40 Jahre Leben am Fluss staut Wissen an

Ernst Vögtel sagt: "Es ist wie früher, keiner hört auf uns." Er lebt Jahrzehnte am Schwarzwasser und hat alles dokumentiert.

Schwarzenberg.

Sein Haus steht unmittelbar am Schwarzwasser, und dennoch kämpft Ernst Vögtel aus Schwarzenberg keineswegs nur für sich und sein Grundstück. Es treibt ihn seit Jahren um, was am Flussbett geschieht oder auch nicht. Der heute 87-Jährige macht sich ernsthaft Sorgen, schließlich hat er mehrere Hochwasser, leichte Überflutungen, Wassertiefstände sowie auch die Flut 2002 hautnah miterlebt - als Anwohner, früher als aktiver Retter in der Feuerwehrkluft und mit der Kamera in der Hand als Dokumentarist.

Doch er fühlt sich mit seinen Hinweisen und Bitten nicht ernst genommen. "Wir werden als alte Leute vielleicht nur belächelt, aber wir haben es ja erlebt", sagt der Senior. Er öffnet einen dicken Aktenordner und zeigt Fotos und etliche Anschreiben - von Schriftstücken an die Stadt über Landestalsperrenverwaltung bis zur Landesregierung.

Der Fluss, an dem er mit seiner Frau seit 40 Jahren lebt, wandelt sich. Und er sei auch kein Gegner des Wandels, er folgt sehr wohl dem Schrittmaß der Zeit. Fotografiert digital, ist über E-Mail erreichbar und zeigt mit drei Griffen auf der Fernbedienung mit einem Video, wie der Bagger einer Baufirma 1995 einen tiefen Graben im Flussbett zog, um die Entwässerungsrohre zu versenken. "Damals ging das los. Da habe ich mein Veto erhoben, weil man das gesamte Vorlager meiner Stützmauer zerstört hat", sagt Vögtel. Auf Fotos zeigt er jene Eisenträger und Querhölzer, die dem Mauerwerk vorgeblendet waren. "Das haben unsere Vorfahren doch auch nicht grundlos getan", meint er. Doch seine Warnung verhallte schon damals im Wind. Gegen die Renaturierung des Flusses ist er nicht, wenngleich er sagt: "Der Fluss hat früher gelebt" und zeigt Bilder von Forellen im glasklaren Wasser. Diese hat er noch vorm Kanalbau geschossen. "Danach wurde die Fließgeschwindigkeit höher. Jetzt sind im Fluss nur noch wenige, ganz kleine Fische", weiß er. Dafür aber zahlreiche große Steine, viel Bewuchs und ausufernd wachsendes Springkraut. Wenn sich die Äste dieser hohen Eschen quer legen und die Steine ins Rollen kommen, verstopft das schmale Durchlässe wie die alte Steinbogenbrücke am Finanzamt. Diese Befürchtung hegt nicht nur er, sondern auch andere Anwohner. Vom Vor-Ort-Termin auf Drängen der SPD-Landtagsabgeordneten Simone Lang zeigt sich Vögtel enttäuscht. "Der Mann von der Landestalsperrenverwaltung hat eine Linie, die er vertreten muss", so Vögtel. Lang hat in Dresden kleine Anfragen an die Fachreferate gestellt. Derzeit laufen die Haushaltsverhandlungen im Landtag. Sie hofft, dass Geld eingestellt wird, um beispielsweise das Wehr als Abflusshindernis zu beseitigen. Zudem habe ihr Staatsminister Schmidt einen Gesprächstermin Anfang September zu diesem Thema avisiert.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...