AfD legt stark zu - Neue Parteien in Räten

Die Kommunalwahl hat die Kräfteverhältnisse in vielen Gemeinden und Städten verändert. Eine Partei gewann so viele Sitze hinzu, dass sie gar nicht alle besetzen kann.

Aue/Schneeberg.

Große Freude auf der einen Seite, lange Gesichter auf der anderen - die Wahl hat im Altkreis von beidem jede Menge gebracht. Das bestätigt ein Blick auf die ersten Ergebnisse.

Überraschung in Aue-Bad Schlema: Der Stadtrat fällt in der kommenden Legislaturperiode offenbar ungewollt kleiner aus. Statt 26 wird es künftig nur noch 25 Räte geben. Der Grund: Die AfD kann einen von drei gewonnenen Plätzen nicht besetzen, denn auf der Wahlliste der Partei stehen nur zwei Namen. Das berichtet die Stadtverwaltung.


Thomas Dietz, Sprecher des AfD-Kreisverbandes Erzgebirge, erklärt dazu: "Wir haben das nicht mit Absicht gemacht." Ein Problem sei jedoch gewesen, ausreichend Kandidaten zu finden. "Einige trauen sich nicht, sich öffentlich zu engagieren", sagt er. Denn einige Bewerber hätten später mit Ausgrenzungen oder anderen Nachteilen zu kämpfen.

Neu im Stadtrat ist neben der AfD auch die Vereinigung "Wir sind Aue-Bad Schlema", die aus dem Stand zwei Sitze holt. Ihre Mitgliederzahl in dem Gremium verdoppeln konnte die rechtsextreme NPD, die statt einen künftig zwei Politiker entsendet. Die Auer Liste der Unabhängigen und die SPD müssen hingegen jeweils einen Sitz abgeben. Aldu-Fraktionschef Tobias Andrä zeigt sich über das Votum frustriert und spricht von einem enttäuschenden Ergebnis "angesichts von fünf Jahren totalem Engagement".

Stärkste Fraktion bleiben die Freien Wähler, die mit zwei getrennten Listen angetreten waren. Sie kommen zusammen auf acht Sitze, die CDU folgt mit sechs.

Zwei neue Fraktionen in Schneeberg: Der Gewinner in Schneeberg ist die Wählervereinigung Aktiv für Schneeberg. Sie erreichte aus dem Stand 21,8 Prozent und wird mit fünf Sitzen zweitstärkste Kraft hinter der CDU. Die musste am meisten Federn lassen. Sie schrumpft um vier auf acht Sitze. Eine besondere Brisanz könnte die Wahl der Ehefrau des Bürgermeisters, Cindy Seifert, in den Stadtrat haben. Während sie für "Aktiv" antrat und warb, gehört ihr Mann, den Freien Wählern/Bika an. "Hinsichtlich des Umgangs mit meiner Frau, mache ich mir keine Gedanken. Wir beide trennen strikt Privates von Beruflichem und auch Politischem. Insofern wird sie im Stadtrat genauso respektvoll behandelt, wie alle anderen Stadträte auch", so Bürgermeister Ingo Seifert. Es wird also spannend, welche Fraktionen ihn künftig unterstützten. Denn auch die AfD, die drei Plätze erreichte, aber nur zwei Kandidaten hat, ist im Stadtrat neu dabei.

Stabile Verhältnisse in Zwönitz: In der Bergstadt musste die CDU zwar einige Verluste hinnehmen, doch fast die Hälfte der Wähler schenkte der Partei ihr Vertrauen. Statt mit 16 ist sie mit 14 Abgeordneten im neuen Stadtrat vertreten. Damit kann sich Bürgermeister Wolfgang Triebert (CDU) weiter auf eine sichere Mehrheit verlassen. Denn die anderen, darunter auch die AfD, die erstmals vier Stadträte stellt, haben zusammen nur 12 Stimmen.

Machtwechsel in Schönheide: In der Wählergunst förmlich abgerutscht ist die UWG. Sie hat nicht nur die absolute Mehrheit im Gemeinderat von Schönheide verloren, sondern zugleich ihr Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2014 von 50,6 Prozent auf 28,6 Prozent fast halbiert. Ein Grund dafür dürften sicher auch die bis heute ungeklärten Fragen um den vom Dienst suspendierten Bürgermeister Kai Wilhelm (Mandat UWG) gewesen sein.

Die CDU konnte hingegen zulegen und ist jetzt mit 36,8 Prozent stärkste Kraft.

Kontinuität in Stützengrün: Mit der CDU, der FDP und der Unabhängigen Wählervereinigung gab es in Stützengrün zuletzt nur drei Fraktionen, und dabei ist es auch nach der Wahl geblieben. Die CDU ist weiter klar die stärkste Kraft, musste aber zwei Sitze an die FDP abgeben. Für deren Höhenflug sorgte vor allem der Landarzt Wilhelm Görler, der mit 75 Jahren noch mal in die Kommunalpolitik zurückkehrt und mit 557 Stimmen das beste Ergebnis aller Kandidaten eingefahren hat.

Lößnitz wird bunt: CDU und Linke mussten in Lößnitz Federn lassen, auch die SPD blieb nicht ungeschoren und ist jetzt nur noch mit einem Sitz im Stadtrat vertreten. Die AfD und die neue Wählervereinigung MHERZ schafften auf Anhieb gute Ergebnisse. Alle drei MHERZ-Kandidaten wurden gewählt. Die AfD erreichte eigentlich drei Sitze, hatte aber nur zwei Kandidaten zur Verfügung. Zusammen mit dem Förderverein Affalter ergibt sich in Lößnitz ein wirklich bunter Stadtrat.

Etablierte verlieren in Lauter-Bernsbach und Eibenstock: Deutlich Federn lassen mussten in Lauter-Bernsbach die Etablierten, allen voran die CDU und die Linke. Lauters Altbürgermeister Karl-Heinz Richter (CDU) schafft es deshalb nicht mehr in den neuen Stadtrat. Auch in Eibenstock haben die CDU und die SPD deutlich an Stimmen verloren, im Schnitt fast zehn Prozent. Dafür konnte die AfD aus dem Stand ordentliche Ergebnisse vorweisen. In Lauter-Bernsbach liegt die Partei bei über 20 Prozent.

Erfahrene Politikerinnen scheitern in Breitenbrunn: Mit der SPD-Landtagsabgeordneten Simone Lang und der Kreisvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Kreisrätin Ulrike Kahl, haben erfahrene Politikerinnen den Sprung in den Gemeinderat Breitenbrunn verpasst. Stärkste Kraft bleibt die CDU, die leicht zulegt und nun auf 52,8Prozent kommt. (tjm/mu/stl/juef)

 

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