Wildes Parken: Situation auf Fichtelbergplateau spitzt sich zu

Das Problem ist nicht neu, sorgt aber immer wieder für Ärger: Nicht jeder Stadtverkehr der sollte, fährt auch auf den Gipfel. Schuldzuweisungen sind schnell getroffen. Doch die Sache ist komplizierter.

Oberwiesenthal.

Familie Scharf aus Freital ist oft in Oberwiesenthal und freut sich, dass der Stadtverkehr im Kurort seit dem Herbst des vorigen Jahres deutlich verbessert wurde. Doch dieses Jahr ein herber Rückschlag: Nach einer ausgiebigen Wanderung am Pfingstsonntag wollte die Familie mit dem Bus zurück zum Hotel Fichtelberghaus fahren - geplante Abfahrt: 14.56 Uhr ab Bahnhof. Aber ab diesem Zeitpunkt waren alle Fahrten auf das Fichtelbergplateau gestrichen. Der Familie blieb nichts anderes übrig, als auf den Berg zu laufen. René Scharf ist sauer: "Wir kommen seit vielen Jahren mehrmals jährlich als Urlaubsgäste nach Oberwiesenthal, aber so kann es nicht weitergehen."

Neu ist das Problem nicht: Bereits im Februar hatte die Regionalverkehr Erzgebirge GmbH (RVE) als beauftragtes Busunternehmen sich für diese Lösung entschieden, "da wir unseren Fahrgästen keine einwandfreie Beförderung zum Fichtelbergplateau und den anderen Haltestellen der Stadtverkehrslinie A gewähren können", begründet Stefanie Uhlig vom Unternehmen. Das Problem: Die Busse konnten auf dem Plateau nicht mehr wenden, da sie von parkenden Fahrzeuge blockiert waren - die Busse steckten fest. Die Entscheidung, ob er den Gipfel anfährt oder nicht, trifft dabei jeder Fahrer eigenständig.

Das Parkchaos auf dem Berg gebe es seit Jahren immer wieder: "besonders bei starkem Schneefall, zur Ferien- und Feiertagszeit und wenn ein hohes Gästeaufkommen in Oberwiesenthal zu verzeichnen ist". Verantwortlich für die Misere aus Sicht der RVE: die Stadt. "Die Beräumung durch parkende Fahrzeuge in Parkverbotszonen liegt in der Verantwortung der Stadt." Die Verwaltung sei auch bereits mehrfach über die Problematik informiert worden - mündlich und schriftlich. Ein Lösungsvorschlag seitens der RVE: "Ordnungspersonal vor Ort, das mit einem Abschlepp-Unternehmen agiert." Ähnlich sieht es auch René Scharf. Er sagt: "Die Zustände des Straßenverkehrs im Kurort Oberwiesenthal sind eine Zumutung."

Eine Kritik, die Bürgermeister Mirko Ernst (FDP) - insbesondere nach der zurückliegenden Wintersaison nicht ganz von der Hand weisen kann. Allerdings seien die Ursachen dafür vielschichtig und nicht allein von der städtischen Verwaltung zu lösen. Insbesondere auf dem Fichtelbergplateau gestalte sich eine Lösung des Problems angesichts unterschiedlicher Besitzverhältnisse schwierig.

Demnach handelt es sich bei der Auffahrt zum Fichtelberg um eine Staatsstraße, für die das Land verantwortlich zeichne. Allerdings nur bis zur Wetterwarte auf dem Fichtelberg. Das 13.660 Quadratmeter umfassende Fichtelbergplateau selbst befindet sich im Eigentum des Erzgebirgskreises - außer der Wetterwarte und der Bergstation der Schwebebahn. Die Fläche ist aber nach Angaben der Behörde komplett an die Fichtelberghaus GmbH verpachtet.

Über diese Besitzverhältnisse gibt es auch keine unterschiedlichen Auffassungen - wohl aber über die Zuständigkeiten dafür. Der Bürgermeister seinerseits sieht die städtische Verwaltung lediglich für die Umfahrung des Fichtelberghauses in der Pflicht, da es sich dabei um eine öffentlich gewidmete Straße handele. Auf den privaten Flächen könne die Kommune dagegen Falschparker nicht abstrafen. Aus dem Landratsamt aber heißt es dazu: "Für die verkehrsrechtliche Anordnung auf allen kommunalen Verkehrswegen und sonstigen Flächen, auf denen öffentlicher Verkehr stattfindet (das trifft hier zu), ist die Stadt Oberwiesenthal mit ihrer örtlichen Verkehrsbehörde zuständig. Ob sich die Fläche dabei in öffentlichem oder privatem Eigentum befindet, ist für die Zuständigkeit unerheblich. Solange auf den Flächen de facto öffentlicher Verkehr stattfindet, muss - wie im vorliegenden Fall - die örtliche Verkehrsbehörde tätig werden." Und: "Die Kontrollen zur Einhaltung der angeordneten Verkehrsbeschränkungen im ruhenden Verkehr obliegen auf den öffentlichen Verkehrsflächen der Ortspolizeibehörde, also dem Ordnungsamt der Stadt Oberwiesenthal."

Die Verkehrssicherungspflicht wiederum - wozu unter anderem das Aufbringen von Fahrbahnmarkierungen und Parkplatzkennzeichnungen gehört - liegt aber laut Landratsamt beim Pächter. So sei es im Pachtvertrag geregelt.

Dessen wiederum ist sich Familie Meinel als Pächter durchaus bewusst. Allerdings sei die Dimension, zu der sich dieses Problem mittlerweile entwickelt habe, zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Pachtvertrages im Jahr 2009 noch nicht absehbar gewesen. Allein mit Schildern oder Fahrbahnmarkierungen lasse sich die Situation nicht entschärfen. "Vollsperrscheiben werden nicht akzeptiert", so die Erfahrung von Harry Meinel. Aus seiner Sicht lasse sich das Problem nur mit baulichen Veränderungen in den Griff bekommen - zum Beispiel mit einer Schranke vor dem Haltestellen- und Buswendebereich. Dafür plädiert auch Bürgermeister Ernst. Realisieren könne das aber wiederum nur der Eigentümer der Fläche. Meinels hoffen, dass sich in Gesprächen mit allen Beteiligten eine Lösung finden lässt.


Kommentar: Der Berg ruft

Der Fichtelberg ist das Aushängeschild des Erzgebirgskreises. Viele nutzen das Dach Sachsens für ihr Prestige - aber nicht alle halten sich dabei an die Spielregeln. Allen voran Auto- und Motorradfahrer, die meinen, das Fichtelbergplateau sei ein rechtsfreier Raum, auf dem die Straßenverkehrsordnung außer Kraft gesetzt ist. Die Probleme, die daraus entstehen, treffen völlig Unbeteiligte: Urlauber, die unbeschwerte Tage in Oberwiesenthal erleben möchten. Da kann das Aushängeschild schnell in das Gegenteil umschlagen. Umso wichtiger ist es, das sich mehr und mehr zuspitzende Problem in den Griff zu bekommen. Das gelingt aber nicht, wenn immer nur mit dem Finger auf andere gezeigt wird. Sicher gibt es klare Besitzverhältnisse und klare vertragliche Regelungen. Aber ein Partner allein bekommt dieses Problem nicht in den Griff. Da müssen schon alle an einen Tisch. Und das sollte schnell passieren, um die Zahl der unzufriedenen Urlauber nicht noch größer werden zu lassen. Denn auch ein schlechter Ruf strahlt ganz schnell auf das gesamte Erzgebirge aus.

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1Kommentare
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  • 10
    2
    quatschkopf
    10.07.2018

    Es ist auch unnötig das man mit Auto und Motorrad bis auf das Plateau fahren muss. Es gibt unterhalb 2 große Parkplätze die man auch mit Bus anbinden könnte. Das Plateau mit dem vielen Asphalt ist schon recht hässlich. Hier die Fahrzeuge, außer Bus, auszusperren und dafür der Natur und dem Mensch mehr Raum zu geben wäre sinnvoll. Ein großer Spielplatz für die Kinder, die jetzt meist auf den hölzernen Tieren klettern, ein Berggarten, Wasserspielplatz... Da könnte sich die Tourismusbranche mal was einfallen lassen. Aber nein, Parkplätze!



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