Wie ein Fernfahrer den Brand seines Autotransporters erlebt hat

Bernd Reuter aus Cranzahl ist selbst bei der Feuerwehr. Doch dass der Lkw-Fahrer selbst einmal betroffen ist, damit hat er nicht gerechnet. Obwohl bei dem Brand in Buchholz viele Fahrzeuge vernichtet wurden, hätte alles noch viel schlimmer kommen können.

Buchholz.

Eigentlich sollte Bernd Reuter an diesem Montagmorgen in seinem Autotransporter sitzen und auf der A 72 in Richtung Leipzig unterwegs sein. Stattdessen steht der 54-Jährige bei strömendem Regen an der Beifahrertür und dichtet mit blauer Folie die zerborstene Seitenscheibe des Lkw ab. Während dieser noch glimpflich davongekommen ist, sind die Gebrauchtwagen auf dem Anhänger größtenteils ausgebrannt. Bernd Reuter tut, was er kann, doch viel ist im Moment für ihn nicht zu machen. "Ich kenne mich mit Bränden aus, bin selber bei der freiwilligen Feuerwehr", sagt er. Doch dass es einen dann selber mal erwische, damit rechne man nicht.

Wenige Stunden zuvor wüteten an dieser Stelle die Flammen. In der Nacht zwischen Sonntag und Montag, gegen 0.45 Uhr, wurden Feuerwehr und Polizei auf den Parkplatz in der Buchholzer Talstraße gerufen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte brannten Pkw, die sich auf zwei der vier Autotransporter befanden. Außerdem stand ein weiteres Fahrzeug in Flammen, ein Fiat, der sich in der Nähe der Lkw befand, heißt es später in den Einsatzberichten. "Drei von 16 Autos sind noch ganz", schätzt Fernfahrer Reuter am Montag ein. Die Zugmaschinen der Gespanne sind vom Feuer augenscheinlich verschont geblieben.


Die Löscharbeiten erwiesen sich für die rund sieben Dutzend Einsatzkräfte, darunter Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Buchholz, Annaberg, Cunersdorf, Frohnau und Walthersdorf, als gefährlich, ständig explodierten Autoreifen. Sieben Trupps unter schwerem Atemschutz waren notwendig, um die Flammen in den Griff zu bekommen. In der Sehma, die an dem Parkplatz vorbeifließt, errichtete die Feuerwehr eine Ölsperre, die am Montagmorgen noch einmal um einige Meter versetzt wurde. "Eine reine Vorsichtsmaßnahme", sagte ein Feuerwehrmann zu "Freie Presse". Gefährliche Stoffe seien nicht ins Wasser gelangt.

Während der Löscharbeiten in der Nacht schlug die Feuerwehr auch die Seitenscheibe von Bernd Reuters Lkw ein, um zu kontrollieren, ob sich jemand im Innern befindet. Doch der Fernfahrer aus Cranzahl hatte Glück: Er schlief zu Hause, hatte seinen Autotransporter über das Wochenende auf dem Parkplatz abgestellt. Der Erzgebirger arbeitet für einen Automobillogistiker, am Montag sollte er eine Ladung Gebrauchtwagen nach Leipzig schaffen. Dann kam alles anders. "5.45 Uhr habe ich auf mein Handy geschaut - da las ich die Whatsapp-Nachricht von einem Kollegen, dass die Transporter brennen." Brisant: Der Fahrer von einem der insgesamt vier geparkten Autotransporter schlief in seinem Wagen. Er wurde offenbar erst durch die Feuerwehrsirenen wach, konnte seinen Lkw in Sicherheit bringen, bevor die Flammen auf ihn übergriffen.

Das alles geschah unmittelbar neben einer Tankstelle. "Heute Morgen sah es aus wie bei einer Schaumparty", sagt Pächterin Silke Dittrich. Das Gebäude und die Anlagen seien nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Kraftstoffe lagern unterirdisch. "Da kann so schnell nichts passieren", sagt sie. Doch über die wiederkehrenden Brände in Buchholz macht sie sich Gedanken: "Wenn es so weiter geht, vielleicht ist ja mal die Tankstelle dran."

Nach vorläufigen Schätzungen entstand laut Polizei indes ein Sachschaden im sechsstelligen Bereich. Verletzte gab es nicht. Noch in der Nacht wurden Spuren gesichert. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist Brandstiftung nicht auszuschließen", teilte am Montag eine Polizeisprecherin mit.

In den vergangenen Monaten und Jahren kam es in Buchholz immer wieder zu Feuern, bei denen Brandstiftung vermutet wird, darunter am Bahnhof Mitte, in der Buchholzer Friedhofskapelle und in einem leer stehenden Fabrikgebäude. Die Suche nach den Tätern blieb bislang erfolglos.

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