Ehemaliger Flüchtling baut Brücken

Emran Maksuti kam vor 18 Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland und darf als Beispiel gelungener Integration gelten. Als Integrationshelfer schlüpft er jetzt in die Vermittlerrolle. Dabei war sein Weg nicht immer einfach.

Aue/Schneeberg.

Manchmal ist er Lehrer. Oder Vaterfigur. Oder er fühlt wie eine Mutter mit seinem Gegenüber mit. Emran Maksuti weiß, wie es ist, auf der Flucht zu sein - und als Flüchtling in einem fremden Land zu leben. Vor 18 Jahren kam der im Kosovo geborene junge Mann nach Deutschland. Heute ist er Integrationshelfer der Diakonie Aue-Schwarzenberg. In der Auer und Neustädtler Brücke kümmert er sich um Asylsuchende und will parallel dazu bei Einheimischen Vorurteile ausräumen.

Emran ist ein Paradebeispiel gelungener Integration. Er spricht fließend Deutsch, teils Mundart und versteht die Bedeutung oder Mehrfachbedeutung jedes Wortes genau. Er begegnet Menschen offenherzig und freundlich. Emran war von Kindesbeinen an strebsam, richtig ehrgeizig. "Die Sprache ist der Schlüssel zu allem", so der 28-Jährige. "Das sage ich auch allen, die hier ankommen", berichtet der Rap-Musiker. Er hat hart um das Erreichte gekämpft. "Es hätte schief gehen können." Zum Beispiel in der Zeit, als er mit falschen Freunden abhing.

Nach der Flucht lebte die fünfköpfige Familie - Emran ist das älteste von drei Kindern - sechs Jahre lang im früheren Asylbewerberheim nahe des Filzteichs. Schneeberg beschreibt Emran im subjektiven Rückblick als "Ort mit Menschen, die Fremde nicht willkommen heißen". Er fühlte sich unwohl.

2006 zog die Familie in eine Wohnung am Griesbacher Hang. 2008 machte der Junge den Realschulabschluss. "Bis in die Nacht paukte mein Vater mit mir und weckte uns auch Mitternacht, wenn die Hausaufgaben nicht erledigt waren."

Dennoch sei er als Jugendlicher fast in die Kriminalität abgerutscht. "Ich fühlte mich ausgegrenzt, war frustriert und hatte die falschen Freunde." Doch irgendwann habe er sich gefragt: Was würde Jesus tun? "Wir sind Christen. Mich hat das vor großen Fehlern bewahrt."

Fortan arbeitete Emran im Kreisjugendring ehrenamtlich mit und gründete eine erfolgreiche Rap-Band. 2010 begann er in Schneeberg ein Lehre zum Bäcker und war zwei Jahre lang Geselle in dem Betrieb, ehe er 2015 beruflich umschwenkte: auf Erzieher. Jetzt arbeitet er als Integrationshelfer und hat fast täglich mit Geschichten zu tun, die seinem eigenen Lebenslauf ähneln. "Ich helfe, wo ich kann."

Und er will vermitteln. Die jüngsten Geschehnisse in Chemnitz betrüben Emran sehr. "Gerüchte und Lügen haben einige Gruppen genutzt, um Ängste und Unsicherheiten zu schüren und die Masse zu mobilisieren." Dabei sei es viel wichtiger, friedlich aufeinander zuzugehen. "Die Mentalität der Deutschen ist ganz anders als die von Südländern. Denen rate ich, sich runterzufahren und nicht so aufbrausend zu sein, wie es vielleicht in ihrer Heimat üblich ist."

Umgedreht sei es wichtig, dass die Deutschen den Fremden eine Chance geben. "Wenn du hier ankommst, ist alles ungewohnt, streng geregelt und eben ganz anders als daheim." Missverständnisse, gepaart mit Sprachbarrieren und Unwissenheit, schaukeln sich dann derart hoch, dass keine Brücken möglich scheinen. "Dagegen müssen wir etwas tun, uns kennen lernen und auf Augenhöhe agieren."

Wege dahin seien regelmäßige Treffen, gemeinsame Freizeit oder Sport. Schwarze Schafe, das sei ihm klar, gibt es immer. "Aber grundsätzlich ist ein Miteinander drin." Das habe er schließlich selbst erlebt. "Meine Chance habe ich genutzt", sagt der Ehemann, dessen Liebesgeschichte eine Geschichte für sich ist. So wohnte seine heutige Frau als Kind im Kosovo im Nachbarhaus. "Über soziale Netzwerke fanden wir uns wieder. Da war sie in Frankreich." Das Paar lebt heute im selben Block wie Emrans Familie. Kinder wollen beide, aber jetzt noch nicht. "Erst mal will ich etwas leisten, uns etwas schaffen", sagt Emran, lacht und fügt hinzu: "Typisch deutsch eben." In den Kosovo gehe er nicht zurück. "Ich bin hier zuhause."

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