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Wie die Lehrlinge in Seiffen arbeiten

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Dieses Jahr gibt es so viele Auszubildende wie seit 20Jahren nicht mehr. Die jungen Männer und Frauen verraten, warum sie Holzspielzeugmacher werden wollen.

Seiffen.

Ein Blatt Papier mit farbigen Bögen, geraden Strichen und roten Punkten liegt vor Alida Biehl auf dem Tisch. Gemalt und gezeichnet hat diese Formen ihre Lehrerin Veronika Martinka. Die Aufgabe der Auszubildenden besteht nun darin, diese Figuren in genau derselben Form und Größe ohne abzupausen auf ein anderes Blatt Papier zu übertragen. Seit mehreren Stunden sitzt sie schon an dieser Aufgabe.

"Es ist gar nicht so einfach, gerade Linien ohne Lineal zu zeichnen", sagt Alida Biehl. Sie ist eine der insgesamt 21 Auszubildenden, die dieses Jahr ihre Ausbildung an der Holzspielzeugmacher- und Drechslerfachschule in Seiffen begonnen haben. Das Besondere an diesem Jahrgang ist, dass es seit etwa 20 Jahren erstmals wieder zwei Klassen gibt. "Jahrelang wurde die Anzahl an Lehrlingen immer weniger. Teilweise hatten wir sogar nur vier Absolventen", erzählt Frederic Günther, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Diese Entwicklung erklärt sich Günther vor allem damit, dass viele Betriebe derzeit dringend Nachwuchs brauchen. "Wir hatten schon immer recht viele Bewerber, aber nur wenig Betriebe, die ausbilden wollten oder konnten. Viele Firmen in der Region merken jetzt, dass ihnen Personal fehlt." Ob es nun eine richtige Trendwende gebe oder dieses Jahr ein Ausreißer sei, bleibe abzuwarten.

Auf die derzeit hohe Anzahl an Lehrlingen sind auch die Bundestagsabgeordnete der FDP, Ulrike Harzer, und Jens Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, aufmerksam geworden. Aus diesem Grund haben sie in dieser Woche den Lehrlingen in Seiffen über die Schulter geschaut. Im Klassenzimmer von Veronika Martinka sitzt auch Lena Waldau, die sich ebenfalls im Malen und Zeichnen übt. "Ich wollte unbedingt etwas Handwerkliches und Kreatives machen", erzählt die junge Frau aus Pfaffroda, die ihre Ausbildung bei einem Betrieb in Olbernhau macht. Für die aktuelle Aufgabe arbeitet sie, genauso wie die anderen Auszubildenden, mit Acrylfarben, einem Punktholz und mehreren Pinseln. Eine deutlich weitere Anreise als von Pfaffroda hatte Alida Biehl, die ursprünglich aus Rheinland-Pfalz stammt. "Ich habe lange im Internet gesucht, welche Ausbildung für mich infrage kommt. Ich wollte unbedingt etwas mit Holz machen. Dann habe ich entdeckt, dass bei Wendt und Kühn Azubis gesucht wurden. Darauf habe ich mich schließlich beworben." Mittlerweile hat sie sich schon gut im Erzgebirge eingelebt. "Ich muss allerdings zugeben, dass ich Sachsen zunächst etwas gewöhnungsbedürftig fand, vor allem wegen der Sprache."

Verständigungsprobleme mit ihren Mitschülern und ihrer Lehrerin hat sie allerdings nicht. Diese erklärt, worauf es in den ersten Wochen der Ausbildung ankommt. "Zum Beispiel darauf, ein Gefühl für die unterschiedlichen Farben zu bekommen und diese zu mischen", erklärt Veronika Martinka. "Auch Proportionen spielen eine wichtige Rolle. Dafür muss man ein Gefühl entwickeln."

Ein solches Gefühl haben bereits die Lehrlinge, die ihr zweites Ausbildungsjahr begonnen haben. Sie sind beispielsweise schon in der Lage, verschiedene Figuren zu drechseln und sie anschließend zu bemalen. An einer Drechselbank im Erdgeschoss stehen Toni Lenk aus Cranzahl und Josie Georgi aus Crottendorf. "Unsere Aufgabe ist es heute, Laubbäume aus Lindenholz zu drechseln. Diese Bäume brauchen wir für den Striezelmarkt in Dresden, auf dem wir einen Stand haben", erzählt Toni Lenk, der später einmal den Betrieb seines Vaters übernehmen möchte. An seiner Ausbildung schätzt er vor allem, dass sie sehr vielseitig ist. "Wir lernen verschiedene Techniken kennen, und man kann selbst etwas gestalten." Er kennt aber auch die Schwierigkeiten, die mit dem Beruf verbunden sind. "Einen Spanbaum zu stechen, ist am Anfang sehr schwierig. Das klappt definitiv nicht beim ersten Mal." Das kann auch Josie Georgi bestätigen. "Bei diesem Beruf muss man Geduld haben, und man darf nicht aufgeben. Man hat den Dreh aber recht schnell raus."

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