Anwohner ärgern sich über Müll am Weg zum Flüchtlingsheim

Viele Johann'städter waren gegen eine Gemeinschaftsunterkunft. Probleme werden daher besonders kritisch beäugt.

Johanngeorgenstadt.

Wolfgang Neumann hat Fotos gemacht. Müll am Straßenrand: Leere Chipstüten, Zellophanbeutel, Beutel mit weggeworfenen Brötchen und Fladenbroten. "Ich kann Ihnen noch andere Ecken zeigen", sagt er. An den Rändern der Schwefelwerkstraße und entlang einiger weiterer Wege gebe es genug davon. Nicht jeden Tag, aber regelmäßig immer wieder.

Alle diese Wege haben eines gemeinsam: Sie führen zum Asylbewerberheim Johanngeorgenstadt, einem ehemaligen Betriebsferienheim, das von der Freiberger Niederlassung der Campanet GmbH aus Kirchzarten im Schwarzwald betrieben wird. Im Heim gibt es Abfallbehälter, doch Anwohner berichten immer wieder, dass Heimbewohner Müll am Straßenrand entsorgen. "Im Frühjahr hat einer von uns mal eine ganze Schubkarre eingesammelt, aber das kann doch nicht zum Dauerzustand werden", sagt Wolfgang Neumann. Seine Fotos zeigen die Übeltäter nicht in flagranti, aber dass die Verursacher Migranten sind, steht für ihn außer Frage: "Deutsche werfen doch keine Fladen weg."

Eine Anfrage der "Freien Presse" vom vergangenen Freitag ließ der Betreiber bis gestern unbeantwortet. Die Stadtverwaltung Johanngeorgenstadt will die Beschwerden der Anwohner in der Arbeitsgruppe Asyl ansprechen, in der Probleme im Zusammenleben zwischen Einheimischen und Migranten auf dem kurzen Dienstweg geklärt werden sollen. "Ich weiß aber, dass die Heimleiterin die Bewohner regelmäßig belehrt, auch über Müllentsorgung", sagt Hauptamtsleiterin Christiane Neubert. Problematisch sei, dass die Belegung des Heimes ständig wechsele. Asylbewerber, die neu sind, würden oft schon nach einer Woche verlegt und durch neue ersetzt.

Während der Flüchtlingskrise vor drei Jahren demonstrierten Hunderte Johanngeorgenstädter gegen eine Sammelunterkunft. Die Stadt bot stattdessen Wohnungen an. Dass sich der Landkreis über den Bürgerwillen hinweggesetzt hat, sitzt bei vielen Einheimischen tief. Wolfgang Neumann, der unter den Demonstranten war, fällt es schwer, ruhig zu bleiben: "Ich finde es unverschämt, dass ich als Bürger von Sachsen aufgrund der Ereignisse in Chemnitz politisch verurteilt werde, aber hier vermüllen Leute aus zehn Nationen unsere Straßen."

Siegfried Ott, stellvertretender Bürgermeister und Träger des Ehrenpreises von Johanngeorgenstadt, gibt ihm recht: "Ich sehe den Müll regelmäßig beim Radfahren. Das macht keinen guten Eindruck bei unseren Bürgern." Ott saß früher für die CDU im Stadrat. Als der Landkreis das Heim durchdrückte, verließ er die Fraktion und macht seitdem als Parteiloser weiter.

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