Zahnarzt übergibt Praxis an syrischen Kollegen

Wenn ein Mediziner in den Ruhestand geht, bangen die Patienten oftmals darum, ob es eine Nachfolge gibt. Im Falle von Dr. Matthias Mehner muss man da keine Sorge haben. Dass der Thumer Zahnarzt nach 42 Berufsjahren noch nicht komplett aufhört, hat auch mit den Plänen von Tarek Ashi zu tun.

THUM.

Einmal müsse Schluss sein, sagt Zahnarzt Dr. Matthias Mehner. Im Mai 1981 kam er in die damals staatliche Zahnarztpraxis nach Thum, sechs Jahre lang war er deren Leiter. Im März 1991 gründete er seine eigene Praxis. Seitdem sind 28 Jahre vergangen. Und es ist kein Aprilscherz: Ab 1. April geht seine Praxis in den Besitz von Tarek Ashi über. "Mit dem gesamten Personal, dieses soziale Anliegen war mir sehr wichtig", unterstreicht Matthias Mehner. Tarek Ashi ist seit August 2016 in der Praxis tätig. Er kommt aus Damaskus, wurde 1989 dort geboren und absolvierte in der syrischen Hauptstadt von 2007 bis 2012 ein Studium der Zahnheilkunde, das er mit dem Staatsexamen abschloss. "Meine Approbation, die Zulassung als Zahnarzt in Deutschland, im November 2015 war so etwas wie eine Schicksalsstunde für mich", berichtet der Syrer. Dabei unterstreicht er, dass es nicht alltäglich ist, dass ein Arzt aus Syrien eine Praxis in hiesigen Gefilden und somit viel Verantwortung übernimmt.

Für diesen Schritt nennt Tarek Ashi gleich mehrere Gründe. Während der mehr als zwei Jahre in Thum hat er gute Erfahrungen mit dem Praxisteam und den Patienten gemacht. Ganz wichtig für ihn sei der Aufbau guter menschlicher Beziehungen. Er und seine Ehefrau, die bei Mogatec Arbeit gefunden hat, sind mit dem Alltag hier sehr zufrieden. "Wir haben uns richtig gut eingelebt, sind integriert", so der Christ.

Dabei verweist er unter anderem auch auf sein Tennishobby, das er im Tennisverein "Am Greifenstein" ausleben kann. "Und wir mögen das traditionelle Essen hier", berichtet Tarek Ashi. "Wir wollen Frieden und ein stabiles Leben in einer schönen Atmosphäre. Und das ist in der Region gegeben", so Ashi. Dabei dankt er vor allem Dr. Mehner und allen Leuten, die ihn auf irgendeine Weise unterstützt haben.

Beruflich besitzt für den Arzt künftig die Digitalisierung und Modernisierung der Praxis Priorität. Bis November nächsten Jahres absolviert der Wahl-Thumer noch ein Masterstudium in Sachen Parodontologie und Implantattherapie in Dresden.

Vor allem wegen dieser Spezialisierung lehnt sich Matthias Mehner zumindest noch nicht ganz zurück. Der 69-Jährige wird vorerst noch zehn Stunden in der Woche als Angestellter in der Praxis tätig sein.

Und überhaupt, ganz so schnell loslassen kann er ohnehin nicht. "Der Beruf war mein Leben, ich war fast nie krank", blickt der erfahrene Experte für Zahnmedizin zufrieden zurück. Auch wenn die Gründerjahre hart waren, wenn er sich mit seinem Team regelrecht durchbeißen und er so manchen bürokratischen Ärger durchmachen musste. "Nach wenigen Jahren waren wir aber dann in der Marktwirtschaft angekommen und sahen viele Probleme weit gelassener", erinnert sich Matthias Mehner. Er spricht über das große Vertrauensverhältnis zu seinen Patienten, denen er dafür einen großen Dank ausspricht und natürlich über sein zuverlässiges, eingespieltes Praxisteam. "Ich wünsche meinem Nachfolger ein ebenso gutes Patientenverhältnis, das nahtlos übergeht. Ich habe ein gutes Gefühl dabei", so Matthias Mehner. 1981 war das Ärzte-Ehepaar Mehner von Marienberg nach Thum gekommen. Und nun freut er sich natürlich auf sein Rentnerdasein, welches ob seines Alters eigentlich schon längst überfällig ist. Aber was heißt Rentnerdasein. Die Langeweile wird ihn dabei sicher nie drücken. "Ich kann mich dann mehr um Haus und Hof kümmern, fahre gerne Fahrrad und wir haben einen Hund", so der vitale 69-Jährige. Nicht zuletzt ist Matthias Mehner auch weiterhin kirchlich sehr engagiert.

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