Zum 120. Geburtstag krähen die Hähne

Einst mussten die Bärensteiner Rassegeflügelzüchter über Zinnwald reisen, wenn sie ihre Freunde in Weipert besuchen wollten und umgekehrt. Am Samstag ist die Zusammenkunft deutlich einfacher.

Bärenstein.

Henning Schmiedel ist der Jüngste in der Gilde der Rassegeflügelzüchter von Bärenstein. Der Zwölfjährige versorgt zu Hause einige Zwerg-Barnevelder Hühner und derzeit 15 Küken. "Man hat immer was zu tun", erzählt der Junge und lächelt. Früh aufstehen gehöre dazu. Doch der Einsatz hat sich zumindest für ihn in diesem Jahr schon mal gelohnt. Denn zum letzten Hähnewettkrähen im Mai in Weipert belegte Henning mit einem seiner Zwerg-Barnevelder den 3. Platz. Darauf ist Henning stolz. Natürlich wird er auch zum Hähnewettkrähen am Sonnabend im Waldstadion Bärenstein dabei sein, genauso wie die tschechischen Zuchtfreunde.

Ab 10 Uhr werden sich dort mindestens 20 Hähne begegnen und zum Wettkampf antreten. Jedes Krähen wird akribisch registriert. Es gewinnt das Tier, das in 30 bis 60 Minuten die meisten qualitativ sicheren Töne von sich gibt. "Das Ganze ist eher eine Gaudi und findet anlässlich unseres 120-jährigen Vereinsjubiläums in diesem Jahr statt", sagt Steffen Lorenz.


Der Vorsitzende im Verein der Bärensteiner Rassegeflügelzüchter weiß auch, dass es 1955 den ersten Vergleich dieser Art gab. Aber die Vereinsarbeit ist mehr. Als sich die Bärensteiner im Jahr 1899 zusammengeschlossen haben, um gemeinsam Zuchtarbeit zu betreiben, gab es klare Regeln. Als Vereinslokal wurde die jetzige Schmiede und Autowerkstatt Ohly in Oberbärenstein festgelegt.

Man einigte sich außerdem darauf, dass es zwei Monatsversammlungen geben sollte. Der Beginn sollte 20 Uhr sein. Punkt 21 Uhr nahmen sich die Männer der Gründungsjahre vor, die Tagesordnung anzugehen. Es galt ein monatlicher Mitgliedsbeitrag von einer Mark. Ein Schreiben von 1945 belegt, dass die Bärensteiner Zuchtfreunde den Befehlshaber der russischen Kommandantur ausdrücklich baten, den Verein neu gründen zu dürfen. Das wurde dann auch gestattet. In den 1960er- bis 1980er-Jahren mussten die Bärensteiner außerdem auf ihre bisher guten Kontakte zu den Weiperter Geflügelzüchtern fast gänzlich verzichten. Von einer Begegnung 1965 wird berichtet, dass die Tierfreunde ihre Weiperter Nachbarn über den Grenzübergang Zinnwald erstmals wieder besuchten. Irgendwie fanden immer wieder sogar zuchtfähige Tiere den Weg über die Grenze in die Nachbarländer. "Seit 30 Jahren pflegen wir wieder eine gute Freundschaft zum Weiperter Zuchtverein", sagt Steffen Lorenz. Dass die Vereinsmitglieder derzeit nur noch zwölf zählen, motiviert den Verantwortlichen aber nicht unbedingt.

Die Gründe dafür, dass es nur noch wenig Interesse für die Rassetierzucht gebe, sind nach seinen Schilderungen vielschichtig. "Dazu gehört, dass man als Züchter eine große Liebe und viel Zeit für seine Tiere haben muss", sagt Lorenz. Auch die Beziehung zu den Nachbarn muss stimmen, denn nicht jeder möchte morgens von einem Hahn geweckt werden. Außerdem haben viele junge Leute ihre Arbeitsstellen in ganz anderen Regionen und damit keine Zeit für Hühner, Tauben oder Wachteln. Dass Füchse, Habichte und Sperber in grenznahen Grundstücken zusätzlich für Frust sorgen, weil sie sich dort bedienen, bleibt ein weiteres Problem. Doch der 72-jährige Steffen Lorenz will nicht aufgeben. Sein Herz schlägt bereits seit 60 Jahren für die Vereinsarbeit und die Zuchttiere. Er wünscht sich allerdings dringend einen Nachfolger - und dass die Bärensteiner noch lange Rassegeflügel züchten.

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