Wie der Landkreis junge Hausärzte locken will

Krankenhäuser gelten für Absolventen in der Regel als erste Adresse für die weitere berufliche Entwicklung. Zu niedergelassenen Medizinern gibt es dagegen wenig Kontakt. Ein Ausbildungsverbund soll das ändern.

Annaberg-Buchholz/Marienberg.

Junge Allgemeinmediziner für den ländlichen Raum zu gewinnen, ist das Ziel eines vor wenigen Tagen in Annaberg-Buchholz gegründeten Weiterbildungsverbundes. Allein im Olbernhauer Raum gehen in nächster Zeit vier niedergelassene Ärzte in den Ruhestand. Die Suche nach einer Nachfolge gestaltet sich schwierig. Absolventen, die zwölf Semester an einer Universität in Dresden oder Leipzig studieren, zieht es später eher in urbane Gebiete, umschreibt Knut Hinkel, Geschäftsführer der Krankenhaus-Gesundheitsholding Erzgebirge, das Problem. Nur wenige der frisch gebackenen Ärzte sind dagegen auf den ländlichen Raum fokussiert.

"Die wenden sich in der Regel zunächst an eine Klinik, um eine Assistenzarztstelle für die Ausbildung zum Facharzt zu bekommen. Was danach geschieht, ist oft unklar", fügt Ina Winterstein hinzu. Die Landratsamtsmitarbeiterin ist Regionalkoordinatorin für die Modellregion Marienberg und gehört neben Knut Hinkel zu den Geburtshelfern der Initiative. Beide wünschen sich, dass der "Weiterbildungsverbund für Allgemeinmedizin im Erzgebirge" - so die offizielle Bezeichnung - bald die erste Adresse für Absolventen wird. Das Netzwerk soll ihnen eine strukturierte und organisierte Facharztausbildung im stationären und im ambulanten Bereich ermöglichen und bei der weiteren beruflichen Entwicklung helfen. Sei es bei der Suche nach einer Stelle in einem Krankenhaus, in einer Praxis oder in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ).


Knut Hinkel spricht zugleich von einer Plattform, in der Kommunen eingebunden werden und für weiche Standortfaktoren wie Kindergärten und Schulen werben können. Auch sollen die jungen Ärzte Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung bei der Übernahme einer Praxis aufgezeigt bekommen.

Nach der Gründungsveranstaltung, unter anderem mit Vertretern des sächsischen Sozialministeriums, der Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung, sollen in den nächsten Wochen die notwendigen Strukturen entstehen. "Die Ärzte sind dabei, sich zu finden und ein Konzept zu erstellen, wie sie öffentlichkeitswirksam werden können", erklärt Ina Winterstein. Dazu ist eine Internet-Plattform vorgesehen, aber auch direkt an den Universitäten soll für die Arbeit im Erzgebirge geworben werden.

Die Verwaltung der Krankenhausholding mit ihren Kliniken in Annaberg-Buchholz, Olbernhau, Stollberg und Zschopau wird sich laut Geschäftsführer Hinkel vornehmlich um administrative Aufgaben kümmern. Während die Mediziner den Ausbildungsverbund mit Leben füllen sollen. 27 niedergelassene Ärzte mit Weiterbildungsbefugnis machen bislang mit, berichtet Ina Winterstein. Die Federführung für den ambulanten Bereich obliegt Dr. Ulf Bellmann, Allgemeinmediziner in Geyer. Für den stationären Bereich sitzt der leitende Chefarzt des Klinikums Mittleres Erzgebirge, Dr. Norbert Heide, im Vorstand. Der Mediziner hat schon am Klinikum die Facharztausbildung organisiert.

Im Rahmen der Initiative wollen die Krankenhäuser zusätzliche Stellen für die Facharztausbildung schaffen und damit mehr Nachwuchs in die Region holen. Grundlage bildet eine Richtlinie des sächsischen Sozialministeriums zur Förderung der Heilberufe. Für Modellregionen, also auch für den Erzgebirgskreis, besteht demnach die Möglichkeit einer sogenannten On-Top-Finanzierung für die allgemeinmedizinische Weiterbildung von Ärzten in ländlichen Regionen.

Die Idee der Weiterbildungsverbünde ist nicht neu. Seit 2001 gibt es am Helios Klinikum Aue ein Rotationssystem für die Ausbildung zum Hausarzt. 2012 folgte eine Erweiterung mit weiteren Fächern, berichtet Dr. Thomas Ketteler, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. In den vergangenen sechs Jahren seien am Helios Klinikum elf Kollegen ausgebildet worden, die anschließend in eine Niederlassung gingen. Momentan befinden sich noch fünf künftige Hausärzte in der Ausbildung.

Für die Region Chemnitz gibt es die "Initiative Hausärzte für Chemnitz". Das Angebot richtet sich an Studenten im fortgeschrittenen Medizinstudium, an Weiterbildungsassistenten, die noch eine Spezialisierung suchen und an junge Fachärzte, die einen Fachwechsel anstreben.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...