Amüsanter Rückblick auf ein turbulentes Leben

Mehr als 50 Gäste sind am Freitag der Einladung ins Museumsdepot gefolgt, um einen Mann zu treffen, der Geschichte(n) festgehalten hat. Ein Kapitel jedoch war für ehemalige "Waschgerätewerker" besonders spannend.

Schwarzenberg.

Siegfried Schlottig kann unterhaltsam erzählen. Und ist zudem als ehemaliger Pressesprecher von Foron auch des Schreibens mächtig. Diese Kombination kannten offenbar auch seine Kinder, die ihn - so sagt er - ermutigt hätten, ein Buch zu schreiben.

"Das ist gut im Alter, sich noch zu fordern - oben klar, unten dicht", begründet er den Schritt, es zu tun. Memoiren zu schreiben, kam ihm dabei nie in den Sinn. Es sind vielmehr Erinnerungen an sein Leben. Und gerade weil Schlottig kein "Promi" ist, sondern einer von zig Tausenden DDR-Bürgern, sind seine Geschichten für jeden so nachvollziehbar. Im vorgestellten zweiten Band seines Buches erzählt er amüsant über die Knappheit von Büromaterial in einem VEB, das Trockenklo auf halber Treppe und über die Tücken, einen Werkstatt-Termin fürs Auto zu ergattern. Dabei verwendet er Worte, die mancher sicher schon für immer gelöscht hatte, wie zum Beispiel "Konfliktkommission", "Scheuerlappengeschwader" oder "Ormig-Papier". Für seine Enkel hat er diese Begriffe in Klammern erklärt. Er verrät seine damaligen Verstecke für Kronen vor der Reise in die Tschechei oder erzählt die Episode von den Tapeten, die er so gern als Mitbringsel für seine Gastgeber in Ungarn hätte mitnehmen wollen. Doch dieses Ansinnen machten die DDR-Zöllner zunichte.

Sascha Aurich

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Der Einladung der "Freien Presse" und der Stadt zu einer Lesung in Schwarzenberg ist Schlottig gern gefolgt. Das Museumsdepot Bahnhof Nr. 4, speziell der Schauraum zum Thema 100 Jahre Waschmaschinen aus Schwarzenberg, bot zudem das perfekte Ambiente für den Abend. Zuvor stimmte Horst Möckel die Gäste mit einem historischen Exkurs durch die Geschichte der Waschmaschinenproduktion ein. Schließlich war Schlottig ab 1993 als Presse-Mann von Foron auch für den Bereich der Waschmaschinen aus Schwarzenberg zuständig.

Bereits die Begrüßung glich einem "Klassentreffen". Etliche ehemalige Kollegen und Weggefährten nutzten den Abend, um den Zschopauer wiederzusehen. Und alle lauerten auf jenes Kapitel, das da mehr verraten sollte über das Ende des Waschgerätewerks. Die Treuhand hatte den VEB 1990 mit einem Federstrich zur GmbH gemacht. "Gescheitert sind wir letztlich am Vertrieb", sagt Schlottig und berichtet von Treffen mit Händlern. Eine faire Chance und ausreichend Zeit, die Neuentwicklungen auf dem Markt zu platzieren oder gar etablieren zu können, habe man nicht erhalten.

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