Arbeiterwohlfahrt feiert 100. Geburtstag

Bei der Feier wurde der zweite Vorsitzende des Erzgebirgs-Kreisverbandes ausgezeichnet. Der musste zur Mitarbeit erst "geschubst" werden.

Aue/Schwarzenberg.

Allein mit zwei kleinen Kindern, gerade getrennt vom gewalttätig gewordenen Ehemann und auf sich gestellt im großen Berlin, gründete Marie Juchacz 1919 die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten hielt später die Königsbergerin Lotte Lemke die inzwischen verbotene Organisation im Geheimen am Leben und baute sie nach Ende des Zweiten Weltkrieges neu auf. 1990 war es die SPD-Politikerin Gudrun Klein, die einen Kreisverband der Awo in Schwarzenberg startete. Heute wird er als Awo Erzgebirge von Simone Lang, bis vor Kurzem SPD-Landtagsabgeordnete, geleitet. Und mit Margit Weihnert als Chefin des sächsischen Landesverbandes reiht sich eine weitere weibliche Mitstreiterin ein in die Riege der engagierten Awo-Frauen.

Doch zur regionalen Jubiläumsfeier von 100 Jahre Arbeiterwohlfahrt in Deutschland mit über hundert Gästen wurde ein Mann besonders geehrt. Gerd Weigel, der zweite Vorsitzende der Awo Erzgebirge, erhielt am Samstag im Kulturhaus Aue die Ehrenmedaille des sächsischen Awo-Landesverbandes. Der 59-Jährige wurde 2006 von der damaligen Kreisvorsitzenden Gudrun Klein in den Verband "geschubst", wie er erzählte. Klein zog sich damals gerade aus dem Vorstand zurück und fragte den Schwarzenberger Gerd Weigel, ob er mitmachen würde. Aber der Rechtsfachwirt, tätig in einer Anwaltskanzlei, Vater von zwei Töchtern, engagiert in der SPD, wollte eigentlich nicht. Die beruflichen und politischen Aufgaben seien schon zeitfüllend gewesen. "Ich möchte auch nicht -zig Ämter besetzen und keines richtig ausführen", meinte Weigel in seiner kurzen Dankesrede. Schließlich sagte er doch zu und wurde gleich zweiter Vorsitzender, seit Langem ist er auch Mitglied im Vorstand des Awo-Landesverbandes. "Er überzeugt durch seine freundliche, einnehmende und aktive Art", sagte Landeschefin Margit Weihnert in ihrer Laudatio. Als Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Satzung" kümmere er sich sehr genau um den rechtlich so wichtigen Bereich und führe viele Gespräche mit den Kreisverbänden.

18-mal hat der sächsische Dachverein die Medaille aus Meißner Porzellan verliehen. Im Erzgebirge sei Gudrun Klein bislang die einzige Geehrte gewesen. Für Gerd Weigel ist die Auszeichnung "ein Ansporn weiterzumachen". Gudrun Klein freut sich über die "zuverlässigen Männer", die es in der Awo gibt. Allerdings seien es immer noch mehr Frauen, die sich sozial engagieren. "Ich denke, das liegt uns im Blut und die Gene ändern sich nicht so schnell", sagte sie. Der 30. Geburtstag für den regionalen Verband steht nächstes Jahr ins Haus.

Heute hat er fünf Ortsgruppen. Der Kreisverband beschäftigt 300 Mitarbeiter, zählt 250 Mitglieder und kann auf über 50 ehrenamtliche Helfer setzen.

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