Zwischen Forschung, Erziehung und Sport

Der Beruf hat die Familie Stark nach Capetown in Südafrika verschlagen. Dort bestreitet das Ehepaar aus dem Erzgebirge ein außergewöhnliches Radrennen. Drei Kinder sind kein Hindernis.

Wiesenbad/Brünlos.

Am morgigen Sonntag startet das Cape Epic. Dieses als "Tour de France der Mountainbiker" bekannte Etappenrennen führt bis zum 24. März über 624 Kilometer und 16.650 Höhenmeter. Mit dabei im südafrikanischen Kapstadt: das Ehepaar Laura und Sebastian Stark, das als Team TBR-Werner in der Mixed-Kategorie antritt. Während es für Laura die Premiere beim Cape Epic ist, hat Sebastian Stark bereits zweimal teilgenommen. Zuletzt hat er 2016 gemeinsam mit dem Crottendorfer Felix Fritzsch einen 17. Gesamtrang in der Elite-Kategorie der Männer verbucht. 600 Zweierteams hatten damals die Tortur in Angriff genommen.

Hinter den aus Brünlos beziehungsweise Wiesenbad stammenden Erzgebirgern liegen Monate der intensiven Vorbereitung auf den Wettkampf. "Für mich gestaltete sie sich in diesem Jahr deutlich einfacher, da wir bereits seit Anfang Oktober hier sind", so Sebastian Stark. Aufgrund eines Forschungsaufenthaltes an der Universität Kapstadt wohnt er mit seiner Frau Laura sowie den Kindern Paul (5), Emil (3) und Klara (9 Monate) unweit des Tafelberges. Dort wird am Sonntag der Prolog über 21 Kilometer ausgetragen. "Es ist schon etwas Besonderes, ins größte Etappenrennen der Welt quasi auf der Heimrunde zu starten", meint Laura Stark. Und ihr Gatte ergänzt: "Der Start erfolgt nur einige hundert Meter von meinem Arbeitsplatz an der Uni und zwei Kilometer von unserer Haustür entfernt. Deshalb kennen wir die Strecke in- und auswendig."


Nicht aber jene sieben Etappen, die dann noch folgen. Jeweils um die 100 Kilometer sind täglich auf Schotterpisten und technisch anspruchsvollen Trails zu absolvieren. "Wir sind froh, dass uns eine Reihe von zumeist im Erzgebirge ansässigen Unternehmen unterstützt. Wie bereits bei meinen ersten beiden Teilnahmen sind wir während der Sponsorensuche auf viele offene Ohren gestoßen, wofür wir sehr dankbar sind", sagt Sebastian Stark.

Er und seine Frau sind ehrgeizig, haben schon viele Rennen bestritten, oft auch einzeln. "Unsere Erwartungen sind zuletzt durch einen hartnäckigen Infekt etwas gedämpft worden. Trotzdem bleibt der Optimismus, um einen Platz unter den besten Mixed-Teams kämpfen zu können", sagt Laura Stark. "Doch die internationale Konkurrenz ist groß. Dazu kommt, dass alles sehr anspruchsvoll und vor allem unvorhersehbar ist. Jeden Tag kann etwas passieren, ein Defekt oder ein Sturz wirft einen hoffnungslos zurück oder zwingt gar zur Aufgabe. Entsprechend ist unsere Prämisse: kein unnötiges Risiko", fügt ihr Mann hinzu. Und der weiß, wovon er redet. Denn 2016 überstand er einen katastrophalen Sturz beim Malevil-Cup. "... ich war auf der falschen Streckenseite, dort fehlte ein Stück Straße. Ich konnte nicht mehr reagieren, das Vorderrad sackte weg. Ich schlug kerzengerade Kopf voran auf einen Felsen. Es knackte ...", postete er damals in die Welt. Bergung aus unwegsamem Gelände, per Rettungshelikopter nach Liberec ins Krankenhaus. Diagnose: ein gebrochener Hals- und vier gebrochene Brustwirbel, Lungenquetschung ... Ein paar Tage später folgte die Verlegung nach Leipzig ins Uniklinikum. Neubewertung: sieben Brustwirbel betroffen, Halswirbel kein Problem. "Ohne Helm, den es vollständig zerlegt hatte, wäre ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht wieder aufgestanden", sagt der 31-Jährige. Ein Jahr später stand er wieder am Start des Malevil-Cups.

In der Krankheitszeit war immerhin Gelegenheit, die Doktorarbeit in Dresden zu vollenden. Inhaltlich beschäftigt sich der Wissenschaftler mit der Simulation von Festkörperbatterien, die für Elektroautos gebraucht werden könnten. Neben der Erziehung hat sich nun auch Laura Stark vorgenommen, ihre Doktorarbeit zu beenden. "Ich schreibe daran", sagt die 27-Jährige.

Die beiden Starks können in Südafrika also Forschung, Familie und Sport verbinden. Sportlich ist es ebenfalls ein starkes Duo, schließlich gewannen sie 2013 gemeinsam als Mixed-Team die Zwölf-Stunden-Weltmeisterschaft. Ein gutes Omen? In jedem Fall sind sich beide einig: "Auch wenn es mit dem erträumten Platz auf dem Podest nicht klappt - ein einmaliges Erlebnis dürfte das Cape Epic in jedem Fall werden."

capeepic2019.blogspot.com

 

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