Abora IV: Erzgebirger hilft bei 3000-Meilen-Expedition

Günter Eckardt aus Schneeberg ist am Dienstag ans Schwarze Meer geflogen, wo der Forscher Dominique Görlitz sich anschickt, Geschichte zu schreiben. Eckardt soll der Mission ein Gesicht geben.

Schneeberg.

Tagelang machte sich Günter Eckardt (68) Sorgen. Wie soll er fünf Kilogramm Acrylfarbe in ein Flugzeug nach Bulgarien bringen, ohne sich verdächtig zu machen? "Wenn es bei der Kontrolle Probleme gibt, sage ich denen, dass ich Maler bin", entschied er schließlich. "Was wollen sie machen?" Ja, was? Eine 3000-Meilen-Expedition stoppen, die sich anschickt, Geschichte zu schreiben, oder vielmehr die Geschichtsschreibung zu verändern?

Eckardt ist am Dienstagmorgen ans Schwarze Meer aufgebrochen, um Dominique Görlitz (53) zu treffen, den Chemnitzer Experimentalarchäologen, der durch seine Schilfboot-Expeditionen bekannt geworden ist. Görlitz will nachweisen, dass die Seefahrer der Antike weiter gekommen sind, als die etablierte Wissenschaft es heute für möglich hält. Dass Seeleute der Steinzeit auf dem Atlantik kreuzen konnten. Dass die Phönizier in der Lage waren, Amerika zu erreichen.


Mit der Abora IV, seinem vierten nach historischem Vorbild gebauten Schilfboot, möchte Görlitz belegen, dass die Ägypter mit Hilfe ihrer primitiv erscheinenden Papyrussegler Handelsbeziehungen zu anderen Kulturen am Mittelmeer unterhalten konnten und möglicherweise sogar Kobalt, Zinn und Kupfer aus dem Erzgebirge importiert haben.

Die Abora IV ist ein 14 Meter langes Schiff aus Totora-Schilf. Es ist vier Meter breit, wiegt zwölf Tonnen und hat eine Segelfläche von 75 Qua- dratmetern. Auf dem Segel soll sich das Logo der Expedition im Wind blähen: Ein Schilfboot vor einer mesopotamischen Stufenpyramide, im Vordergrund eine große Welle. Dafür braucht Günter Eckardt die vielen Kilogramm Farbe. Der Schneeberger ist wirklich Maler, wie er es bei der Flughafenkontrolle erzählen will, aber auch Kulturwissenschaftler und Hobbyforscher. Er glaubt, dass der Bergbau im Erzgebirge nicht erst im Mittelalter begann, sondern bis in antike Zeiten zurückreicht. "Bronze wurde erfunden, weil irgendwo flüssiges Zinn und flüssiges Kupfer zufällig zusammengerieten", ist er überzeugt. "Es gibt auf der Welt aber nur zwei Lagerstätten, wo Kupfer und Zinn in ein- und demselben Bergwerk vorkamen. Die eine lag im Kaukasus, die andere in Neustädtel bei Schneeberg."

Auf einer Landkarte, die Eckardt vor Jahren an die Wand seines Hobbyraums gemalt hat, sind wichtige Handelsplätze der Bronzezeit verzeichnet: Babylon, Alexandria, Theben, Byzanz, Rom ... und eben Neu-städtel. Reine Spekulation, aber nun beschäftigt sich auch der bekannte Experimentalarchäologe Görlitz mit dieser Möglichkeit, und Eckardt ist Feuer und Flamme. Er hofft, dass er eine kurze Fahrt auf der Abora IV mitmachen kann, ehe diese irgendwann im Sommer zu ihrer 3000-Meilen-Reise durchs Schwarze Meer, die Ägäische See und übers Mittelmeer nach Alexandria aufbricht.

"Dabei wollen wir nicht so schnell wie möglich vorankommen, sondern den alten Zinn-, Bernstein- und vermutlich auch Eisenrouten so sorgfältig wie möglich folgen", sagt Dominique Görlitz.

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