Wie die Wiesaer sich ihren Dorfkern selbst aufmöbeln

Fördermittel? Fehlanzeige. Stattdessen bauen sich Vereinsmitglieder und Dorfbewohner ihren Pavillon in Eigenregie. Material wird mit Geld vom Ortsjubiläum gekauft.

Wiesa.

Auf Fördergeld wollen die Wiesaer nicht warten. Sie wollen loslegen und selbst mit anpacken. Ihr Ziel: Sie möchten einen Pavillon an der Turnhalle bauen, den alle im Thermalbad Wiesenbader Ortsteil nutzen können. Und das soll eher gestern als morgen passieren, haben die Wiesaer doch schon genug gewartet und ein kleines Budget gibt es auch.

Aber von vorn: Vor vier Jahren feierte Wiesa sein 625. Ortsjubiläum - ein Termin, der das Dorf zusammenschweißte, denn damals packten alle mit an. Das Fest wurde ein voller Erfolg und am Ende kam sogar ein kleines Finanzplus heraus. Und das besteht noch heute. "Es sollte damit etwas Greifbares entstehen, etwas Zusätzliches, dass es ohne das Fest nicht gegeben hätte", erzählt Bürgermeisterin Berit Schiefer. Lange wurden Ideen gewälzt, bis irgendwann ein Pavillon im Raum stand - zumindest metaphorisch, da das gute Stück bislang nur auf dem Papier existiert. Noch - denn nun soll es wirklich vorangehen. Mitglieder mehrerer Wiesaer Vereine haben extra dafür eine Interessengemeinschaft gegründet. Beteiligt sind der örtliche Sportverein, der Förderverein der Feuerwehr und die Bergbrüderschaft. Wobei es in Wiesa dabei traditionell Überschneidungen gibt. Denn wer sagt denn, dass jemand, der gerne Volleyball spielt, nicht auch in Paraden das Bergmannshabit trägt oder die örtliche Feuerwehr unterstützt? Gemeinsam wollen sie nun mit einem Pavillon ihren Dorfkern zwischen Turnhalle und Eisbahn komplettieren.

"Das Geld ist hier verdient worden, direkt an der Ecke, also wollen wir es auch hier anlegen", sagt Mike Groß mit Stolz in der Stimme. Und so geht es auch seinen Mitstreitern. Denn sie alle wollen nicht nur ihren Ort verschönern, sondern sich auch selbst einen Treffpunkt schaffen. Wenn die Vereinsmitglieder aktuell ihre Freizeit gemeinsam verbringen wollen, etwa mit gemeinsamen Grillabenden, müssen sie immer auf private Gärten zurückgreifen. Mit dem Pavillon schaffen sie sich einen öffentlichen Ort, der im Notfall überdacht ist, wo Bänke vorrätig sind und wo sie sich unkompliziert aufhalten können. Übrigens haben die Vereine keinesfalls vor, immer nur unter sich zu bleiben. Angedacht ist, dass alle Wiesaer ihn als Treffpunkt nutzen, aber auch als Veranstaltungsort. Im Winter sollen beispielsweise die Nutzer der benachbarten Eisfläche dort ihre Schlittschuhe anziehen können und noch vieles mehr ist möglich.

Bevor gebaut werden kann, muss aber erst noch abgerissen werden. Denn auf dem gemeindeeigenen Stück Land steht aktuell noch eine Art Carport mit Schuppen, direkt gegenüber der Turnhalle. Wie Bürgermeisterin Berit Schiefer versichert, werden die Gebäude aber zeitnah vom Bauhof abgerissen. Über den Bauantrag entscheidet der Gemeinderat Thermalbad Wiesenbad in seiner heutigen Sitzung. Dann kann es losgehen. Die Planung ist schon vollzogen, für die Bodenbegradigung hat sich auch schon jemand gefunden. Denn die IG hat das große Glück, dass sich viele Handwerker und Firmen aus dem Ort für den Platz interessieren und selbst mit Hand anlegen. Das vorhandene Geld soll nur für Material ausgegeben werden. Alles andere erledigen die Wiesaer selbst - mit Subbotniks, die jedoch nicht zwangsläufig an Samstagen stattfinden müssen. Hilfe nimmt die IG übrigens gerne an - auch aus anderen Ortsteilen.

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