Arbeitgeber buhlen in Albanien um Fachkräfte für die Pflege

Ungewöhnlich und weit sind die Wege, um gutes Personal zu finden. Und selbst wenn man Leute bekommt, gilt es, noch hohe Hürden zu meistern.

Aue/Schwarzenberg.

Dass er als Geschäftsführer der Volkssolidarität Westerzgebirge einmal ins Flugzeug steigen wird, um in Albanien Bewerbungsgespräche mit Fachkräften für die Pflege zu führen, das hätte sich Béla Ullmann zu Beginn seiner Tätigkeit wohl nie vorstellen können. Nun hat er es bereits zweimal getan. Aus der Not heraus, denn er findet hier keine Leute mehr für die Pflege.

In Albanien indes schon. Dort finden gut ausgebildete Krankenschwestern oder Pfleger keine Arbeit. "Wir nehmen dem Land somit auch keine Fachkräfte weg. Doch wir brauchen die Leute. Und ich bin bei weitem nicht der Einzige, der dort Personalgespräche führt. Dort sitzen auch Vertreter großer Kliniken aus ganz Deutschland, die sicher mehr bieten können als ich", berichtet Béla Ullmann über seine Reise. Mittlerweile hat er sechs Fachkräfte der Pflege überzeugen können, sich rund 2000 Kilometer entfernt von der Heimat etwas Neues aufzubauen. Genau das wollen sie: Silva Muha (28) und Klodiana Mema (25) oder auch Roland Dashi (32). Sie alle sind ausgebildet in der Krankenpflege. "Ich habe drei Jahre erst Bachelor, dann zwei Jahre Master gemacht", sagt Silva Muha. Und doch werde dieser Abschluss nicht einfach so in Deutschland anerkannt. Sie und ihre Kollegin mussten in Heidelberg eine nochmalige Prüfung ablegen. Roland Dashi hat seit seiner Einreise als Pflegehilfskraft gearbeitet und ist nun, seit Anfang Dezember, offiziell "Azubi", obwohl er in seinem Land den Abschluss als Krankenpfleger absolviert hat. "Die Anerkennung der Abschlüsse ist ein Problem", sagt Ullmann, der speziell die bürokratischen Hürden als Hindernis sieht. "Das beginnt bereits bei der Anerkennung der Fahrerlaubnis", so Ullmann und kann etliche weitere Beispiele dafür nennen. Roland Dashi hat seine Familie nachgeholt. Seine Frau ist Hebamme von Beruf. Als solche darf sie hierzulande aber nicht arbeiten. Also wird auch sie als Pflegehilfskraft einsteigen. Sie hat ihr Visum in der deutschen Botschaft in Tirana erhalten. Die beiden Kinder noch nicht. Deshalb müssen sie jetzt erneut zurück nach Albanien - die Kindervisa abholen. Ohne Visum ist jedoch die Anmeldung in Kita und Schule nicht möglich. "Alles Dinge, die Nerven kosten", sagt Ullmann. "Die Kollegen waren spitze. Die haben allen so sehr geholfen. Das passt", so der Geschäftsführer. Das bestätigen sowohl Franziska Becher als auch Heidi Nobis, die als Pflegedienstleiterinnen über die Neuen im Team sehr glücklich sind. Während Klodiana und Silva im ambulanten Dienst in Schwarzenberg tätig sind, arbeitet Roland Dashi im VS-Seniorenheim in Aue. Die Bewohner, wie Ingeburg Dierbach, verstehen sich prima mit ihm. "Ein junger Mann, das ist doch mal was", sagt die 97-Jährige. Und verstehen die Neuen denn die alt eingesessenen Erzgebirger? "Gieht schie", sagt Klodiana und lacht selbst über ihre spontane Antwort.

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