Spielwarenmesse: Warum Erzgebirger zweigleisig planen

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Die Absage der Präsenz-Messe in Nürnberg hat Spielwarenprofis nicht überrascht. Den wichtigen Kontakt zu ihren Kunden halten sie online.

Erzgebirge/Nürnberg.

1500 Aussteller hatten sich für die Spielwarenmesse in Nürnberg angemeldet. Nun ist die Präsenz-Messe - sie gilt unter den Spielwarenprofis weltweit als Leitmesse Nummer 1 - doch noch abgesagt worden. Zu den Herstellern, die Anfang Februar nach einem Jahr Zwangspause in Nürnberg wieder ihre Produkte zeigen wollten, gehören auch sieben Unternehmen aus dem Erzgebirgskreis.

Auf der Ausstellerliste fehlten bereits zum Jahreswechsel die großen Namen wie Spielwarenhersteller Hasbro: Die Hallen, in denen sich 2020 noch knapp 2900 Aussteller aus 70 Ländern präsentierten, wären leerer gewesen - kein Verhältnis zu den Kosten. Das sagt Bettina Nestler von Nestler Feinkartonagen. Sie ist verantwortlich für Entwicklung und Marketing. Das Ehrenfriedersdorfer Familienunternehmen hat mit den Papp-Ostereiern, deren Produktion derzeit auf Hochtouren läuft, ein Alleinstellungsmerkmal aufzuweisen.

Man habe damit gerechnet, dass die Messe abgesagt wird. "Warum nicht schon früher, ist mir unverständlich. Denn es wäre unverantwortlich gewesen", sagt Bettina Nestler. Den Kontakt zu den Kunden halten die Ehrenfriedersdorfer online. Das funktioniere ganz gut. Das Unternehmen werde nicht viel weniger als in den Vorjahren produzieren, als gut 1 Million Papp-Eier die Fabrik verließen. Bettina Nestler: "Was wir aber vermissen, ist der Austausch untereinander. Die Produktentwicklung stagniert." Die Nürnberger Messe sei die geeignete Plattform, um nach Trends bei Themen und Farben zu suchen, beispielsweise für die Zuckertüten. Deren Produktion werde demnächst anlaufen. Und die Ehrenfriedersdorfer müssen sich in dieser Saison erneut ausschließlich auf ihre Ideen und Erfahrungen verlassen.

Die Spielwarenmesse in Präsenz wäre in diesem Jahr vermutlich keine Option für Ralf Viehweg, den Gründer und Geschäftsführer der Spika GmbH in Annaberg-Buchholz, gewesen. Die digitale Variante will er aber wahrnehmen, wie er berichtet: "Besser digital als gar nicht." Dabei setzt er vor allem auf seine Kartenspiele, die sehr gut laufen. Aber auch die Repliken alter DDR-Spielklassiker und sein erstes selbst entwickeltes Spiel "Die Olsenbande" will er weiter bekannt machen. Letzteres soll in diesem Jahr auch auf Dänisch erscheinen.

Auf digital und die sozialen Medien setzt ebenso Markus Hillig, einer der zwei Geschäftsführer der Marienberger Firma Auhagen. Weil man auch dort mit der kurzfristigen Messe-Absage rechnete, planten die Spezialisten für Modellbahnzubehör zweigleisig. Das heißt: "Wir haben unsere Werbemaßnahmen umgestellt und werden beispielsweise am 30. Januar, das wäre der erste Messetag, in einem Film unsere Neuheiten vorstellen. Die Modellbauer können sich auf Neues in den drei Nenngrößen H0, TT und N freuen sowie auch auf neue Fahrzeugmodelle."

Zu sehen sein wird der Film, der fast fertig ist, auf dem Kanal von Auhagen auf der Videoplattform Youtube. Diese nutzen die Erzgebirger seit vergangenem Jahr mit steigendem Erfolg: Bewährt hätten sich dort die Modellbautipps. (mit aed)

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