Wo Getzenbacken zelebriert wird

Das Erzgebirge ist einzigartig - auch wegen seiner Sprache. Und die setzt dem regionalen Essen liebevoll noch ein Sahnehäubchen obenauf. Heute: zu Besuch in der Braunmühle in Dörnthal

Dörnthal.

Egal, wie es vor der Haustür wettert, ob bei sonnigen Hitzegraden oder misslichem Nieselregen: Im urigen Backofen der Braunmühle Dörnthal prasselt immer ein Holzfeuer. Dabei hat der markante Herd mehr als eine dekorative und zugleich Wärme spendende Funktion in dem urigen, seit 1559 bekannten Gebäudekomplex. "Einige unserer erzgebirgischen Gerichte bekommen in der Backröhre erst ihren markanten Geschmack", sagt Gastgeber Gunter Braun.

Für Feinschmecker hiesiger Kochkunst ist die Einkehrstätte längst kein Geheimtipp mehr. Gäste sind sich einig: Vor allem die hier zubereiteten Buttermilchgetzen sind Dank dieses Aromas einzigartig. "Es ist das Traditionsessen der Erzgebirger. Und für dieses Gericht ist uns kein Aufwand zu groß", sagt der Gastwirt und Mühlenbetreiber. An Mühlentagen oder zu besonderen Anlässen würden schon mal mehr als 100 Stück durch den Backofen gehen. "In einem Pfannel zubereitet, dauert das für den einzelnen Getzen schon mal locker eine Stunde", so Gunter Braun. Gerade für diese Speise würden Ausflugshungrige aus Chemnitz und Dresden, ja selbst aus Berlin ins Erzgebirge ausrücken.

Der Fachmann gibt interessierten Hobbyköchen gern Getzenkunde. "Man benötigt je nach Personenanzahl als Zutaten mittelgroße Kartoffeln, Buttermilch, Kümmel und Salz, Speck sowie Dörnthaler Leinöl." Die rohen geschälten Kartoffeln gelte es fein zu reiben, das austretende Wasser etwas abzugießen. "Die Stärke heißt es auffangen und an die Getzenmasse zurückgeben. Soviel Buttermilch dazugeben, bis eine dicke aber noch flüssige Kartoffelmasse entsteht, nach Geschmack Kümmel und Salz zugeben und gut verrühren." In einer Getzenpfanne, eisern oder auch beschichtet, nun grob geschnitten Speck auslassen, Leinöl zugeben und ebenfalls erhitzen. Den Getzenteig zirka 1,5 Zentimeter stark in die Pfanne geben und bei etwa 180 grad Celsius im vorgeheizten Backofen goldgelb rund 1,5 Stunden backen. "Unser Geheimnis liegt im Holz befeuerten Backofen. Unser Pfanneln stellen wir in die Brennstelle, dabei wird Holz verwendet, welches nicht harzen darf", so Gunter Braun.

Und der weiß mit Gernot Ulbricht einen Grundstücknachbarn an seiner Seite, der genauso auf heimische Rezepte schwört und mit dem Gastwirt darüber fachsimpelt. Als gestandener Landwirt bereitet der 66-Jährige in der heimischen Küche die Speisen der Region zu, wie er sich genauso die Braunschen Rezepturen in der Mühlengaststätte schmecken lässt. Und da gehören Britscheln auf den Speiseplan. "Ein Kartoffelessen der einfachen Leute. Es ernährte die Menschen in kargen Zeiten", erzählt Gernot Ulbricht. "Die am Vortag gekochten, meist übrig gebliebenen Pellkartoffeln, aus festkochenden Ardäppln zubereitet, werden geschält und in dünne Scheiben geschnitten." Man erhitze dann eine Pfanne, gebe Fett und die Kartoffeln hinein. "Dazu kommen nach Belieben Salz, Pfeffer und Kümmel, auch Majoran und gehackte Zwiebeln nach eigenem Geschmack dazu." Zudem gehöre für ihn auch Speck dazu. "Die Kartoffeln werden auf beiden Scheibenseiten cross gebraten, dann serviert. Dazu munden saure Gurken, die als geschmacklichen Gegensatz den Gaumen reizen." Klar, dass vor Ort Dörnthaler Leinöl verwendet werde.

Ein Hochgenuss sei es gewesen, seinerzeit auch über etwas Butter zu verfügen. "Die war in meiner Kindheit so wertvoll, dass man nach dem Krieg bis in die 1950er Jahre durchaus Maurer zu Arbeiten auf dem Lande locken konnte. Lebensmittel waren geschätzter Lohn."


Teilnahmebedingungen

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1Kommentare
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  • 2
    0
    ralf66
    09.08.2018

    Ich bin wirklich mit alten Leuten groß geworden, Großvater Baujahr 1906, Großmutter Baujahr 1908, alles gebürtige Erzgebirgler, denen über den Tag kein hochdeutsches Wort über die Lippen kam, vor 40 Jahren zum Beispiel, wurden noch erzgebirgische Wörter gesprochen, die man heute fast nicht mehr hört, ich kannte viel alte Stammtischler, war gerne am Stammtisch und hörte die Geschichten der Alten, ich komme aus dem oberen Erzgebirge wohne an der tschechischen Grenze im Gebiet um Bärenstein, aber entweder ich hab's überhört, dass Wort Britscheln für Bratkartoffeln habe ich noch nie gehört, Bratkartoffel hießen immer ''Brotardäppiln un net annorsch!"



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