Aue bekommt ersten Kunstrasenplatz ohne Plaste-Probleme

Das neue Spielfeld für den SV Auerhammer soll nicht mit Kunststoff- granulat verfüllt werden. Grund ist ein drohendes Verbot der EU. Die Stadt hat eine Alternative parat. Doch die ist umstritten.

Aue.

Für die hiesige Region ist es eine Premiere: In Aue soll für 300.000 Euro der erste Kunstrasen-Sportplatz ohne kleingeschreddertes Plaste-Granulat entstehen. Er ersetzt das alte Kunstrasen-Spielfeld an der Ricarda-Huch-Straße in Auerhammer, das in die Jahre gekommen ist. "Wir versuchen so, die Mikroplastik-Problematik zu vermeiden", sagt Bauamtsleiter Immo Rother. Statt Kunststoffgranulat komme auf dem neuen Platz Sand zum Einsatz.

Hintergrund der Entscheidung: Die Europäische Union denkt derzeit über ein Verbot für das Granulat nach. Einer Studie des Fraunhofer-Instituts zufolge stellen Fußballplätze - insbesondere Kunstrasenfelder - nämlich die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland dar. Problematisch sind dabei nicht die Halme, sondern eben das Kunststoffgranulat, mit dem die Plätze verfüllt werden und das leicht ausgespült werden kann. Jährlich gelangen so etwa 11.000 Tonnen der kleinen Teilchen in die Umwelt, siebenmal so viel wie durch die Kosmetikindustrie - mit Folgen für Mensch und Tier. Die EU prüft deshalb ein Verbot des Granulats auf neu gebauten Plätzen ab 2021.

Laut Rother sollte auch der Sportplatz Auerhammer zunächst erneut mit Kunststoffgranulat verfüllt werden. Wegen des drohenden Verbots zeichne sich jedoch ab, dass der Bund dafür kein Geld mehr zu Verfügung stellt. Um dennoch an eine Finanzspitze von 118.000 Euro zu kommen, musste die Stadt nun umschwenken und will Quarzsand statt Granulat verwenden. Das Problem jedoch: "Der Platz hat so wohl weniger dämpfende Eigenschaften", sagt Immo Rother.

Ob und wie sich das Fußballspielen auf dem Platz ändert, müsse man abwarten, sagt Thomas Goldhahn, der erste Vorsitzende des SV Auerhammer, also jenes Vereins der den Platz hauptsächlich nutzt. "Im Moment wissen wir es einfach nicht." Mit Blick auf alte Sportplätze, die nach der Wende mit Quarzsand verfüllt wurden, sagt er aber auch: "Da hat man sich alles kaputtgemacht, wenn man hingefallen ist."

Insgesamt sieht Thomas Goldhahn die Debatte um die Umwelt- gefahren von Kunstrasen-Plätzen kritisch: "Auf einmal ist es umweltschädlich. Warum, weiß keiner." Dass der Sportplatz Auerhammer erneuert wird, begrüßt der Vorsitzende zugleich. "Wir spielen von Montag bis Sonntag darauf. Jetzt ist er schlicht und einfach verschlissen." Läuft alles nach Plan, könnten die Bauarbeiten vielleicht schon im Sommer dieses Jahres abgeschlossen sein - pünktlich zu einem besonderen Jubiläum. Denn im Juli will der Verein sein 100-jähriges Bestehen feiern. (mit tre)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...