200-Jährige geht stets mit der Zeit

Die Klöppelschule in Schwarzenberg ist 1819 gegründet worden. Daran erinnern eine Broschüre und seit Sonnabend eine Ausstellung.

Schwarzenberg.

Vom Broterwerb zum Freizeitvergnügen: Das Klöppeln unterlag und unterliegt einem ständigen Wandel. Auch in Schwarzenberg. Vor 200 Jahren hat die Handarbeitstechnik in Schulform Einzug in die Stadt gehalten. Daran erinnert jetzt eine liebevoll gestal- tete Broschüre und seit Samstag eine Ausstellung in den Räumen der Volkskunstschule des Erzgebirgskreises auf Schloss Schwarzenberg.

1906 betrug das Jahresgehalt einer Klöppellehrerin 336 Mark bei freier Wohnung, Heizung und Beleuchtung. Als Schulgeld waren zehn Pfennige pro Woche fällig. Auch 1924 noch klöppelten die Schüler teils für Verleger Musterbriefe aus und verdienten maximal 14 Pfennige pro Stunde, wobei der Durchschnittslohn bei zehn Pfennigen lag. Fakten wie diese, manche Anekdote und einiges mehr hält die Broschüre zu 200 Jahren Klöppelschule Schwarzenberg bereit.


Gegründet am 9. März 1819 hatte sie viele Standorte und hielt sich bis heute, nun unterm Dach des Erzgebirgskreises. "Dass Altlandrat Karl Matko in der unruhigen Zeit gleich nach der Wende am Klöppeln festhielt, war ein großes Glück", sagt Simone Georgi, Leiterin der Volkskunstschule. Aus rein fachlicher Sicht nennt sie Karla Herberger als wichtige Figur unter den Klöppellehrerinnen. "Sie hat schon in den 1970ern richtig moderne Sachen geklöppelt", so Georgi. Das sei der Weg in und für die Zukunft. Gegenwärtig ist die Handarbeit eben kein Muss mehr wie früher als Zuverdienst im einst bergbaugeprägten und ärmlichen Erzgebirge, sondern eine Art Luxus. "Man gönnt sich das, nimmt sich speziell Zeit dafür."

So erfahre die Schule einen Zuspruch wie lange nicht mehr. Dreimal pro Jahr gibt es in Schwarzenberg Spezialkurse, zweimal pro Jahr laden Kreativurlaube zum Klöppeln ein. Ferien-Schnupperkurse und Jugendkunstsymposium sind der Renner unterm Nachwuchs, der das Spiel mit den feinen Fäden an elf Standorten lernt, etwa in Gablenz, Bermsgrün, Zschorlau, Zwönitz und Johanngeorgenstadt. Drei feste und bis zu vier Honorarkräfte stellen den Unterricht sicher. "Auch wir lernen nie aus, gehen mit der Zeit."

Die Wandelbarkeit zeigt ebenso der Blick in die Broschüre mit vielen Fotos und Abbildungen. Die begleitende Schau bereichert die Räume der Klöppelschule im Schloss. "Der Platz ist begrenzt, aber wir haben das Beste daraus gemacht", so Georgi. Auch wertvolle Leihgaben aus privater Hand sind bis November zu sehen. Und was ist maßgeblich fürs Klöppeln? "Geduld", sagt Georgi ohne Zögern. "Es ist nicht an einem Tag gemacht." Umso stolzer sei man in einer schnelllebigen Zeit auf die vielen jungen Leute in den Kursen. Die Jugend zu begeistern, sei wichtig - auch für die nächsten 200 Jahre.

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