singapur. Da kam Corona ins Spiel. Für eine Einreise nach Myanmar hätten sich die Reisenden einer 14-tägigen Quarantäne unterziehen müssen. Also strandeten sie bereits am 18. März auf dem Flughafen in Düsseldorf. Bei den Teilnehmern gab es Verständnis, aber es flossen auch Tränen der Enttäuschung. Für Margrid Starke begann ein Albtraum, der bis zum heutigen Tag andauert.

Die Pandemie machte innerhalb kurzer Zeit das Reisen fast unmöglich. Es gab nur noch Stornierungen und nur teilweise Umbuchungen auf das Jahr 2021. Die Kunden mussten betreut werden, um von den Veranstaltern ihr Geld zurückzubekommen, was sich oft als schwierig erwies und Monate dauern konnte. Einige Veranstalter zeigten sich kooperativ. Doch bei einem der größten gab es nicht einmal eine telefonische Erreichbarkeit. Im Gegenteil, er zeigte sich direkt kundenunfreundlich. Hier kam die versierte Geschäftsfrau manchmal an ihre Grenzen, auch in gesundheitlicher Hinsicht. Sie selbst kann sich keine freie Zeit für sich nehmen, weil diese Probleme bis heute andauern. "Der Urlaub sollte die schönste Zeit des Jahres sein. Das war immer das Motto, ja die Seele meines Unternehmens. Jetzt kommt es mir vor, als wäre es ein Spruch aus einer anderen Zeit", stellt Margrid Starke resigniert fest. Die ganze Branche steht auf wackligen Beinen und keiner kann sagen, wann sich etwas ändern wird.

Das betrifft auch die finanzielle Seite. Sämtliche Provisionen müssen, obwohl die Arbeit erledigt wurde, an die Veranstalter zurückgezahlt werden. Die Kosten für Miete und Betriebskosten laufen weiter. Nun wurde ein Antrag auf Unterstützung für Solo-Unternehmer beim Freistaat gestellt. Sie hatte immer noch gehofft, diesen Schritt nicht gehen zu müssen. Doch es gibt kaum Einnahmen. Nur noch wenige Reisen werden gebucht und ein paar Tickets für Flix-Busse verkauft. Dennoch ist das Reisebüro täglich geöffnet, weil das Arbeitspensum sonst nicht schaffbar ist. Da für die Geschäftsfrau die Kundenzufriedenheit an erster Stelle steht, wird eine Reise nach den jetzigen Bedingungen, die fast für jedes Land anders sind, von ihr organisiert und mit den Kunden Schritt für Schritt durchgesprochen. Margrid Starke will nicht aufgeben. "Auch wenn ich jetzt fast für Null arbeite, so sollen meine Stammkunden doch wissen, dass ich für sie da bin. Ich hoffe wie meine Kunden, dass die Koffer vielleicht nächstes Jahr wieder gepackt werden können. Es gibt noch so viel Schönes zu sehen."

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