Ab in den Teich statt in die Wagenspur

In Johanngeorgenstadt hat die Grüne Aktion West- erzgebirge den ersten von mehreren neuen Tümpeln gegraben. Diese sollen Amphibien vor einem Fehler bewahren, der jedes Frühjahr Tausende Eier vertrocknen lässt.

Johanngeorgenstadt.

Das Hochmoor "Kleiner Kranichsee" bei Johanngeorgenstadt ist Lebensraum für viele Amphibienarten, vor allem für Grasfrösche und Erdkröten, aber auch für die seltenen Bergmolche. Der Boden ist feucht, Teiche zum Laichen aber sind rar. Deswegen nutzen die Tiere im Frühjahr häufig mit Schmelzwasser gefüllte Wagenspuren auf Waldwegen, um ihre Eier abzusetzen. "Die meisten dieser Rinnen halten das Wasser jedoch nicht lange genug, damit sich die Kaulquappen entwickeln können", sagt Jörg Richter, Vorsitzender der Grünen Aktion Westerzgebirge (GAW). "Trocknen die Spuren aus, stirbt der Amphibiennachwuchs."

Dagegen will die Grüne Aktion etwas unternehmen - nicht nur in Johanngeorgenstadt. In der Region sollen in Krötengebieten mehrere neue Laichgewässer angelegt werden, die dauerhaft Wasser führen. Der erste dieser Teiche ist jetzt in direkter Nachbarschaft des Hochmoors entstanden. Er ist 30 Quadratmeter groß und 80 Zentimeter tief. Der Freistaat Sachsen hat den Bau mit 1800 Euro unterstützt. Dietmar und Heike Hoefer, die Inhaber der Gaststätte Henneberg, die ebenfalls am Moor liegt, haben einen Teil ihres Privatgrundstücks für das Laichgewässer zur Verfügung gestellt.

"Das gesamte Gelände ringsumher gehört zum Naturschutzgebiet Kleiner Kranichsee. Dort darf man nicht einfach ein Loch ausheben. Die Genehmigung für einen neuen Teich zu bekommen, wäre nur mit großem Verwaltungsaufwand möglich gewesen", sagt Dietmar Hoefer. Deshalb haben er und seine Frau unbürokratisch geholfen. Sie sind ja auch selbst Naturfreunde. "Inzwischen wimmelt es hier schon vor Libellen", sagt Hoefer. "Im Wasser sieht man auch bereits die ersten Libellenlarven dieses Jahres." Für die Laichsaison der Kröten und Molche kam der Teich zu spät, aber Hoefer ist sicher, dass diese im Frühjahr das Angebot annehmen werden.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat Bäume am Rand des Gewässers gefällt, damit die Sonne länger auf das Wasser scheinen und dieses erwärmen kann, was wichtig für die Entwicklung der Kaulquappen ist. Sachsenforst unterstützt auch die weiteren Pläne der Grünen Aktion. Der Forstbezirk Eibenstock stellt in Johanngeorgenstadt, Oberwildenthal und Erlabrunn Flächen zur Verfügung, auf denen die Teiche angelegt werden sollen. Auch im Zinsbachtal bei Morgenröthe-Rautenkranz arbeitet die GAW mit dem Sachsenforst zusammen. Knapp 20 kleine Tümpel sollen so entstehen.

"Neben Laichgewässern wollen wir auch Steinhaufen als Sonnenplätze und Winterverstecke für Kreuzottern und Eidechsen anlegen", sagt GAW-Vorsitzender Jörg Richter. Die Arbeiten, die wiederum vom Freistaat Sachsen finanziell bezuschusst werden, sollen möglichst noch im Spätherbst erledigt werden.

In Erlabrunn wurde ein kleines Vorkommen des Feuersalamanders entdeckt. Die Tiere nutzen derzeit Gartenteiche. Da deren Bestehen nicht für immer garantiert werden kann, weil das eine Entscheidung der Parzelleneigentümer ist, wollen die Mitglieder der Grünen Aktion auch hier zwei Laichgewässer auf öffentlichem Grund anlegen und durch Steinhaufen ergänzen. Diese Arbeiten sollen im kommenden Frühjahr erledigt werden.

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