Amtsübernahme im Ausnahmezustand

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Schwarzenbergs Oberbürgermeister Ruben Gehart (CDU) zieht nach den ersten 100 Tagen Bilanz - Schwierige Entscheidungen gleich zu Beginn

Schwarzenberg.

Seit etwas mehr als 100 Tagen hat die Große Kreisstadt Schwarzenberg ein neues Stadtoberhaupt: Ruben Gehart. Beate Kindt-Matuschek sprach mit dem Christdemokraten über die Arbeit der ersten Wochen.

"Freie Presse": Herr Gehart, Sie haben eine Amtsübernahme im Ausnahmezustand von Corona hinter sich. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach den ersten 100 Tagen im Amt aus?

Ruben Gehart: Die Aufnahme durch die Mitarbeiter im Rathaus fiel sehr herzlich aus, da ich ja auch schon viele durch meine vorherige Tätigkeit hier kannte. Es war natürlich keine normale Arbeitsweise. Zudem waren ein paar grundlegende Entscheidungen zu treffen. Darunter auch einschneidende, wie die Absage des Weihnachtsmarktes. Dann sind auch im Rathaus viele Mitarbeiter ausgefallen, nicht nur krankheitsbedingt, auch Mütter zur Betreuung der Kinder. Man ist ja auch Chef einer Verwaltung. Bislang kann man wohl nicht von einem normalen Regelbetrieb sprechen.

Nun hatte ja auch Ihre Vorgängerin im Amt, Heidrun Hiemer, gerade erst begonnen, als 2002 die Flut für einen Katastrophenfall sorgte. Werten Sie Ihren Start daher als gutes Omen für eine lange Amtszeit?

Ich halte nichts von Omen und dergleichen. Ich nehm's, wie's kommt. Es sind Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Und es geht nur mit einem guten Team, wenn die Leute mitziehen.

Sie hatten im Wahlkampf oft betont, zuerst die Mitarbeiter im Rathaus neu motivieren zu wollen. Was läuft jetzt anders?

Ich habe die Runden durchs Rathaus gedreht. War natürlich schwer, weil viele nicht da sind. Auch die Außenstellen sind noch zu. Aber ich denke, allein durch meine andere Arbeitsweise, hat sich die Stimmung im Rathaus etwas aufgehellt. Zumindest empfinde ich das so.

Andere Arbeitsweise? Was meinen Sie damit?

Jeder Mitarbeiter hat eine gewisse Entscheidungskompetenz, also darf er für seinen Bereich auch Entscheidungen treffen, und muss nicht ständig Rücksprache mit mir nehmen. Meine Mitarbeiter sollen neben der Sachbearbeitung auch eigene Lösungsvorschläge unterbreiten. Ich denke, das gefällt ihnen auch.

Waren Sie stets im Rathaus oder auch im Homeoffice?

Nein, das geht noch nicht. Dazu fehlen hier noch die technischen Voraussetzungen. Ich habe einen Monat gebraucht, um ein Tablet zu erhalten, mit dem ich mich von außerhalb einloggen und meine E-Mails und Termine abfragen konnte. Vom Landratsamt - als meinem früheren Arbeitgeber - hierher war technisch gesehen für mich ein Rückschritt. Wir sind jetzt dabei, die Technik auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen, damit man sich überhaupt von außen einloggen kann.

Da schließt sich die Frage nach der Homepage der Stadt an?

Die ist derzeit in Überarbeitung. Wir sind dabei, die Homepage aufzufrischen, damit sie auch übers Handy abrufbar und gut lesbar ist.

Ein Blick auf die aktuelle Corona-Lage: Wie ziehen die Einwohner bei den Maßnahmen mit?

Ich sehe schon, dass ein Großteil der Bürger den Maßnahmen zum Schutz aller respektvoll begegnen und die Vorgaben einhalten. Viele Meinungen, die noch im Frühjahr 2020 kursierten, wurden durch eigenes Erleben oder Fälle im persönlichen Umfeld sicher auch revidiert. Das Verständnis ist gewachsen, weil inzwischen jeder jemanden kennt, den es richtig erwischt hat.

Die Zahlen sind gesunken. Was wäre aus Ihrer Sicht ein erster Schritt möglicher Lockerungen?

Vor einer Woche noch hätte ich gesagt, die Kindergärten und Schulen öffnen. Aber die Mutationen, die auch Kinder treffen sollen, lassen mich heute schon wieder zweifeln. Denn, wenn etwas passiert, wer will das verantworten. Dass telefonische Bestellung und Abholung im Einzelhandel nun möglich werden, freut mich. Kleine Schritte der Lockerung befürworte ich, aber Vorsicht sollte geboten bleiben.

Aue hat das Stadtfest bereits so gut wie abgesagt. Wird's im August in Schwarzenberg das Altstadt- und Edelweißfest geben?

Diese Frage lässt sich derzeit noch nicht abschließend beantworten. Fakt ist, abgesagt haben wir bislang nur den Ostermarkt. Wir fahren, wenn man so will, auf Sicht.

Thema Finanzen: Es wurde bereits im Rat über Investitionen entschieden. Ist der Haushalt für die Stadt in Arbeit?

Ja, der Doppelhaushalt für 2021/22 ist in Vorbereitung. Derzeit laufen interne Abfragen in den Ämtern. Ende des Monats gibt es die internen Haushaltsklausuren, die erste Lesung dann im März im Stadtrat.

Wie weit sind die Pläne zum Parkhaus?

Das hat sich leider noch etwas hingezogen. Die Bieter sollen nun final bis 19. Februar ihr Angebot überarbeiten und abgeben. Es geht in dem von meiner Vorgängerin noch angeschobenen Verfahren um ein Komplettangebot: Planung und Bau.

Können Sie schon etwas zu Ihrem Wahlversprechen eines entfernungsunabhängigen Schülertickets sagen?

Wir sind dran. Es ist in Vorbereitung. Ich werde im Haushalt Geld dafür einstellen. Aber dazu sind noch Abstimmungen mit dem RVE notwendig. Spätestens zum Schuljahresbeginn 2022/23 soll es das neue Schülerticket geben.

Stichwort Silberberg. Ist Silberberg für Sie der Zweckverband oder doch eine Großkommune?

Eine Großkommune eher nicht, weil da die Individualität verloren geht. Zudem übt der Freistaat keinen Druck mehr aus, was Fusionen angeht. Für mich spielt aber Zusammenarbeit der Kommunen mit Blick in die Zukunft eine wichtige Rolle. Dass man sich abstimmt, geschlossen auftritt. Anfänge interkommunaler Zusammenarbeit gibt es bereits mit Nachbargemeinden. matu

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