Zeitgeist hebt "kabsch" aufs Podest

Im Erzhammer ist gestern das Geheimnis um das Erzgebirgische Wort 2018 gelüftet worden. Der Zuspruch war riesig: Ein Saal reichte nicht aus. Das Publikum erlebte Mundart vom Feinsten - und auch einiges an Überraschungen.

Annaberg-Buchholz.

Das Erzgebirgische Wort 2018 passte eigentlich gar nicht zur Stimmung bei der gestrigen Festveranstaltung: Denn auch die zweite Auflage des Wettbewerbs von Erzgebirgsverein und "Freie Presse" war ganz nach Publikumsgeschmack. Die Stimmung: grandios. Das Publikum: in Mitmachlaune. Denn ehe das Geheimnis ums Siegerwort rund ums "Assen un Trinken" gelüftet wurde, wurde musiziert, geredet, (mit)gesungen - natürlich in Erzgebirgisch.

Feinsten erzgebirgischen Ohrenschmaus tischten neben der Carlsfelder Bandonion-Gruppe unter anderem auch die Gruppe Berggeschrey mit Zitherspieler Thomas Baldauf aus Oberwiesenthal sowie die Pascher aus Marienberg auf. Und die Mundartsprecher Regina Seifert, Carmen Krüger und Roby Schubert hielten das Publikum mit flotten Dialogen, Schnurren und Einlagen bei Laune und vor allem in Spannung.


Als dann nach gut zwei Stunden die Entscheidung über das Erzgebirgische Wort 2018 verkündet wurde, zollte das Publikum Riesenbeifall. Eine Jury aus Erzgebirgskennern hatte vorab unter den über 200 zugesandten Mundart-Wörtern zehn Finalisten ausgewählt. Das Wort "kabsch" hatte aber, so Cheforganisatorin Carmen Krüger zu "Freie Presse", nur knapp die Nase vorn. "Bebemm" und "zutschen" seien nur ganz knapp abgehängt worden. Im hiesigen Zungenschlag bezeichnet "kabsch" die Mäkeligkeit mancher Zeitgenossen, denen irgendetwas nicht schmeckt. "Dass ausgerechnet dieses Wort den Zuschlag erhielt, ist wohl dem Zeitgeist geschuldet", machte sich Mundart-Künstlerin Petra Bartella ihren Reim drauf.

Unter den Besuchern waren auch dieses Jahr wieder von weit angereiste Gäste, so etwa aus Dresden Olaf Kische, Redaktionsleiter des MDR-Sachsen-Spiegels. Sein Fazit: "Die Vertrautheit der Leute hier ist einfach schön, das Programm toll." Ein Wermutstropfen hatte die Feier denn doch. Eigentlich wollte Peter Ufer, Dresdner Autor, Dramaturg des Tom Pauls Theaters Pirna und Erfinder des "Sächsischen Wortes des Jahres", dabei sein. Er hatte von der Wortkür im Erzgebirge Wind bekommen, findet die Idee "großartig", was da "für den kleinen Sprach-Bruder" des Sächsischen gemacht wird. Leider musste er gestern für erkrankte Kollegen einspringen. "Freie Presse" hat ihn aber noch an die Strippe für ein ganz besonderes Interview (siehe unten) bekommen.


Ein Gedicht für zehn Favoriten

Seit dem Sommer ist Deutsch-, Musik- und Religionslehrerin Petra Bartella (Foto) zwar beruflich in Rente, nicht aber hobbymäßig. Die 65-jährige Zschorlauerin, bekannt als Chefin vom Erzgebirgszweigverein ihres Ortes, der Mundart-Gruppe Heimatspiegel sowie als Autorin von mittlerweile drei Büchlein voller Geschichten, Gedichte und Weisheiten in Mundart, überraschte gestern die Gästeschar mit einem besonderen Gedicht. "Da habe ich alle zehn Favoriten des diesjährigen Wettbewerbes reingepackt", sagte sie. Auf die Idee war sie im Gespräch mit Carmen Krüger gekommen Das Publikum jedenfalls quittierte es mit stürmischem Beifall! alu

Rund üms Assen

Wenn`s bei de Leit üm`s Assen gieht, do zeign sich de Geschmäcker

Daar aane liebt `ne Frieslichbemm un findt `ne Beebemm lecker.

Dor annere mog suwos net, daar braucht enn` Runksen Brot,

isst doderzu sei Schwammebrieh oder hot mit enn` Ratsch schu sot.

Gewiegtskließle mog mancher aah, enn`Griehbittern drzu.

E annrer zutscht sei Tippel Millich in aller Seelen Ruh.

Doch sei dohier aah manche kaabsch, danne is fei net viel racht.

Die nergeln an geden Assen rüm un machen allis schlacht:

Ze haaß, ze kalt, ze scharf, ze fett. Dos schmeckt mr net, dos aß ich net.

Dos Wort hobt ihr gewählt, ihr Leit.

K a a b s c h. Emende aah Zaachn dr Zeit.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    ralf66
    05.11.2018

    Bi ich annerer Mahning, >Kaabsch< is doch nähr sächsisch, bei uns im ebern Arzgebirg haaßts >kaabisch



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