Ärger mit Paketboten landet vor Gericht

Wenn die Zustellung nicht klappt, ist der Frust oft groß. In Aue soll ein Bote die Unterschrift des Empfängers gefälscht und die Sendung einfach vor die Haustür gelegt haben. Der Beschuldigte schildert den Fall anders.

Aue.

Das bestellte Paket kommt zu spät, geht verloren oder wird drei Hauseingänge weiter abgegeben: Ärger mit Paketboten kennt fast jeder. Die Verbraucherzentrale hat unter dem Stichwort "Paket-Ärger" von Februar bis Juli dieses Jahres bundesweit Beschwerden gezählt. Mehr als 5500 Fälle kamen zusammen.

Ein Fall, in dem es Ärger mit der Paket-Zustellung gab, ist jetzt auch am Auer Amtsgericht verhandelt worden. Der Zusteller soll dabei besonders dreist vorgegangen sein. Obwohl jemand zuhause war, soll der Mann aus dem Erzgebirgskreis ein bestelltes Paket in Aue einfach im Hausflur vor der Tür abgelegt und die Unterschrift des Empfängers gefälscht haben - vermutlich um Zeit zu sparen. So wirft es ihm zumindest die Staatsanwaltschaft vor.

Der Mann bestreitet das. Am Amtsgericht kam es deshalb nun zum Prozess wegen Fälschens von beweiserheblichen Daten. Die Verhandlung endete jedoch ohne Urteil - doch der Reihe nach.

Angezeigt worden war der Paketzusteller vom Empfänger. Nachdem die Sendung vor seiner Tür lag, aber niemand geklingelt hatte, fragte der Auer bei der Zustellfirma nach, wie es dazu kommen konnte. So erfuhr er, dass jemand mit seinem Namen den Empfang quittiert hatte. "Ich bin in der Beweispflicht, wenn es wegkommt. Es ist mein Name", erklärte er vor Gericht. Schon einmal sei ein Paket bei seinen Nachbarn im Haus verschwunden. Deshalb erstattete er Anzeige.

Der Zusteller widersprach den Vorwürfen. "Es gibt keinen Grund, das so zu machen", sagte er. "Wenn wir einen Kunden nicht antreffen, bringen wir das Paket zum Paketshop." Er schilderte einen anderen Ablauf: Nachdem er mehrmals bei dem Auer geklingelt habe, diesen aber nicht antraf, habe er sich an eine Nachbarin im Haus gewandt. Die soll das Paket mit Unterschrift entgegen genommen und ihn gebeten haben, das Paket gleich vor die Tür des Mannes zu legen. Laut Zusteller unterschrieb die Frau dabei wohl mit dem Namen ihres Nachbarn. "Das kommt vor", sagte er.

Eine Nachbarin, die mit falschem Namen unterschreibt? Für diese Version spricht, dass die Handschrift des Zustellers nicht mit der gefälschten Unterschrift übereinstimmt. Das zeigen Gerichtsunterlagen. Dagegen spricht, dass der Paketbote in seinem Empfangsgerät anwählte, dass die Sendung beim Originalempfänger zugestellt worden sei.

Der Angeklagte dazu: "Es ist in der Hektik passiert." Jeden Tag liefere er zwischen 130 und 150 Pakete aus. Der Staatsanwalt entgegnete: "Es gibt auch Zusteller, die stellen das Paket in der Hektik einfach vor die Tür." Die Aussage des Zustellers wertete er als "in sich unschlüssig".

Dennoch ließ sich der Staatsanwalt nach einer kurzen Verhandlungspause und einem Sechsaugengespräch mit Richter und Verteidiger auf die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldstrafe ein. 300 Euro muss der Zusteller dafür an den hiesigen Tierschutzverein zahlen.

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