16 Prozent aller Haushalte unterversorgt

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Kabelfernsehnetze sind beim Breitbandausbau im Erzgebirgskreis nicht wegzudenken. Aber auch Glasfaser spielt inzwischen eine immer größere Rolle. Trotzdem dauert es noch eine Zeit, bis überall mit einer Geschwindigkeit von mindestens 30 Megabit pro Sekunde im Internet gesurft werden kann.

Aue/Schwarzenberg.

Das neue Auto hat 50 PS mehr als das alte. Zwei Wochen lang macht dieses Mehr an Leistung Spaß. Dann kommt irgendwann das Gefühl auf, es könnten eigentlich noch ein paar PS mehr sein. Beim Thema Internet ist das nicht anders. Egal, welche Geschwindigkeit anliegt, gefühlt geht es immer zu langsam. Genau das ist auch das Problem beim Breitbandausbau. Doch um welche Geschwindigkeit geht es dabei? "Breitband bedeutet im Prinzip Internet mit einer verhältnismäßig hohen Datenübertragungsrate. Eine konkrete Geschwindigkeit ist nicht festgelegt. Aktuell dreht sich dennoch alles um 30 Megabit pro Sekunde", sagt Maik Graubner. Er ist der neue Vorsitzende des Arbeitskreises Internet-Versorgung Erzgebirge.

Der Arbeitskreis, angedockt bei Landkreis sowie Industrie- und Handelskammer, besteht seit rund acht Jahren. Mitglieder sind Firmen aus der Informations- und Kommunikationsbranche. Gegründet worden ist das Gremium, um als Koordinierungsorgan eine flächendeckend leistungsfähige Breitbandversorgung zu erreichen - damals ein Schwachpunkt. So wurde die einstige Zielstellung der Bundesregierung, bis Ende 2010 alle Haushalte mit wenigstens einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu versorgen, im Erzgebirgskreis nicht geschafft.

Über diese Geschwindigkeit wird heute nur noch gelächelt. 30 Mbit/s ist der neue Richtwert, weil das die Förderschwelle des Bundes ist, so Graubner. Nur wenn diese oder eine höhere Geschwindigkeit beim Ausbau erreicht wird, fließt Fördergeld. Und tatsächlich verfügen im Erzgebirgskreis inzwischen etwa 84 Prozent der Haushalte über Anschlüssen mit mindestens 30 MBit/s, sagt Holger Vorberg, Sachgebietsleiter Kreisentwicklung im Landratsamt. Im Vergleich sei das ein guter Wert. Alles darunter gilt heute als unterversorgt, weiß Graubner. So gebe es Berechnungen, die besagen, dass ein vierköpfiger Haushalt mindestens eine Geschwindigkeit von 32 Mbit/s benötige. Das liegt etwa daran, dass über das Internet nicht mehr nur allein gesurft, sondern auch telefoniert wird. Pro Gespräch ist allein eine Bandbreite zwischen sechs und acht Mbit/s erforderlich.

Dass aktuell 84 Prozent der Haushalte die 30 Mbit/s nutzen können, ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass in der hiesigen Region ein sehr großer Teil der Haushalte über einen Anschluss an ein Kabelfernsehnetz verfügt. Vor zehn Jahren waren das um die 90 Prozent. Kein anderer Kreis in Sachsen kam damals auf einen so hohen Wert. Da setzte der Ausbau mit schnellem Internet an. Durch die vielen Gemeinschaftsantennenanlagen war die Infrastruktur - das Koaxialkabel - nahezu flächendeckend verlegt. Darüber wurde vielerorts Internet eingespeist. Noch immer stützt sich die Bestandsversorgung oft auf Kabelfernsehanlagen, so Vorberg. Das passiert zum Beispiel in Marienberg in 94 Prozent der Haushalte, in Zschopau in 97 Prozent, in Annaberg-Buchholz in 97 Prozent, in Stollberg in 80 Prozent und in Aue in 75 Prozent. Jedoch sind viele der Gebiete nun zusätzlich über die DSL-Technologie erschlossen. Das bedeutet Breitband-Internet über bestehende Telefonleitungen aus Kupfer.

Inzwischen sei seit ein paar Jahren aber spürbar, dass die Ertüchtigung von Kabelanlagen mit schnellem Internet zurückgegangen ist. Das liege an der mehrfach veränderten Förderlandschaft. Diese sorge dafür, dass der Glasfaserausbau mehr und mehr voranschreitet, was nochmals wesentlich schnellere Internetzugänge bedeutet. Sind mit herkömmlichem Koaxialkabel durchschnittlich Bandbreiten von bis zu 200 Mbit/s möglich, spricht man bei Glasfaser von mehreren Gigabit. "Im Kreis verfügen schon 22 Prozent der Haushalte über Gigabitanschlüsse, also mindestens 1000 Mbit/s", erklärt Vorberg.

Ungeachtet dieser Ergebnisse gelte das Augenmerk aktuell circa 7000 fast über den gesamten Kreis verteilten Adresspunkten. Dabei handele es sich um die als weiße Flecken bezeichneten unterversorgte Bereiche. Sie sind in einem Projekt zusammengefasst. "Das Projektgebiet wurde in sechs Cluster aufgeteilt. Für alle liegen vorläufige Förderbescheide von Bund und Land vor", so Vorberg. Das durch den Landkreis beauftragte Planungsbüro erstelle derzeit die Unterlagen für die erste Ausschreibungsstufe. Ziel ist es, dieses Jahr die Vergabe aller sechs Cluster des kreisweiten Projektes hinzubekommen. "Nach Abschluss sollten keine unter 30 Mbit/s versorgten Gebiete im Kreis mehr bestehen", betont Vorberg. Die Fertigstellung wird bis Ende 2023 angestrebt. Aufgrund erforderlicher Straßensperrungen könne es aber auch länger dauern.

Um die normalerweise unrentablen Gebiete zu erschließen, stellt der Bund hohe Fördersummen bereit, sagt Graubner, der bei den Stadtwerken Annaberg als Fachbereichsleiter Datennetze tätig ist. Noch sei es dabei so, dass mehr Fördermittel bereitstehen, als tatsächlich abgerufen werden. Wie nötig der Ausbau des schnellen Internets ist, wurde mit der Corona-Pandemie erst so richtig deutlich. Homeoffice und Homeschooling lassen die Drähte glühen, wo das denn möglich ist.

22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    gelöschter Nutzer
    05.02.2021

    Wie oft wird der Artikel eigentlich noch recycelt? Letzte Woche mehrere Male als "neu" erschienen auf der Website.

  • 0
    0
    A80
    05.02.2021

    Wir haben schon Glasfaserkabel Mega Internet. Top