Astro-Alex meldet sich - 14-jähriger Schüler bleibt cool

Beharrlichkeit führt oft zum Ziel. Das haben neun Gymnasiasten am Beispiel des gewünschten Funkkontakts zur ISS gelernt.

Zwönitz.

Franz - diesen Vornamen hat man gestern in der Aula des Matthes-Enderlein-Gymnasiums Zwönitz so oft gehört wie keinen anderen. Franz Wabnitz wurde gerufen, um ins Mikrofon mehrerer Radiostationen zu sprechen, Franz sollte Fernsehleuten Interviews geben, Franz sollte für Fotos in die Kamera lächeln. Schließlich hatte der 14-Jährige beim Funkkontakt mit der ISS das Privileg, als erster seine Frage an Alexander Gerst zu stellen. In welcher Zeitzone lebt man auf der ISS? Um die Antwort zu verstehen, musste man ganz genau hinhören. Die Raumfahrer leben nach UTC, der Weltzeit. "Das habe ich noch verstanden, was er auf die Fragen der anderen geantwortet hat, schon nicht mehr. Dann habe ich nur noch geguckt, wie viel Zeit wir noch haben", erzählt der Gymnasiast wenige Minuten nach dem Kontakt.

Und das war in der Tat nicht viel. Nur sechs von zehn vorbereiteten Fragen konnten die Zwönitzer anbringen. Wie es schon für Montag vereinbart war, teilten sich die Zwönitzer mit einem Gymnasium in Kaiserslautern in die elf Minuten, die der Überflug der ISS über Deutschland an Kontakt möglich machte. Ein bisschen Zeit brauchte es außerdem gleich zu Beginn noch für die Entschuldigung von Alexander Gerst. Es freue ihn, dass es nun doch geklappt hat und er sei jetzt sehr erleichtert, nachdem der Kontakt am Montag nicht zustande gekommen war.

"Klar, die Enttäuschung war bei uns allen groß", erzählt Franz. "Da wussten wir ja auch noch nicht, dass es so schnell mit einem neuen Termin klappt." Dienstag war für die sieben Jungen und zwei Mädchen ein ganz normaler Schultag. Als sie dann in der Whatsapp-Gruppe davon erfuhren, dass es Donnerstag mit dem zweiten Anlauf klappen soll, waren sie alle wieder mit dabei, als am Mittwoch wieder die Technik aufgebaut und getestet wurde. "Wir haben unter anderem noch Verbesserungen an der Antenne vorgenommen", sagt Franz Wabnitz. Kommt er sonst auch ohne Wecker aus, so musste er ihn gestern doch stellen, weil er die Nacht zuvor erst 1 Uhr ins Bett gekommen ist. Er hatte noch damit zu tun, Videos für das Rahmenprogramm zum Funkkontakt vorzubereiten. Zwei Stunden Biologie standen gestern für Franz auf dem Stundenplan, dann ging es ab 9 Uhr wieder ans Aufbauen. "Da waren auch schon die ersten Presseleute hier." Genervt fühlte sich der 14-Jährige von den vielen Interviewanfragen nicht. "Man gewöhnt sich dran."

Als sie gestern immer wieder hörten, dass es doch nun mit dem Kontakt zur ISS klappen müsse, ging den Schülern das dann aber doch auf die Nerven. Es war nämlich gar nicht so sicher. Schließlich war bekannt, dass die Funkstation vom Service-Modul ins Columbus-Modul umgeräumt worden war - und das war seit längerem nicht mehr im Gebrauch. "Möglicherweise kann es passieren, dass es wieder nicht klappt", hieß es skeptisch im Live-stream aus der Kaiserslauterer Schule. "Umso mehr freuen wir uns jetzt über den Erfolg", sagte Franz. Als sich die Aula so langsam geleert hatte, die Leute von Funk und Fernsehen Kameras und Mikrofone abgebaut hatten, konnten endlich auch die Schüler und Amateurfunker um Heiko Meier durchatmen. "Wir werden noch besprechen, was gut gelaufen ist und was nicht so gut, und dann abbauen. Der Rest des Tages wird ganz normal ablaufen, außer dass die ganze Zeit die Freude darüber da ist, dass es geklappt hat", so der Gymnasiast.

Heiko Meier, der als Amateurfunker die Schülergruppe betreut, lobte sein Team: "Die haben sich alle super entwickelt, am Anfang waren eigentlich alle sehr zurückhaltend, jetzt machen sie vieles selbstständig, haben unter anderem die ganze Technik allein aufgebaut." Stolz ist auch Kathrin Effenberg, allein fünf der neun Schüler gehen in ihre Klasse: "Sie sind alle erwachsener geworden, gehen mit einer großen Ernsthaftigkeit an die mit dem Projekt verbundenen Aufgaben."

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