AfD lässt zwei von drei Sitzen im Stadtrat unbesetzt

Politiker mit den meisten Stimmen zieht sich zurück - Ein Grund: sein Alter

Lößnitz.

Die AfD ist im neuen Lößnitzer Stadtrat künftig nur mit einem Sitz vertreten. Dabei stünden der Partei nach ihrem Stimmenanteil bei der Kommunalwahl am 26. Mai eigentlich drei Sitze zu. Jedoch waren nur zwei Kandidaten angetreten - und einer davon zieht nun zurück. Es handelt sich dabei um Wolfgang Süß. Er hatte bei der Wahl von allen Stadträten die meisten Stimmen erhalten, genau 1544.

Zweimal bat das AfD-Mitglied nun schriftlich darum, das Amt nicht ausüben zu müssen. Dem stimmte am Mittwochabend der neu gewählte Stadtrat mehrheitlich zu - aber nicht ohne Widerspruch. Es war zunächst der zweite AfD-Vertreter, Matthias Henke (parteilos), der sich bei einer kurzen Debatte kritisch äußerte. So hatte Süß unter anderem sein Alter als Grund für seine Bitte ums Ausscheiden aus dem Ehrenamt genannt. "Wie alt er ist, wusste er aber vorher", sagte Henke. Süß ist Jahrgang 1953.


Auch die erhöhte Arbeitsbelastung und die Pflegebedürftigkeit einer weit entfernt wohnenden Angehörigen, die als Gründe genannt wurden, ließ Matthias Henke nicht gelten. Die Sitzungstermine seien überschaubar und lange geplant. Die Angehörige lebe zudem in einem Pflegeheim. Auch Vertreter der CDU äußerten Bedenken. Stadtrat Kurt Günther verwies auf den Bürgerwillen: Wer sich aufstellen lasse, wolle Verantwortung übernehmen. "Da beginnt für mich die Verpflichtung. Als AfD-Wähler würde ich mir ernsthaft Gedanken machen. Ich habe dafür kein Verständnis."

Andere Stadträte erklärten, sie könnten die Gründe ja nicht prüfen. Aber Süß müsse sie seinen Wählern erklären. Für "Freie Presse" war Wolfgang Süß selbst nicht zu sprechen. Gefragt wurde in der Ratssitzung auch, was geschehe, wenn der Stadtrat Wolfgang Süß nicht von seiner Pflicht entbindet. Dann bleibe er Mitglied, hieß es, und werde gegebenenfalls mit Ordnungsgeldern bestraft, wenn er bei Sitzungen unentschuldigt fehlen sollte. Notfalls entscheidet in komplizierten Fällen auch die übergeordnete Behörde, also das Landratsamt. Das ist dieses Mal aber nicht nötig. Denn trotz der Bedenken stimmte die Mehrheit der Räte für den Antrag, mit drei Enthaltungen und einer Gegenstimme von Matthias Henke.

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