Wo die Vogelbeere zum Schmuck wird

Verschiedene Werkstätten öffneten am Wochenende anlässlich der Europäischen Tage des Kunsthandwerks. Dabei spielten feine Linien auf Porzellan ebenso eine Rolle wie der Einsatz mit der Kettensäge.

Wiesa/Elterlein.

Für das Jahr 2019 hat Heidi Kuhn ein spezielles schöpferisches Thema ausgewählt: "Katzen in der Kunst". Allerdings umfasst das Spektrum der Porzellanmalerin deutlich mehr, wie Besucher der Europäischen Tage des Kunsthandwerks am Wochenende erfahren konnten. Zum zweiten Mal beteiligte sich die Künstlerin daran.

Warum Katzen als schöpferisches Thema? "Das sind faszinierende Tiere, die als heilige Gottheit verehrt, aber auch als satanistisch geltend auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind", erklärte Heidi Kuhn, die seit 1994 ihr Atelier in Wiesa betreibt. 2019 wird es 25 Jahre alt. "Seit dieser Zeit bin ich selbstständig", fügte sie hinzu. Ihre Ausbildung zur Manufakturporzellanmalerin hat sie in der Porzellanmanufaktur Meißen absolviert und dort anschließend auch gearbeitet. Mit dem bewussten Weggang von dort habe sie ihren eigenen Stil gefunden. "Ich probiere auch gern mal etwas Neues aus", erläuterte die Porzellanmalerin. Besonders liebt sie beispielsweise filigranen Schmuck mit Vogelbeermotiven. "Die Vogelbeere steht für Schönheit in der Natur und demonstriert die Verbundenheit mit dem Erzgebirge", berichtete die Künstlerin. Das Malen auf Porzellan sei immer wieder eine Herausforderung. "Weil es wirklich eine sehr schwere Maltechnik ist, die abschließend bei 850 Grad eingebrannt wird", erklärte Heidi Kuhn. Für ihre Kunst interessierten sich am Wochenende beispielsweise Gudrun und Mario Herbst. Dafür hatte das Ehepaar einen recht weiten Weg in Kauf genommen. "Wir sind nur wegen der Kunsthandwerkertage aus Leuna hierhergekommen und hatten bei der Auswahl der Themen die Qual der Wahl", verriet Gudrun Herbst. Dabei war sich das Ehepaar einig, dass sie eine gute Wahl getroffen hatten.


Eine gute Wahl war neben den anderen beteiligten Werkstätten auch die von Holzbildhauermeister Jörg Schreier in Elterlein. Vor seinem Volkskunstkeller ging es etwa am Sonnabend unter freiem Himmel mit der Kettensäge zur Sache. Enrico Hentschel aus Schwarzbach und der Holzbildhauermeister selbst gestalteten ein Blumenmädchen und einen Uhu. Später gesellte sich noch der Markersbacher Falk Germann dazu. Seinen Meister hat Jörg Schreier 1991 gemacht. Ein Jahr später folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Der Erzgebirger ist in einem Metier tätig, in dem der Nachwuchs nicht unbedingt auf den Bäumen wächst, wie er meinte. "Es ist schwierig, die Tätigkeit als Beruf auszuüben. Es gehört viel dazu und es ist ein lebenslanger Lernprozess", erklärte der Elterleiner, der auch Schatzmeister des künstlerischen Vereins "ARTzGEBIRG" ist. Andererseits verwies er darauf, dass das Erzgebirge wohl die einzige Region ist, in der die Holzbildhauerei und das Schnitzen als Hobby sehr intensiv betrieben werden. So wie im Fall von Enrico Hentschel. Er ist gelernter Tischler und übt jetzt den Beruf eines CNC-Fräsers aus. Zudem weiß er seit gut 22 Jahren, mit dem Schnitzmesser umzugehen. "Und seit etwa zwei Jahren mit der Kettensäge", sagte der 35-Jährige. Sein Interesse an dem Kunsthandwerk kommt nicht von ungefähr. Er hatte vor Jahren ein Praktikum bei Jörg Schreier absolviert. An den Tagen des Europäischen Kunsthandwerks beteiligte sich dieser zum zweiten Mal. Auch andere Werkstätten in der Region Annaberg öffneten aus diesem Anlass.

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